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Jürgen Fried wird Chef im Rathaus

Jürgen Fried wird Chef im Rathaus

Neunkirchen. Der meistgeküsste Mann (von Genossinnen!) in Neunkirchen war am Sonntagabend Jürgen Fried. Der neue Neunkircher Oberbürgermeister (ab Oktober) wurde im Sitzungssaal des Rathauses von den Parteigenossen mit rhythmischem Klatschen gefeiert, nachdem feststand, dass er die OB-Wahl für die SPD mit überragenden 64,1 Prozent nach Hause gebracht hatte

Neunkirchen. Der meistgeküsste Mann (von Genossinnen!) in Neunkirchen war am Sonntagabend Jürgen Fried. Der neue Neunkircher Oberbürgermeister (ab Oktober) wurde im Sitzungssaal des Rathauses von den Parteigenossen mit rhythmischem Klatschen gefeiert, nachdem feststand, dass er die OB-Wahl für die SPD mit überragenden 64,1 Prozent nach Hause gebracht hatte. Mehr als 12 600 der nicht ganz 20 000 Urnengänger vertrauten ihm den Spitzenjob im Rathaus an.Der noch amtierende Rathauschef Friedrich Decker überreichte seinem Nachfolger einen "Beruhigungstropfen", doch so ohne weiteres konnte der Gewählte wie auch seine beiden Konkurrenten Michael Schley (CDU) und Bernd Thul (Grüne) die Anspannung des intensiven Wahlkampfs nicht abschütteln."Es war ein sehr anstrengender Wahlkampf", bekannte Jürgen Fried. "Er war aber auch anständig und fair, niemand wurde beschädigt." Das Ergebnis sei für ihn Verpflichtung, sich mit ganzer Kraft für die Stadt zu engagieren. Decker freute sich, dass er mit seiner Wahlprognose ("um die 65 Prozent") für Fried richtig lag. "Ein solches Ergebnis habe ich mir gewünscht, als ich ihn auf den Schild gehoben habe", so der scheidende Verwaltungschef. "Jürgen Fried hat's verdient, er hat gekämpft und die Partei mobilisiert", so Deckers Fazit.Zu den Strahlenden gehörte natürlich auch Margrit Fried: "Ich freue mich für meinen Mann, der sich seit seinem 18.Lebensjahr nichts anderes gewünscht hat, als Oberbürgermeister seiner Heimatstadt zu werden!"CDU-Mann Michael Schley räumte unumwunden ein, dass er sich mehr erhofft hatte, wies aber auch darauf hin, dass die Christdemokraten im zweistelligen Bereich zugelegt haben. "Ich muss zur Kenntnis nehmen, dass die Strukturen in Neunkirchen nicht in sechs Monaten zu verändern sind", lautet Schleys Resümee nach einem engagierten Wahlkampf. Seine Vorab-Analyse: Die hohe Wahlmobilisierung bei SPD und Linken habe Fried genutzt.Grünen-Bewerber Bernd Thul konnte nicht wie wohl insgeheim erhofft das Zünglein an der Waage spielen, ist aber mit seinen fünfeinhalb Prozent "durchaus zufrieden". "Es ist uns gelungen eine grüne Duftmarke zu setzen!", stellt Thul selbstbewusst fest. Gerade, wenn man seine Möglichkeiten berücksichtige: "In einem polarisierenden Wahlkampf zwischen Fried und Schley war es für mich extrem schwer. Ich konnte bei deren Materialschlacht nicht mithalten." Thul ist auch aus einem anderen Grund mit dem Wahlausgang zufrieden: Mit einem OB Fried sei die Chance, grüne Politik umzusetzen, größer", hofft er.Allerdings ist die SPD im künftigen Stadtrat nicht auf einen Koalitionspartner angewiesen: Sie hat gestern die absolute Mehrheit der Sitze knapp verteidigt. Was Frieds OB-Aufgabe erleichtern dürfte. > Seite C 3: weitere Berichte zur Kommunalwahl "Es ist uns gelungen, eine grüne Duftmarke zu setzen."Bernd ThulMeinung

Ein phänomenales Ergebnis

Von SZ-Redakteur Manfred Krause Jürgen Fried ist am Ziel. Der 55-jährige Sozialdemokrat wird Oberbürgermeister von Neunkirchen. Sein Weg zum Wahlerfolg war kein Zuckerschlecken. Bis an die Grenze der physischen Belastbarkeit ist er gegangen, hat tausende von Hausbesuchen absolviert, war über Wochen vom frühen Morgen bis zum späten Abend präsent. Jürgen Fried hat sich nie auf dem Bonus seines Bürgermeisteramtes ausgeruht. Manchmal gewann man den Eindruck, die von Fritz Decker im Januar 2000 so unglaublich hoch gelegte Messlatte lastet schwer auf ihm. Seinerzeit hatte der noch amtierende OB rekordverdächtige 79,4 Prozent der Stimmen eingefahren und den CDU-Bewerber fast zum Statisten degradiert. Dieses Ergebnis, darüber waren sich alle politischen Beobachter von vornherein im Klaren, konnte Fried nicht wiederholen. Aber auch der von ihm erreichte Stimmenanteil ist ein geradezu phänomenales Resultat. Zumal er nicht nur in einer ganz anderen politischen Großwetterlage antrat, sondern zwei ziemlich wackere Mitbewerber gegen sich hatte. In erster Linie ist dabei naturgemäß an den CDU-Kandidaten Michael Schley zu denken, der sich als bienenfleißiger Kämpfertyp entpuppte. Ideen- und auch kenntnisreich beeindruckte der erst 34-jährige Jurist nicht nur die Mitstreiter aus dem eigenen Lager. Jürgen Fried tritt in große Fußstapfen. Denn Fritz Decker kann als herausragender OB eingestuft werden. Und er tritt ein Erbe an, das angesichts wegbrechender Steuereinnahmen und der Sorgen um gewerbliche oder industrielle Arbeitsplätze nicht nur Freude auslösen wird. Deshalb ist dem neuen OB zu wünschen, dass im Stadtrat die sachorientierte, konstruktive Zusammenarbeit über alle Parteigrenzen hinweg weitergeht. In derart schwierigen Zeiten kann's der Chef im Rathaus nämlich keinesfalls alleine richten.