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Kühns „Kopfbilder“ im spannenden Dialog mit Kunst von Kollegen

Kühns „Kopfbilder“ im spannenden Dialog mit Kunst von Kollegen

An die 250 Gäste gaben dem Dichter Johannes Kühn am Sonntag im Dillinger Schloss die Ehre. Sie kamen, um sein zeichnerisches Werk anzuschauen und zu würdigen. Francis Berrar hat dem Jubilar Ausstellungen in Dillingen und Saarlouis ausgerichtet.

"Die Gegenwart der Linie hat ihm Vertrauen gegeben", behauptet Künstlerkollege Francis Berrar, der Kühns "Zettelwirtschaft", tief beeindruckt von der Qualität der Arbeiten, ans Tageslicht gebracht und großartig in Szene gesetzt hat. "Eigenständig und jeder Mode fern", so beurteilt der Kurator Kühns Werk. Während die Ausstellung im Saarlouiser Museum Haus Ludwig eine große Anzahl farbiger Zeichnungen und einige wenige Aquarelle von Kühn aus den Jahren seiner lyrischen "Abwesenheit" zeigt, hat Berrar im Dillinger Schloss Kühns "Kopfbildern" Skulpturen und Gemälde angesehener Künstler zum Thema gegenübergestellt - (schon deshalb, um Kritiker zu überzeugen). So ergibt sich ein spannender Dialog zwischen Kühns "Leuchtspur" und Darstellungen von Johannes Lotz, Jonathan Meese, Max Weinberg, Miriam Cahn, Helmut Butzbach, Donald Baechler, Juliana Hümpfner, Leo Kornbrust sowie Wanda Pratschke. Und tatsächlich: Kühns Zeichnungen halten den Vergleich nicht nur aus, sie behaupten sich, führen ein Eigenleben. Es ist das Zusammenspiel der signalisierenden Wirkung von Filzstiften, die seine Bilder so fröhlich erscheinen lassen, und des energischen, ja forschen Zeichenduktus, es sind seine dichten Strichbündel, Schraffierungen und sein einfühlsamer Blick auf Menschen, Bäume, Tiere, Landschaften, die sein umfangreiches Werk so eindrücklich machen. Besondere Merkmale sind: Seine Tiere schauen alle nach links, und stets bemalt der Künstler das Blatt im DIN A 4-Format bis an den Rand.

Die Faszination von Kühns Kunst "liegt aber in seiner Fähigkeit, einen stark grafischen Stil mit viel Fantasie zu kombinieren", bemerkt Berrar in der Festschrift, die zum 80. Geburtstag von Johannes Kühn erschienen ist. Der Hasborner zählt inzwischen zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern der Gegenwart. Jetzt wird sein zeichnerisches Talent gewürdigt.

Ausstellungen bis 2. März. Sonntag, 23. Februar, 16 Uhr, Lesung mit Johannes Kühn im Museum Haus Ludwig.