Krajewskis Heimspiel

Wahlkampf-Besuch zu Hause: Die frühere Wirtschaftsministerin Christiane Krajewski (SPD) tourte gestern durchs Saarland. Die 64-Jährige gehört zum Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Am SPD-Stand in der Saarbrücker Fußgängerzone steuert ein Passant auf Christiane Krajewski zu und sagt zornig: "Wer einmal auf dem Arbeitsamt war, der wählt nie mehr SPD!" Mehr hat er nicht zu sagen, er wendet sich zum Gehen. Die Stimme hinter seinem Rücken ist plötzlich laut, ungewohnt laut für Krajewski, die ihm ein, zwei Schritte folgt: "Vergessen Sie mal nicht, dass das Arbeitsministerium derzeit von Ursula von der Leyen geführt wird."

Dinge zurechtzurücken, Herausforderungen anzunehmen, das scheint genau ihre Sache zu sein. Seit Juni gehört die 64-jährige Volkswirtin zum Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, zuständig für Wirtschaftspolitik. "Eigentlich hatte ich mit Politik als Beruf abgeschlossen, aber dem Werben von Peer Steinbrück konnte ich mich nicht entziehen", sagt Krajewski. Sie hat eine eigene Unternehmensberatung aufgebaut ("Ich wollte mich in der Privatwirtschaft beweisen") und arbeitet zudem als Beraterin für die Bank Leonardo & Co in Frankfurt. Ihr Erstwohnsitz ist aber weiterhin in Saarbrücken. Bis zur Regierungsübernahme von Peter Müller (CDU) 1999 war Krajewski im Saarland knapp zehn Jahre SPD-Ministerin - erst für Arbeit, Gesundheit und Soziales, dann für Wirtschaft und Finanzen. Dass die im Bundesgebiet kaum bekannte Krajewski auf ihrer Ländertour für einen Tag im Saarland "gastiert", ist also ein Heimspiel.

Im Bexbacher Saarpfalz-Park, den sie neben anderen Firmen und der Uni besucht, haben sie ein Foto von 1997 hervorgekramt: Saar-Wirtschaftsministerin Krajewski beim Spatenstich. Heute sind hier 86 Firmen mit rund 1000 Mitarbeitern ansässig, rund die Hälfte der Unternehmen sind Existenzgründungen. Während eines Vortrags der Geschäftsführung über die Entwicklung des Saarpfalz-Parks lächelt Krajewski zufrieden. Sie stellt Nachfragen, auch "knifflige" - wie sie diese selbst nennt. Und natürlich macht sie Werbung. Sollte die SPD die Bundestagswahl gewinnen, will sie wieder gesetzlich verpflichtende Existenzgründungszuschüsse einführen, sagt sie. Und: "Die Politik muss den Unternehmen stabile und verlässliche Rahmenbedingungen bieten. In dieser Frage sind wir uns einig, da passt kein Blatt zwischen mich und Peer Steinbrück."

Später, am SPD-Stand in der Saarbrücker Fußgängerzone, sagt sie zu der aktuellen Wirtschaftspolitik unter Philipp Rösler (FDP): "Der macht einfach nix, der Kerl." Mit ihr soll das anders werden. Falls es denn klappt - mit dem SPD-Wahlsieg und ihrem offenkundigen Wunsch, Bundeswirtschaftsministerin zu werden. Auf ihre Frage, wie's denn so läuft beim Straßenwahlkampf, sagt ein Juso: "Naja, motiviert sind wir noch." - Noch. Das soll wohl heißen: trotz allem.