Jubilarehrung IG BCE Sötern-Eisen

Ehrung : Auszeichnung für 75 Jahre Treue

Seit vielen Jahren ist Helmut Konrath Mitglied der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie. Dafür wurde der 89-Jährige jetzt geehrt.

Stolze 75 Jahre ist Helmut Konrath Mitglied in der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE). Bei einer  Vorstandssitzung im Gasthaus Georg wurde der 89-jährige Jubilar vom Vorsitzenden der Ortsgruppe Sötern-Eisen, Peter Martin, mit Ehrenurkunde und einer Uhr ausgezeichnet. Martin, seit 2006 Vorsitzender der 35 Mitglieder zählenden Ortsgruppe, würdige die vorbildliche Haltung von Konrath, der im Laufe seiner Arbeits- und Rentnerjahre keine Veranlassung gesehen habe, aus der Gewerkschaft auszutreten. Ärgerlich fand es Martin, dass kein offizieller Vertreter der Bezirksleitung dem Jubilar gratulierte. „75 Jahre Treue zur IG BCE sind sicherlich kein Pappenstiel und kommen wohl nicht allzu oft vor“, monierte der Vorsitzende die fehlende Wertschätzung aus Saarbrücken unmittelbar vor Ort. Wegen Krankheit hatte der vorgesehene Funktionär abgesagt.

Darüber hinaus ließ Martin das auslaufende Jahr Revue passieren, mit traditioneller Barbarafeier, Familien- und Grilltag sowie als Höhepunkt einem Besuch der Ausstellung „Das Erbe“, in der die Geschichte des Bergbaus dargestellt wird, in Reden. Womit für Helmut Konrath das Stichwort gefallen war und er über seine Anfänge als Bergmann erzählte. „Am 1. September 1943, also noch zu Kriegszeiten, bin ich zu meiner ersten Schicht als Bergmann in die Grube Reden eingefahren. Drei Schichten mussten wir Hauer fahren. Das war schon eine harte Arbeit damals unter Tage. Da war noch viel Handarbeit gefragt“, erzählte der Jubilar. Zeitgleich erfolgte der Beitritt in die damalige Deutschen Arbeitsfront (DAF), die unter dem Hitler-Regime der Einheitsverband für Arbeitgeber und Arbeitnehmer und NSDAP angeschlossen war. „Das war damals so üblich“, ließ er wissen, „und mit 14 Jahren, von Politik wenig Ahnung, war man froh, Arbeit zu haben“. Mit dem Zug ging es von Sötern über Türkismühle zur Arbeit in der Grube Reden. Und das war auch nicht unbedingt ein Vergnügen. „Zuweilen hatte man seinen Platz im Viehwagen. Einen Sitzplatz konnte man mit Zigaretten eintauschen“, erinnerte sich der 89-Jährige, „zudem fuhren Bergleute und Hüttenarbeiten in getrennten Waggons“. Dennoch war für den Jubilar die Grubenzeit eine gute Zeit, auch wegen der Lohntüten. Weihnachten gab es sogar dreifaches Kindergeld. Fünfzehn Jahre hat Konrath unter Tage gearbeitet, musste dann wegen einer berufstypischen Krankheit über Tage ins Magazin wechseln, wo er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1983 arbeitete. Neben der Treue zur Gewerkschaft ist Konrath aber auch ehrenamtlich in mehr als einer Handvoll Vereinen organisiert. Vorsitzender des Hundesportvereins ist er immer noch, Mitglied im Sportverein, Feuerwehr, Gartenbau-, Musik- und Gesangverein sowie Rotes Kreuz, aber auch in der SPD, für die er 17 Jahre lang als Ortsvorsteher im Amt war, dazu im Gemeinde- und Kreistag. Sein Wunsch für die Zukunft: So lange es geht noch Auto fahren können, immerhin habe er über 50 Jahre lang den Führerschein und noch keinen Unfall gebaut.

Am selben Abend wurde zudem Norbert Schmeier für 40-jährige Mitgliedschaft in der Gewerkschaft ausgezeichnet. Schmeier hat als Bergmann in den Gruben Camp-
hausen, Reden, Göttelborn und Nordschacht Ensdorf bis August 2012 als Steiger gearbeitet. Die gleiche Ehrung für 40 Jahre Mitglied-
schaft erhält Fred Kirsch.

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