Kampfsport : Wie auch kleine Körper Mächtiges leisten können

Seit zwei Jahren gibt es den Verein Kun-Tai-Ko Nord-Saar mit Sitz in Nohfelden. Trainiert wird eine weniger bekannte Variante von Karate.

Kampfsportarten genießen nicht bei allen Menschen den besten Ruf. Doch Karate, Kung Fu und Co. sind meist weit mehr als bloßes Schlagen oder Treten. „Bei uns im Verein herrscht ein tolles Gemeinschaftsgefühl, und wir legen auch viel Wert auf Disziplin“, berichtet Yannik Hausmann. Der 22-jährige Student ist Gründungsmitglied und Schriftführer beim noch recht jungen Verein Kun-Tai-Ko Nord-Saar.

Der vor zwei Jahren gegründete Club ging aus der Kampfsport-Abteilung des SV Wolfersweiler hervor und hat mittlerweile rund 25 Mitglieder – die meisten davon sind Nachwuchssportler unter 18 Jahren. Und die können sich hier so richtig auspowern. „Eltern haben mir berichtet, dass ihr Nachwuchs in den Tagen nach dem Training deutlich ausgeglichener ist“, verrät Hausmann.

Als Kun-Tai-Ko bezeichnet man eine Variante des Karate. Der Begriff bedeutet frei übersetzt soviel wie „kleiner mächtiger Körper“. Kun-Tai-Ko ist hierzulande weniger bekannt als die traditionellen japanischen Kampfsportarten wie etwa Karate, Judo oder Ju-Jutsu.

Der Franzose Soke Lucien Viktor Ott, seinerzeit in Brüssel zuhause, begründete 1958 diese Kampfkunst, die besonderen Wert auf eine umfassende geistige und körperliche Ausbildung legt. Als Chefausbilder der Königlich-Belgischen Polizeiakademie lehrte er, wie „selbst ein kleiner Körper Mächtiges leisten kann“.

„Kun-Tai-Ko beinhaltet neben den traditionellen Bestandteilen auch wichtige Selbstverteidigungstechniken, die gerade Frauen und Kinder in Gefahrensituationen anwenden können“, berichtet Hausmann.

Neben Kun-Tai-Ko bietet der Verein auch das sogenannte Pointfighting an. Dies ist eine Variante des Kickboxens. Beim Pointfighting wird allerdings nicht bis zum Runden-Ende durchgehend oder bis zum K.o. gekämpft, sondern es wird nach jedem erfolgreichen Treffer eines Kontrahenten abgestoppt. Dieser Treffer wird dann von Kampfrichtern mit Punkten gewertet. „Hier kommt es mehr als Schnelligkeit als auf Kraft an. Das macht Pointfighting gerade auch für Kinder interessant“, erklärt Hausmann.

Die Übungseinheiten von Kun-Tai-Ko Nord-Saar finden in der Sporthalle in Güdesweiler statt. Geleitet werden sie von erfahrenen Trainern. Cheftrainer, oder Sensei, wie Kampfsportler sagen, ist Mazllum Gavrani. Der 34-Jährige, der auch das älteste Vereinsmitglied ist, ist Inhaber des zweiten DAN (Bezeichnung für einen Meistergrad im Kampfsport) und war schon mehrere Male deutscher Meister in Pointfighting, Kata und Selbstverteidigung. Außerdem kämpfte Gavrani früher in der Kickbox-Bundesliga.

Zudem gehören noch der 22-jährige Dominic Klein sowie der fünf Jahre jüngere Cedric Klein, beide aus Namborn, zum Trainerteam. Dominic Klein ist Inhaber des braunen Gürtels und wurde unter anderem 2014 Vizemeister im Pointfighting in seiner Gewichtsklasse bei den German Open in St. Ingbert. Cedric Klein trägt den blauen Gürtel und belegte beispielsweise vor vier Jahren bei den German Open den zweiten Platz im Kata-Wettkampf.

Ursprünglich plante Kun-Tai-Ko Nord-Saar, in diesem Jahr erstmals auch an offiziellen Turnieren teilzunehmen. „Wegen der Zwangspause aufgrund der Corona-Pandemie steht das momentan aber auf der Kippe“, berichtet Kaufmann.

Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben – und schließlich ist Geduld ein weiterer Wert der Kampfsportlern in ihrem Training vermittelt wird.

Kun-Tai-Ko enthält auch Techniken der Selbstverteidigung. Foto: Yannik Hausmann

Kun-Tai-Ko Nord-Saar bietet für Kinder, Jugendliche und Erwachsene die Möglichkeit eines kostenlosen Schnuppertrainings an. Die Pointfighting-Übungseinheiten finden (nach der Corona-Zwangspause) freitags jeweils von 18 bis 19.30 für Kinder sowie von 18 bis 20 Uhr für Erwachsene statt. Die Kun-Tai-Ko Kämpfer gehen montags von 18 bis 19.30 Uhr (Kinder) sowie von 19.30 Uhr bis 21 Uhr (Erwachsene) auf die Matte. Weitere Infos sind unter www.kun-tai-ko-nord-saar.jimdofree.com zu finden.