Kommunion ist spannend

Furpach. "Wenn ihr euch als Männer nicht überfahren lassen wollt, müsst ihr Gas geben." Pfarrer Jochen Gabriel grinst, wirkt aber müde. Schon wieder haben die Buben statt zu singen lieber Grimassen geschnitten, sich gegenseitig geneckt, herum geturnt und geulkt

Furpach. "Wenn ihr euch als Männer nicht überfahren lassen wollt, müsst ihr Gas geben." Pfarrer Jochen Gabriel grinst, wirkt aber müde. Schon wieder haben die Buben statt zu singen lieber Grimassen geschnitten, sich gegenseitig geneckt, herum geturnt und geulkt. Wie kann der Mann bloß so ruhig bleiben? In den hinteren Reihen der mit Buchszweigen, weißen Hortensien und Orchideen geschmückten Kirche hocken ein paar Eltern und staunen. Niemand, der mit Gabriel tauschen möchte. Nicht in dieser Woche, in der es gilt, 43 Kommunionkinder aus Furpach und Wellesweiler zu einer Hochamt-tauglichen Gemeinschaft zusammenzuschweißen. Ein Knochenjob.Es ist schwieriger als sonst, bestätigt Gabriel. "Die Kinder haben eine wahnsinnige Distanz. Gar nicht mal zum Glauben, sondern zur Stille. Sie kennen das offenbar nicht von zu Hause." Eine Hälfte der Gruppe sei sehr aufmerksam, begierig zu lernen. "Diese werden als Messdiener den hier begonnenen Weg weiter gehen", ist der Pfarrer sicher. Wirklich Sorge bereitet ihm die andere Hälfte, darunter "ungewollte, nicht geliebte Kinder", deren Lebensweg, wie er befürchtet, in die Sackgasse führt. "50 Prozent erreicht man nicht", sagt Gabriel desillusioniert. "Man kann beim Kommunionsunterricht nicht Jahre der Erziehung nachholen." Also endet der Weiße Sonntag in einer Katastrophe? "Überhaupt nicht." Das bereite ihm noch am wenigsten Kopfzerbrechen. Den Kindern übrigens auch nicht sonderlich. "Das wird spannend", sagt Kathrin. Ins Mikro sprechen vor so vielen Leuten zum Beispiel. "Man weiß nicht, wie das endet", orakelt Niko und meint irgendwie das Abendmahl: Wie schmecken nun Hostie und Wein? Und ändert sich dann eigentlich etwas? Auf jeden Fall, erinnert sich eine wartende Mutter an die eigene Erstkommunion. "Vorher glaubt man, was zu Hause geglaubt wird. Danach beginnt man, sich ein eigenes Bild zu machen." Signifikant ändern wird sich am Sonntag jedenfalls bei vielen die Finanzlage: "Ich freue mich aufs Geld", lacht Sharleene. Die Anderen nicken fleißig. Shoppen gehen, das Sparschwein füttern, ein Computer - die Euro sind verplant.Wichtiger wäre natürlich, dass was von der Botschaft hängen bleibt: "Jeder ist ein ganz wichtiger Teil der Glaubensgemeinschaft", bringt es Pfarrer Gabriel auf den Punkt. "Jesus führt uns zusammen." Demonstrieren will er das anhand einzelner Trauben und Getreidekörner. "Ein Korn ergibt noch kein Brot - alleine für sich kann keiner etwas erreichen." Es sei denn, man ist Seelsorger. Für Kommunionkinder. "Der Sonntag wird top." Pfarrer Jochen Gabriel