1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Nohfelden

Klare Strukturen für ADHS-Kinder

Klare Strukturen für ADHS-Kinder

Neunkirchen. Die zwei Jungen und zwei Mädchen sitzen an einem Tisch und brüten über Blättern mit Übungsaufgaben. Als Alex eine Frage hat, meldet er sich, wartet, bis Yvette Ulrich, die Ergotherapeutin, sich ihm zuwendet und ihn auffordert zu sprechen

Neunkirchen. Die zwei Jungen und zwei Mädchen sitzen an einem Tisch und brüten über Blättern mit Übungsaufgaben. Als Alex eine Frage hat, meldet er sich, wartet, bis Yvette Ulrich, die Ergotherapeutin, sich ihm zuwendet und ihn auffordert zu sprechen. Das, was auf den ersten Blick wie eine gut organisierte Hausaufgabenbetreuung wirkt, ist eine Trainingsgruppe im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) in der Marienhausklinik Kohlhof in Neunkirchen für Kinder mit Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörungen wie zum Beispiel ADHS, ADS oder ähnlichen Konzentrationsproblemen. Die elf bis 13 Jahre alten Kinder nehmen an einer zweiwöchigen ambulant-stationären Verhaltenstherapie teil, die ihnen hilft, mit den Symptomen zurecht zu kommen. Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörungen, umgangssprachlich oft als Hyperaktivität bezeichnet, zählen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Grundschulalter und betreffen etwa fünf bis zehn Prozent der Kinder dieser Altersgruppe. Jungen sind davon häufiger betroffen als Mädchen. Vor allem in der Schule, wenn die Kinder diszipliniert und still arbeiten sollen, oder bei den Hausaufgaben werden sie auffällig. Aber auch unter Freunden und in der Familie kann sich eine Aufmerksamkeitsstörung sehr belastend auswirken. "Eine Therapie, die erfolgreich sein soll, muss alle Lebensbereiche des Kindes berücksichtigen", sagt Dr. Reiner Hasmann, der leitende Arzt des Sozialpädiatrischen Zentrums. Vor rund vier Jahren hat er zum ersten Mal AD(H)S-Kinder in altershomogenen Kleingruppen zum intensiven Verhaltenstraining mit über 50 Therapieeinheiten Gruppenverhaltenstherapie pro Woche aufgenommen. Die von ADHS oder ADS betroffen Kinder und ihre Familien litten sehr unter ihren Problemen. Als Anfang 2005 Peter Vuk aus dem Akutbereich der Kinderklinik auf die ADHS-Station wechselte, hat er, unterstützt durch ein multiprofessionelles Team, "Nägel mit Köpfen gemacht", so Dr. Hasmann. Der Kinderkrankenpfleger hat die Station Struwwelpeter für die Therapie dieser Kinder maßgeblich mit aufgebaut und an der Koordination des Teams mitgewirkt. Das Zusammenwirken der unterschiedlichen Therapeuten sichert eine ganzheitliche Behandlung der Familien. Inzwischen ist die Nachfrage nach den Therapieplätzen so groß, dass die Kurse immer ausgebucht sind, denn es gibt wenig vergleichbare Therapie-Einrichtungen mit ähnlich intensiver Gruppenverhaltenstherapie für AD(H)S-Kinder in Deutschland. "Dienstags werden die Kinder aufgenommen und bleiben zwei Wochen", so Peter Vuk. In dieser Zeit durchlaufen sie eine intensive Schulungs- und Behandlungsphase. Aber auch die Alltagsroutine wie Zähneputzen nach dem Essen, Händewaschen vor dem Essen oder Aufräumen werden eingeübt. "Die Kinder brauchen klare Strukturen, und dazu gehört auch, dass wir gemeinsam mit dem Essen beginnen und alle warten, bis jeder aufgegessen hat", so Peter Vuk, Abteilungsleiter der Station Struwwelpeter. "Das bedeutet für die Eltern, dass auch sie sich ändern müssen", so Dr. Hasmann. Deshalb werden sie auch eng in die Therapie ihrer Kinder mit eingebunden. Wenn die Kinder das SPZ verlassen, sollen sie in der Lage sein, das, was sie gelernt haben, in ihrem Leben und Alltag fortzusetzen. red