Klinikum kein Wahlkampfthema

Am Dienstagabend besuchte Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer das Uniklinikum. Es war kein Grüß-Termin, sondern eine ernsthafte Diskussion über das Wissenschaftsgutachten und die Zukunft der Universität des Saarlandes.

. Die medizinische Fakultät am Uniklinikum hat kein Qualitätsproblem. Das ist die gute Nachricht, die man dem Bericht des Wissenschaftsrates entnehmen kann. Aber das Saarland hat ein Finanzproblem. Das wiederum ist bekannt, obwohl man es auch am Dienstagabend den Worten der Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer noch einmal entnehmen konnte. Die Ministerpräsidentin hatte sich über zwei Stunden Zeit genommen, das Uniklinikum zu besuchen und mit den verantwortlichen Klinikleitern und der Verwaltungsspitze des UKS in einen Dialog zu treten.

Das Uniklinikum hat im Laufe der Jahre aufgrund von Regierungs- und Ministerwechseln schon viele Politiker kommen und gehen sehen. Doch Annegret Kramp-Karrenbauer ist eine derjenigen Verantwortlichen, die sich nicht damit begnügt, das Uniklinikum zu grüßen, zu loben, wieder nach Saarbrücken zu fahren und die Einzelheiten an ihre Mitarbeiter zu delegieren. Sie hat sich vielmehr im Vorfeld gründlich mit der Materie beschäftigt.

Deshalb konnte man im Personalcasino auf Augenhöhe diskutieren, sie war über die Einzelheiten des Gutachtens ebenso im Bilde wie über die Forschungsschwerpunkte, die Berufungen, die Kosten und die Drittmitteleinnahmen. Man verlor also weder Zeit mit langen Erklärungen noch sah man die üblichen resignierten Gesichter auf Seiten der Vertreter des Uniklinikums, denen oftmals anzumerken ist: Egal, was wir hier vorbringen, es versteht ja doch keiner so richtig, wovon wir reden.

Kramp-Karrenbauer verstand sehr gut: "Wir stehen am Beginn eines Prozesses mit einem offenen Ergebnis. Ich habe weder vorgefasste Pläne in der Schublade noch gibt es irgendwelche Gebote. Bis Mitte Juli sollen die Eckpunkte für die künftige Hochschulpolitik festgesteckt sein, und es wäre mir sehr recht, wenn Vorschläge von Ihnen kämen."

Das Gutachten, so Kramp-Karrenbauer, sei "ein Kompliment an die Medizin, die Forschung und das Studium in Homburg". Sie wisse zu würdigen, dass trotz knapper Mittel die Forschung so gut abschnitt. Was allerdings bedenklich sei: "Die Abwanderung vieler Studenten."

Dass dies, wie gerne behauptet werde, alleine an der vermeintlichen Langweiligkeit des Provinzstädtchens Homburg liege, wagte die Ministerpräsidentin zu bezweifeln. "Der Wissenschaftsrat hat gesagt, es liege auch an den Bedingungen des Studiums". Die sind vorwiegend baulicher Art, wie aus dem Gutachten ebenfalls deutlich hervorgeht.

Für 326 Studierende gebe es, mit Ausnahme der Anatomie, im Schnitt nur 160 bis 180 Plätze in den über den Campus verteilten Hörsälen, erklärte der Dekan, Professor Michael Menger, dem das Dilemma sehr wohl bewusst ist: "Wenn man die Größe unseres Klinikums betrachtet, liegen wir deutschlandweit im oberen Drittel, bei der Zuweisung der Mittel hingegen auf der Höhe von Greifswald und Halle, also ganz unten". Es sei ein großer Kraftakt fürs Land, das Klinikum zu stemmen, entgegnete die Ministerpräsidentin: "Ein Großteil der Landesinvestitionen, die in Neubauten fließen, gehen sowieso schon ans Uniklinikum."

Was der einen Fakultät zugeschlagen werde, müsse an anderer Stelle abgezwackt werden - und da stelle sich die generelle Frage: "Welche Universität braucht das Land?"

Die Schülerzahlen gehen in den kommenden Jahren drastisch zurück, damit reduziere sich auch der Ansturm auf die Studienfächer ganz allgemein. Die Medizin, sagt Kramp-Karrenbauer, habe dieses Problem nicht, die sei immer ausgebucht. Am Schluss hatte sie noch eine Bitte: "Man darf das Thema Uniklinikum keinesfalls zu einer politischen Streitfrage machen. Man muss hier ernsthaft diskutieren und das Uniklinikum keinesfalls für den bevorstehenden Wahlkampf missbrauchen."

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Zahnmedizin war ebenfalls Thema. Der Wissenschaftsrat sei "voll des Lobes" über das Fach, das einzige Problem sei die "unterkritische Masse" von unter 40 Studenten, betonte die Ministerpräsidentin. Doch diese magische Zahl müsse man kritisch hinterfragen: Was bedeute das überhaupt: 40 Studienplätze? Sie frage sich auch: Wie viel Geld wollen wir für die Zahnmedizin ausgeben? Im März ist die Ministerpräsidentin in Luxemburg, wo sie auf den Wissenschaftsminister trifft. Dort soll über eine eventuelle zahnmedizinische Zusammenarbeit gesprochen werden. maa