Kleine Dinge – große Wirkung

Mit Fingerspitzengefühl und Stehvermögen vertritt die ehemalige Leiterin des Dudweiler Kindergartens Bonifatius die Rechte der Behinderten in Sulzbach. Trotz ihrer Erfolge bleibt sie im SZ-Gespräch bescheiden.

Schon immer eine soziale Ader hatte Brigitte Atz, wie sie selbst sagt. Die Behindertenbeauftragte der Stadt Sulzbach ist bereits seit 1997 in ihrem Ehrenamt. Mit einer breiten Mehrheit wurde die 65-Jährige seinerzeit vom Stadtrat ernannt.

"Es sind kleine Dinge, die ich bewirkt habe", erzählt sie. So war sie unter anderem daran beteiligt, dass im Vopeliusbad ein Lift eingebaut wurde, mit dem man Gehbehinderte ins Wasser lassen kann. Auch die Entscheidung, am Rathaus einen gläsernen Lift zu bauen, hat sie mitgetragen. Dieser hat eine Sprachausgabe und Tasten, mit denen auch Blinde ihn bedienen können.

Natürlich gibt es auch Flecken, die sie nicht nur von Amts wegen nicht gutheißen kann, den Sulzbacher Bahnhof etwa. Für Gehbehinderte oder Eltern mit Kinderwagen sei der Bahnsteig nicht zu erreichen. Da der Bahnhof allerdings der Deutschen Bundesbahn gehört, könne man leider nichts machen, "die Stadt kann nur Empfehlungen aussprechen", bedauert sie. Auch suboptimal sei, dass viele ältere Gebäude nicht behindertengerecht gebaut wurden. So sind viele Geschäfte oder Praxen nicht ebenerdig gebaut und oft auch mit zu wenigen Sitzgelegenheiten für ältere Leute ausgestattet. Zumindest beim Bahnhof scheint sich Besserung anzubahnen: Nach ihrer Information soll er 2015 renoviert werden.

Als positives Beispiel für gut erreichbare Geschäfte nennt Brigitte Atz das Einkaufszentrum am Quierschieder Weg, alle Geschäfte sind ebenerdig zu erreichen.

Zu den "kleinen Dingen", die sie sonst noch bewirkt hat, gehört es, dass Behinderte einmal im Monat mit dem Auto über die Friedhöfe in Sulzbach, Altenwald und Neuweiler fahren dürfen. Auch wurden die Friedhofswege behindertengerechter gestaltet. Gut findet sie, dass in Sulzbach ausreichend Behinderten-Parkplätze und -toiletten zur Verfügung stehen. In ihrer Funktion als Behindertenbeauftragte hat sie ein Antrags- und Mitspracherecht im Stadtrat. Auf diese Weise kann Brigitte Atz Einfluss nehmen auf Baumaßnahmen der Stadt oder des Landes. Bei Bedarf sind jederzeit Treffen mit dem Bauamtsleiter möglich.

Die ehemalige Leiterin des Dudweiler Kindergartens Bonifatius musste längere Zeit an Krücken laufen, so wurde ihr die Situation von Behinderten bewusster. Sie gehörte dem Arbeitskreis Gesundheit an, ist bestelltes Mitglied im Seniorenbeirat. In ihren Sprechstunden hilft sie zum Beispiel beim Ausfüllen von Formularen und hört oft Geschichten über "Schicksalsschläge, die unter die Haut gehen". Viel mehr Verständnis von "normalen" Menschen wünscht sie sich. Schließlich, so die Behindertenbeauftragte: "Es kann jeden mal treffen".

 Brigitte Atz Foto: Bohlander
Brigitte Atz Foto: Bohlander Foto: Bohlander

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StichwortJeden ersten Montag im Monat hat Brigitte Atz zwischen 15 und 17 Uhr ihre Sprechstunde im Bürgerbüro neben dem Sulzbacher Rathaus, Anmeldung ist empfohlen. Für Gehbehinderte sind Hausbesuche möglich, Telefon (0 68 97) 35 73. Der Euroschlüssel für öffentliche Behindertentoiletten ist im Internet unter cbf-da.de zu bestellen. bo