Kultur hat ihren Wert

Immer öfter jammere das Publikum, wenn es für ein Konzert einen angemessenen Eintritt zahlen solle. Grund seien die vielen „kostenlosen“ Angebote der öffentlichen Hand, die den privaten Veranstaltern das Leben schwer machten, beklagt Michael Manthey, 60, gelernter Journalist und Mitgründer des Kulturvereins Riegelsberg, im Interview mit SZ-Redakteur Peter Wagner. Mantheys kritische Worte bilden den Auftakt zur Serie „Musikkneipen“, in der wir kleinere Gaststätten in der Region vorstellen, die den unterschiedlichsten Künstlern Auftritte ermöglichen.

Herr Manthey, sie ärgern sich, dass am Eingang zu Musik- und Kleinkunstveranstaltungen immer öfter über die Sinnhaftigkeit von 5 oder 8 Euro Eintritt gestritten wird?

Michael Manthey: Ja, es hat sich die "Umsonst-Kultur" breit gemacht. Das Publikum muss, ob am Saarbrücker Schloss, am Püttlinger Bahnhof und an anderen Orten, jetzt im Sommer oft keinen Eintritt für Kultur bezahlen, weil die öffentliche Hand die Kosten trägt. Der private Veranstalter, der Eintritt zur Kostendeckung benötigt, ist der Dumme. Er soll sich groteskerweise rechtfertigen, sogar gegenüber Gästen, die sich die 8 Euro leicht leisten könnten.

Was ist zu tun? Boykott der Sommer-Szene?

Manthey: Nein. Es müsste nur in die Köpfe, dass auch "Umsonst"-Konzerte ihren Wert haben, Kosten verursachen. Die werden nicht vor Ort fällig, die trägt aber jeder über seine Steuern. Er zahlt also so oder so! Wenn es nach mir ginge, würde überall das Prinzip "Leistung gegen Eintrittsgeld" gelten, transparent und fair. Wer eine Kulturveranstaltung besucht, sollte sich des Wertes der Leistung bewusst sein und den Beitrag gern leisten.

Was ist von sogenannten Hutsammlungen zu halten, bei denen kein fester Eintritt, sondern eine Spende verlangt wird?

Manthey: Nichts, das ist unkalkulierbar und kann für die Künstler böse ausgehen, wenn das Publikum gerade nicht spendabel ist.

Die Künstler allerdings wissen, dass sie vom Kulturamt sicher ihr Geld bekommen, die meckern nicht gegen die "Umsonst-Kultur", sondern freuen sich über öffentlich finanzierte Konzerte, oder?

Manthey: Das stimmt. Und es kommt sogar noch hinzu, dass bei einem Kulturamts-Konzert meist höhere Gagen gezahlt werden als im Nebensaal der Kulturkneipe. Das kann aber auch mal ein Ende haben.

Wieso?

Manthey: Die Haushaltslage zwingt die Kommunen und Kreise immer mehr zum Sparen. Da werden dann gern mal die Kultur-Etats zusammengestrichen, und plötzlich ist den Künstlern der Boden komplett abgegraben.

Aber dann gibt es ja noch die von ihnen so geschätzten Privatveranstalter?

Manthey: Hoffentlich - und wahrscheinlich ja. Die sorgen übrigens auch für Vielfalt und Frische. Öffentlich-rechtliche Kultur ist ja immer darauf aus, möglichst viele Menschen mit "risikolosen" Angeboten anzusprechen. Ohne abschätzig urteilen zu wollen, wird dadurch aber auch das Mittelmaß begünstigt, der Mainstream. Da ist die Gefahr der Verflachung drin. Die, die das Geld und die Möglichkeiten haben, mal etwas "anderes" anzubieten, machen das, was sie immer machen. Ein Kessel Buntes. Nur nichts Ausgefallenes. Nur nichts Neues. Nur kein Risiko. Das ist schon ein Armutszeugnis. > Serie wird fortgesetzt