Kumpel rufen zur Mettenschicht

Gonnesweiler. Mit Liedern, Texten und Ansprachen feierten zahlreiche Mitglieder des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlandes am Freitag ihre zwölfte Mettenschicht. Der Barbara-Stollen in Gonnesweiler ist schon von Anbeginn der Schauplatz dieses Treffens

Gonnesweiler. Mit Liedern, Texten und Ansprachen feierten zahlreiche Mitglieder des Landesverbandes der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine des Saarlandes am Freitag ihre zwölfte Mettenschicht. Der Barbara-Stollen in Gonnesweiler ist schon von Anbeginn der Schauplatz dieses Treffens. Er war auch diesmal wieder mit vielen Lichtern und Tannenzweigen geschmückt und erinnerte an diese alte, bergmännische Tradition. Sie hat den Bergleuten einst eine Abwechslung von ihrem, nicht leichten Arbeitsalltag gebracht. Für Klaus Hiery, den Vorsitzenden des Landesverbandes, sind diese Mettenschichten ein Anlass, Rückschau und Ausblick zu halten, aber auch dankbar zu sein. "So war es auch früher. Wenn der Knappschaftsälteste die Glocke zum Einfahren läutete, wenn im kerzenbeleuchteten Stollen Weihnachtsgeschichten und Gedichte gelesen, Lieder gesungen und auf das Bergjahr zurückgeblickt wurde, war die letzte Schicht vor Weihnachten gefahren", sagte Hiery in seiner Ansprache. Das Festhalten an saarländischen Traditionen sei aber nicht nur eine Huldigung an die Vergangenheit. Bis heute sei eine Solidarität mit den Bergleuten erforderlich, gerade im Hinblick auf die schwierige Situation im Kohlebergbau. Dieses Thema griff auch der saarländische Staatssekretär Albert Hettrich in der "Bergpredigt" auf. Nach langer Ungewissheit gebe es nun Klarheit über den saarländischen Bergbau. Auch nach dem Jahre 2012, in dem die letzte Grube an der Saar schließe, müsse es weitergehen. Vielen Bergleuten werde dann der vorzeitige Ruhestand angeboten. Etwa 1700 von ihnen würde während eines Übergangszeitraumes eine Arbeit in Nordrhein-Westfalen vermittelt. Die saarländische Landesregierung stelle für diese Phase finanzielle Mittel bereit. Der Nohfelder Bürgermeister Andreas Veit betonte in seiner Rede, er finde es gut, dass die Bergleute an der Tradition der Mettenschicht festhalten und sich dafür den Gonnesweiler Stollen ausgesucht haben. Der nachfolgenden Generation müsse durch solche Veranstaltungen in Erinnerung gehalten werden, wie der Bergbau einst das Gesicht des Saarlandes geprägt habe. "Es macht wenig Sinn, über die politischen Entscheidungen in Sachen Bergbau zu diskutieren", sagte der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald. "Wir müssen damit umgehen, ungeachtet der Fragen, wie die Energieversorgung in Zukunft aussieht." Die St. Wendeler Landkreisverwaltung sei nicht untätig geblieben und habe Maßnahmen für eine Anschlussbeschäftigung für die Bergleute eingeleitet. Für seine Verdienste um die saarländischen Bergleute und den Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine wurde der Gonnesweiler Robert Schneider zum Ehrenhauer ernannt. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass der Barbara-Stollen gebaut werden konnte. Als äußeres Zeichen der Ernennung musste Schneider über das so genannte Arschleder steigen. Auf die an sein hinteres Körperteil gehaltene Schaufel gab es drei Schläge mit der Hacke. Der altgediente Bergmann erzählte, wie er 1948 als Elektriker bei Saarberg angefangen habe und später zum Elektrohauer umgeschult wurde. 1958 war er Mitbegründer der Gonnesweiler St. Barbara-Bruderschaft. "Die Brauchtumspflege liegt mir sehr am Herzen", sagte Schneider vor den Bergleuten. gtr

HintergrundDie Mettenschicht ist ein alter, bergmännischer Brauch und bezeichnet die letzte, eingefahrene Schicht vor Weihnachten. Der Steiger beendete diese Schicht vorzeitig mit einem Klopfzeichen, mit dem er die Bergleute "herausklopfte". Anschließend hielt er im weihnachtlich geschmückten Huthaus eine Art Predigt. Mit Bergmannsliedern dankten die Bergleute für den Bergsegen. Ein einfaches, typisches Essen beendete die Schicht. Die Idee der Mettenschicht ging vom Erzgebirge aus und ist inzwischen von vielen Besucherbergwerken zur Gestaltung einer von bergmännischem Brauchtum geprägten Weihnachtsfeier aufgegriffen worden. gtr