Kappensitzung Bosen : Sparzwang im Altersheim und der Tanz der Jugend

Zum Bunten Abend in Bosen luden der Männergesangsverein und der SC Bosen ins evangelische Gemeindehaus.

Mit einem „Bosen sau gudd“ startete der Moderator Johannes Veit um 20.11 Uhr die Kappensitzung im evangelischen Gemeindehaus in Bosen. Nachdem der Bunte Abend drei Jahre lang nicht stattgefunden hatte, sollte es endlich wieder ein närrisches Programm geben. Den Anfang machte die Garde aus Bosen, die in ihren traditionellen Vereinsfarben Blau und Weiß auf die Bühne marschierte. Mit synchronen Tanzschritten und einer halsbrecherischen Pyramide versetzten sie das Publikum in Staunen. Johannes Veit lobte die Mädchen und scherzte daraufhin: „Wenn der Hausmeister mal die Glühbirnen im Raum wechseln will, soll er bitte die Garde rufen“. Die Formation Two Tones brachte den Saal mit Gitarre und Schlagzeug zum Schunkeln.

Die Lichter erloschen und es hieß: „Bühne frei für Enchanted Dance“. Die Tanzgruppe aus Selbach brachte ihre Beleuchtung gleich selbst mit in Form von Laternen. In schwarze Umhänge gehüllt, versammelten sie sich in einem Hexenkreis und starteten mit einer Hebefigur in ihre Choreografie. Auch wenn das Motto des Auftritts Albtraum hieß, war das Publikum begeistert und nicht traumatisiert. Die Narren forderten eine Zugabe und bekamen sie auch. Mit Liedern wie „Thriller“ von Michael Jackson oder „Bad Guy“ von Billie Eilish punkteten die Mädchen aus Selbach auch musikalisch beim Publikum. Der Wortbeitrag von „Dem do“ und „dem Annern“, alias Lisa Lill und Gina Piro, thematisierte Sport und Gesundheit. Auch wenn die beiden in ihren farbenfrohen Trainingsanzügen aussahen als wären sie sportbegeistert, ließ ihr Dialog rund um Yoga, Gymnastik und Co. dann doch anderes vermuten. Wenn also Aussagen wie „Generell liebe ich ja Sport“ getätigt wurden, meinten die beiden vielmehr Rittersport und nicht die körperliche Bewegung. Die schlagfertigen Frauen ließen auch die Männerwelt nicht verschont und spotteten über die Gedankenlosigkeit des starken Geschlechts. Ihrer Meinung nach „waren die Männer früher härter, behaarter und besser“. Als sie daraufhin nach dem Ortsvorsteher Armin Loos riefen, schrie das Publikum vor Lachen.

Der Männergesangsverein präsentierte die Sparmaßnahmen im Altersheim. Gekleidet in Schlafrock und Bommelmütze war allein der Anblick der Herren bereits lustig genug. Als sie dann noch die Hosen auf der Bühne fallen ließen, um sich auf das Klo zu setzen, brach Jubel im närrischen Volk aus. Geredet wurde zwar nichts, aber deshalb viel geteilt: Ein Ohrstäbchen, gebrauchtes Klopapier – und selbst benutztes Mundwasser wurde der Reihe nach weitergereicht, um zu verdeutlichen, wie knapp die Mittel im Altersheim sind. Zum Schluss warfen die Männer dann noch ihre Fäkalien, in Form von Schokoriegeln, in die Menge. „Der Auftritt war ein voller Erfolg und neben den Dancegirls aus Selbach ein Höhepunkt des Abends“, sagte der Vorsitzende des Männergesangsvereins, Karl Wendel Brill.

Beim interaktiven Bosenquiz konnte der ganze Saal mitmachen. Auf der Internetseite „kahoot“ konnten sich Gruppen einloggen und Fragen rund um Bosen beantworten. Es blieb spannend, doch am Ende setzte sich das Team TSV durch und gewann „mindestens e Freibier für jedes Teammitglied“, wie es Moderator Johannes Veit versprach. Der Tik-Tok Tanz wurde ebenfalls von der Garde Blau-Weiß aufgeführt und traf den Zeitgeist der Jugend. „Tik-Tok ist keine Weiterentwicklung von Flip-Flops“, wie es der Moderator erklärte, sondern eine Musik-App, in der Nutzer kurze Videoclips mit ihren Lieblingsliedern hochladen können. „Das Publikum hat sich gewandelt, es sind immer mehr Jugendliche beim Bunten Abend und speziell in diesem Jahr merkt man, dass die junge Generation mitzieht“, erklärte Karl Wendel Brill.

In der Büttenrede von Beate Arend wurde ihre Entwicklung vom XXL-Model zur Ernährungswissenschaftsstudentin besprochen. Als sie bemerkte, dass ihr IQ-Test den Wert elf anstatt 111 ergab, beschloss sie allerdings, das Studium abzubrechen. Sie kommentierte dieses Missverständnis nur mit: „Ich mach mir gar ke Kopp, es geht weiter, Alleh Hopp“. Dann wurde sie vom närrischen Volk verabschiedet.

Ein versuchte den Song „California Dreamin“ von The Mamas & the Papas im Kanon anzustimmen. Was sich jedoch bei der „schiefgelaufenen Chorprobe“ aufgrund von, wenn auch geschauspielerten, Kommunikationsproblemen als Desaster herausstellte. In der Zugabe gelang es dem Chor, das Lied doch noch komplett zu singen und die Narrenschaft auf seine Seite zu ziehen.