Kino mit neuen Ideen auftanken

Ein Besuchermagnet ist das Saarbrücker Filmhaus nicht. Zuletzt kamen nicht einmal mehr 18 000 Besucher im Jahr, im Schnitt also weniger als 50 pro Tag. Weil das Ganze die Stadt zwischen 350 000 und rund 400 000 Euro pro Jahr kostet und auch noch in einen Aufzug, der das historische Gebäude behindertengerecht macht, investiert werden müsste, ist das Kino in die Diskussion geraten. Die Landeshauptstadt wird es nicht schaffen, das Filmhaus dauerhaft zu halten, befürchtet eine neu gegründete Initiative von Filmfreunden.

Jörg Mathieu weiß, dass er sich nicht nur Freunde macht und dass er Menschen, die er mag, womöglich vor den Kopf stößt. Er weiß, dass der Weg, den er gerade eingeschlagen hat, viel Kraft kosten wird. Und er weiß, dass am Ende alles umsonst gewesen sein kann. Jörg Mathieu ist Verlagsleiter, Eventmanager und Film-Journalist - und er will das Saarbrücker Filmhaus retten. Dazu hat er mit der Rechtsanwältin Annette Gieseking eine Initiative gegründet.

Das Filmhaus hat zu wenige Besucher (die Zahlen schwanken zwischen 17 000 und 18 000) pro Jahr, und der Zuschussbedarf aus der Stadtkasse ist beträchtlich (die Zahlen schwanken zwischen 350 000 und 400 000 Euro pro Jahr). In dieser Analyse sind sich Mathieu und Gieseking mit den Verantwortlichen in Stadtrat und Stadtverwaltung einig. In der Schlussfolgerung nicht.

Während Kulturdezernent Thomas Brück (Grüne) unter anderem darüber nachdenkt, bisherige Filmhausprogramme ins private Camera-zwo-Kino zu verlegen oder Teile des Filmhauses künftig als Kulturzentrum zu nutzen, will die neue Initiative der Stadt das Filmhaus entreißen. Dass das Filmhaus am Rande des Abgrunds steht, liege nämlich am "Versagen aller Beteiligten der Verwaltung des Filmhauses". Dass Filmhausleiter Michael Jurich oder das von Brück geführte Kulturdezernat das Kino wieder auf die Erfolgsspur bringen, sei nach allem, was man bisher erlebt habe, sehr unwahrscheinlich, sagt Mathieu.

Er ist unter anderem Herausgeber und Chefredakteur eines Retrofilm-Magazins und organisierte gerade im Filmhaus die zweiten Saarbrücker Cinefonietage. Mit der Initiative will er einen Stein ins Rollen bringen. Die Initiatoren suchen im ersten Schritt Unterstützer aus Politik und Gesellschaft - und Geldgeber. In etwa einem halben Jahr könne dann eine Firma gegründet werden, die das Filmhaus übernimmt.

Folgende Ideen liegen bereits auf dem Tisch: Mit dem benachbarten Hotel ist Mathieu wegen der Untervermietung einiger Räume im Gespräch. Auch eine Anwaltskanzlei im Gebäudekomplex sei eine Option. So könne die Mietbelastung verringert werden. Der große Kinosaal soll weiter als solcher genutzt werden. Der kleinere im Erdgeschoss soll eine Talentbühne für Nachwuchskünstler werden. Dort soll aber unter anderem auch Raum für Kinderprogramm und Theater sein. Außerdem soll es ein Café geben, dass von einem Profigastronom betrieben wird. Der Hof, "einer der schönsten in Saarbrücken ", wie Mathieu findet, soll ebenfalls öfter in Szene gesetzt werden.

Das von Jurich geleitetet Amt für kommunale Filmarbeit müsste ausziehen. Ohne die Amtsstruktur, sagt Mathieu, sei man wesentlich beweglicher. Hinter der Initiative stehe ein Netzwerk von Künstlern aus nahezu allen Bereichen, sagt er. Es gebe also viel Potenzial.

Das Saarbrücker Filmhaus in der Mainzer Straße wird von der Stadt betrieben. Foto: Dietze. Foto: Dietze

Kulturdezernent Thomas Brück möchte bald mit der Initiative ins Gespräch kommen. "Ich finde es gut, dass sich Saarbrücker Bürger für den Erhalt des Filmhaus einsetzen", sagt er. Denn: "Eine Stadt profitiert immer vom Engagement ihrer Bürger." Er sei "auf die Vorschläge gespannt", werde aber "parallel an unserem eigenen Konzept weiterarbeiten".