Landkreis St. Wendel will sich mit Masterplan für die touristsiche Zukunft rüsten.

Kostenpflichtiger Inhalt: Tourismus-Masterplan fürs St. Wendeler Land : Damit sich Urlauber wohlfühlen

Und die Einheimischen auch: Der Landkreis St. Wendel will sich mit einem Masterplan für die touristische Zukunft rüsten. Dieser wurde jetzt vorgestellt.

Passenderweise bot der Bostalsee am Freitag die Kulisse zur Präsentation des „Masterplans Tourismus St. Wendeler Land 2025“. Ist er doch der Besuchermagnet der Region. Die hohen Fenster im Tagungsraum der Seezeitlodge gaben den Blick auf das Gewässer an diesem Herbsttag frei. Vor 40 Jahren ist der touristische Anziehungspunkt in der Gemeinde Nohfelden offiziell eröffnet worden. „Im Jahr 1979 zählten wir bereits 100 000 Übernachtungen, 2018 waren es mehr als eine Million“, nannte Landrat Udo Recktenwald (CDU) zwei Zahlen, die die Entwicklung in Sachen Tourismus verdeutlichen. Dieser sei längst zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor im St. Wendeler Land geworden, brachte im vergangenen Jahr eine Wertschöpfung von 210 Millionen Euro. Auf diesem Erfolg dürfe man sich nun aber nicht ausruhen. „Es gilt, die Weichen zu stellen, um Qualitätsstandards halten zu können“, so Recktenwald.

Wie diese Weichen aussehen können – diese Frage soll der Masterplan beantworten. Damit sich darin auch Ideen und Eindrücke jener Menschen widerspiegeln, die ihn schließlich mit Leben füllen müssen, trafen sich Touristik-Fachleute aus dem Landkreis, Hoteliers, Vertreter von Freizeitbetrieben, der Tourismus-Zentrale Saarland, des Naturparks Saar-Hunsrück sowie Vertreter aus der Politik zu zwei Workshops. Begleitet wurden diese von Silke Heck vom Büro für Tourismus- und Erholungsplanung (BTE).

35 Seiten, so verriet sie, zählt der Masterplan. Darauf sind fast 30 Maßnahmen aufgelistet, die das Tourismusangebot im St. Wendeler Land verbessern sollen. Als Grundlage diente die Tourismuskonzeption des Saarlandes, die es seit 2015 gibt. „Wir haben geschaut: Was daraus passt zu dem Landkreis St. Wendel?“ Auch warf Heck einen Blick auf Trends im deutschlandweiten Tourismus. In diesem Zusammenhang nannte sie Stichworte wie „aktiv erholen“, „etwas Besonderes erleben“, „Angebote für Best-Ager“, „Digitalisierung“ oder „Nachhaltigkeit“. Einiges davon passt zur Region oder soll in Zukunft angegangen werden. So gibt es bereits ein Wander- und Radwegenetz. Dass die Strecken gepflegt und gut beschildert sind, sei Pflicht. Der Urlauber erwarte aber mehr. „Man muss die Wege besser erlebbar machen“, sagte Heck. Als Beispiel führte sie die William-Turner-Route im Mittelrheintal an. Dort wandelt der Besucher auf den Spuren des Malers. Sieht dessen Werke und gleichzeitig in natura die Kulissen, die den Engländer inspirierten. „Und auch der Service links und rechts des Weges muss stimmen“, merkte die Diplom-Geografin an. Stichwort Verpflegung.

Eine besondere Beachtung soll den touristischen und kulturellen Leuchttürmen im Landkreis zuteil werden. Sie könnten beispielsweise mit Veranstaltungen in Szene gesetzt werden. „Wichtig ist aber auch die Erreichbarkeit“, betonte Heck. Dies beziehe sich sowohl auf Anreise und Parken, Öffnungszeiten als auch Barrierefreiheit.

Am Rande der Veranstaltung verriet der Kreisbeigeordnete Werner Wilhelm (CDU), dass es Pläne gibt, den Bostalsee weiter aufzuwerten. So soll in dem Bereich, der in kalten Wintern als Eisfläche diente, ein Wasserspielplatz entstehen.

Zu Beginn der Workshops erstellten die Teilnehmer je eine Liste mit den Stärken und den Schwächen der Region. Auf letzterer stand beispielsweise das Stichwort Ortsbild. Hier, so führte Heck aus, müsste teilweise an der Attraktivität gearbeitet werden. Jeder kenne das von den eigenen Urlauben her: Es seien oft Kleinigkeiten, die darüber entscheiden, ob wir uns an einem Ort wohlfühlen oder nicht. Und so lautet ein Arbeitsauftrag des Masterplans: da, wo nötig, müssen die Dörfer aufgewertet werden. Wie? Diese Frage ließe sich am besten nach gezielten Ortsbegehungen beantworten.

Eine weitere Anregung im Masterplan beschäftigt sich mit Übernachtungsmöglichkeiten. Und zwar von der speziellen Sorte. Die seien nämlich im Trend. So zeigte die Tourismus-Expertin Bilder von Zelten, die in Bäume gespannt sind, oder von Pop-up-Zelten mit Namen Sleeperoo – viereckig und mit Panoramafenstern versehen.

Mit mehr als einer Million Übernachtungen hat der Landkreis St. Wendel eine Marke gesetzt. Ziel ist dennoch eine Steigerung – allerdings moderat auf etwa 1,3 Millionen. Die Touristiker haben dafür die Nebensaison im Blick. Wie Martina Scheer, Leiterin Tourist-Information St. Wendeler Land, verriet, ist eine Aktion mit dem Titel „Tabbede-Weggsel“ geplant. Diese läuft vom 3. Januar bis zum 31. März. „In dieser Zeit gibt es für Einheimische 15 Prozent Ermäßigung auf die Zimmerpreise“, erläuterte Scheer. Sieben Häuser machen mit. Und servieren den Gästen auch noch ein Vier-Gänge-Menü. Ein entsprechender Fyler mit Infos erscheine demnächst.

Im Garten der Sinne in Merzig können Gäste in einem sogenannten Sleeperoo übernachten. Foto: Landkreis Merzig-Wadern

Mit dieser Aktion wird zugleich ein weiteres Stichwort im Masterplan angegangen: Binnentourismus. Einwohner sollen bewusst ihre Region erleben und im besten Fall zu Werbeträgern werden. „Wir selbst müssen von unserer Heimat überzeugt sein, um andere zu überzeugen“, sagte Landrat Recktenwald. Der Masterplan biete den Ansatz, um Dinge anzugehen – und zwar gemeinsam. „Es ist kein statischer Plan, sondern einer der stets offen ist für neue Gedanken.“

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