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Kommissar vom Dienst suspendiert

Kommissar vom Dienst suspendiert

Ein Polizeikommissar steht im Verdacht, einen gefesselten Rumänen schwer misshandelt und mit durchgeladener Pistole bedroht zu haben. Sein Streifenkollege belastet ihn. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

. "Die Kollegen der gesamten Dienststelle sind schockiert, entsetzt und betroffen. Sie arbeiten - soweit überhaupt möglich - an der Aufklärung des Falles intensiv mit." Mit diesen Worten beschreibt ein leitender Polizeibeamter der Inspektion in der Saarbrücker Karcherstraße die Reaktion der Belegschaft auf die Vorwürfe gegen einen 29 Jahre alten Kommissar. Der Beamte aus Saarlouis ist auf Anweisung von Landespolizeipräsident Norbert Rupp vorläufig vom Dienst suspendiert. Im Amtsdeutsch heißt dies, die Ausübung der Dienstgeschäfte ist ihm verboten. Rupp bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass der Kommissar Waffe und Dienstausweis abgeben musste.

Auch Hausverbot erteilt

Zudem darf er die Inspektionsräume nicht mehr betreten. Sein Kollege, ein 24-jähriger Kommissar, der mit ihm an jenem Sonntag, 9. Februar, morgens auf Streife unterwegs war, ist zwischenzeitlich intern versetzt. Rupp spricht von einem "ungeheuerlichen Vorfall", der konsequent aufgeklärt werde. Der Polizeichef weiter: "Kriminelles Verhalten in der Polizei dulden wir überhaupt nicht. Wir sind entschlossen, unseren Laden sauber zu halten."

Was genau geschehen ist, ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft, der ein Zwischenbericht einer beim Landespolizeipräsidium eingesetzen internen Ermittlungsgruppe vorliegt. Nach SZ-Informationen wurde die Streife am Sonntag, 9. Februar, gegen 8.30 Uhr zu einer Discothek am Ludwigskreisel in Saarbrücken gerufen. Dort hatte sich ein 26 Jahre alter, polizeibekannter Rumäne mit Adresse in Malstatt, mit dem Sicherheitsdienst angelegt. Da er sich nicht beruhigen ließ und handgreiflich wurde, legten ihm die Polizisten Handschellen an und kündigten an, ihn vorläufig in Gewahrsam zu bringen. Kommissar M. setzte sich auf die Rückbank des Streifenwagens neben den Festgenommenen, Kommissar G. saß am Steuer. Auf dem Weg zur Inspektion wählte das Kommando ein "milderes Mittel" für den Arrest, verständigte sich mit dem Betroffenen darauf, ihn in die Obhut eines Bekannten in Brebach-Fechingen zu bringen.

Vor Ort angekommen, stellte sich offenbar heraus, dass es den angeblichen Bekannten nicht gibt. Die Polizisten fuhren mit ihrem späteren Opfer im Streifenauto in den Talweg in Brebach-Fechingen. Dort forderte der ältere Kommissar seinen Kollegen auf, den Wagen zu stoppen. Nach dem bisherigen Stand der Dinge, soll er dann den gefesselten Rumänen aus dem Auto gezerrt und zu Boden gestoßen haben. Der Inhalt einer Dose Pfefferspray, die zur Dienstausrüstung des Beamten gehört, wurde dem Mann angeblich fast komplett ins Gesicht gesprüht. Mit einem Fuß habe der Kommissar seinem auf dem Bauch liegenden Opfer in den Rücken getreten. Dann habe er seine Dienstwaffe gezogen, durchgeladen und auf den Rumänen gezielt. Hierzu soll es im Detail unterschiedliche Schilderungen geben. Es ist auch von einer "Scheinhinrichtung" oder "Scheinerschießung" die Rede, wenn es heißt, der Kommissar habe seine nicht geladene Pistole sogar abgedrückt.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken ermittelt jedenfalls, so ihr Sprecher Thomas Reinhardt, auch wegen Bedrohung mit einer auf das Opfer gerichteten Waffe. Zudem wird wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung im Amt und Freiheitsberaubung ermittelt. Durchsuchungsbeschlüsse wurden erlassen. Erste Ermittlungsergebnisse und "objektive Feststellungen" sprechen dafür, so Reinhardt, dass die Aussagen des Opfers zutreffen könnten. Nach SZ-Informationen wurde ein Fußabdruck auf der Jacke des Mannes gesichert, der zu dem sicher gestellten Schuh des Kommissars passt. Auch die leere Pfeffersprayeinheit des Beamten wurde beschlagnahmt. Zudem hat sich der 24-jährige Fahrer des Streifenwagens vor den Ermittlern offenbart und seinen älteren Kollegen schwer belastet.

Der polizeibekannte Rumäne, der zwischenzeitlich wegen anderer Vorfälle in Haft sitzt, konnte sich, nachdem seine Handschellen gelöst wurden und das Streifenkommando abrückte, an den Ortsrand von Fechingen schleppen. Ein Anwohner alarmierte Rettungsdienst und Polizei. Die Beamten der Inspektion Brebach nahmen den Fall gegen "unbekannte Polizeibeamte" auf und erstatteten Anzeige. Die Rettungssanitäter informierten die Staatsanwaltschaft.