Jazz für den ganzen Körper

Über die Musik von Iiro Rantala wurde früher einmal gesagt, sie sei alles, nur kein Jazz. 1990 gründete er das Trio Töykeät.

Bloß keine Melodien, keine Harmonien, keine geraden Rhythmen, einfach anders sein, nur nicht normal - nach diesem Motto prägte der Finne die damalige Szene. Neben Töykeät spielte Rantala in verschiedenen anderen Formationen, denen er teilweise bis heute treu blieb. 2011 nahm er das Soloalbum "Last Heros" auf, auf dem Varianten verschiedener Größen wie zum Beispiel von Luciano Pavarotti zu hören sind.

Nach 2012, damals gemeinsam mit Michael Wollny, war Rantala nun schon zum zweiten Mal in Illingen zu Gast. Dabei zeigte der Jazzpianist, dass er auch nach fast 25 Jahren auf der Bühne nichts von seiner Brillanz und Spielfreude verloren hat. Mit im Programm waren neben älteren Titeln auch Songs von seinem neuesten Album "Anyone with a Heart", auf dem sich fast ausschließlich selbst Komponiertes befindet. So zum Beispiel das melancholische "Tears for Esbjörn", welches Rantala als Hommage an den vor sechs Jahren verstorbenen Esbjörn Svennson geschrieben hat. Ganz anders, humorvoll vorgetragen: Ein Stück, bei dem das Spiel mit der linken Hand nur drei Noten umfasst, die ständig wiederholt werden. Die Rechte steuert die stimmungsvollen Improvisationen bei, die einfach passen.

Während der Künstler dabei ganz in seiner Musik zu versinken scheint, versinkt das Publikum mit ihm. "Iiro Rantala macht nicht nur Jazz für den Kopf, sondern für den ganzen Körper", beschreibt Raimund Hargesheimer aus Saarbrücken.

Musikalische Werke seiner eigenen Helden, angereichert mit Rantalas kreativer Note, durften beim Konzert natürlich nicht fehlen. Diese kommen nicht unbedingt aus der "engeren Jazzszene": Klassische Musik hat es dem Finnen angetan, besonders Johann Sebastian Bach. "Jazz kommt ursprünglich aus Deutschland", erklärt Rantala lächelnd und lässt in den Liedern erkennen, dass gerade "Bach dem Jazz sehr nahe kommt". Geschickt baute er auch hier immer wieder Improvisationen ein, die sich mit den geschriebenen Vorlagen abwechselten. "Man merkt, wie sehr ihm die Musik, das Spiel selbst, Freude macht", bemerkt Claudia Hargesheimer.

Iiro Rantala faszinierte und begeisterte nicht nur das Publikum, das einzelne Song mit minutenlangem Applaus feierte. Er schuf auch Musik besonders aus einem Grund: Mit Konventionen zu brechen, Grenzen neu zu definieren. Davon lebt Jazz.

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