In Ruanda den Horizont erweitert

StWendel · Seit über 20 Jahren unterhält der Kirchenkreis Saar-Ost eine Partnerschaft mit der Diözese Butare im zentralafrikanischen Ruanda. Fünf saarländische Jugendliche reisten drei Wochen dorthin und berichten von ihren Erfahrungen.

Fünf junge Menschen aus dem Kirchenkreis Saar-Ost sind im Juli für drei Wochen nach Ruanda gereist, um das Land, seine Kultur und Geschichte kennen zu lernen (die SZ berichtete vor dem Abflug). Seit 20 Jahren unterhält der Kirchenkreis eine Partnerschaft mit der Diözese Butare im Süden Ruandas. Jana Heybutzki (20), Tobias Korb (20), Alexandra Kuttig (19), Andreas Schneider (19) und Kathrin Rech (25) wurden von Karin und Rüdiger Burkart, Reiseorganisatoren des Kirchenkreises, begleitet. Themen der Reise waren Inklusion, Geschlechtergleichstellung und Nachhaltigkeit. Die Reisenden besuchten drei Schulen, die der Kirchenkreis Saar-Ost unterstützt, waren in einem Waisenhaus, in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung und haben "jede Menge Museen besucht", sagte Tobias Korb der SZ. Zudem kauften sie auf einem Markt Ziegen, die sie an bedürftige Witwen verschenkten. Karin Burkhart erklärt, dass Witwen in Ruanda kein hohes Ansehen genießen. Sie dürften nicht arbeiten und hätten somit auch kaum Geld für den Lebensunterhalt. Die Ziegen seien ideale Milch- und Fleischlieferanten, so Karin Burkart, deshalb habe man sie an die Witwen verschenkt.

Die jungen Saarländer besichtigten eine Massenmord-Gedenkstätte, um sich über die jüngere Geschichte des Landes, den Völkermord von Hutu-Milizen an etwa einer Million Tutsis und gemäßigten Hutus 1994 zu informieren. Für Jana Heybutzki war es die zweite Reise in das zenralafrikanische Land, sie war bereits 2010 mit einer Jugendgruppe dort. "Man fühlt sich, als würde man heimkommen", sagte sie. Auch Tobias Korb, der zum ersten Mal dabei war, hat seine Leidenschaft für Ruanda entdeckt: "Gefehlt hat mir gar nichts. Ich würde es jederzeit wieder machen", sagte er. "Das einzig Schlechte an dem dreiwöchigen Aufenthalt war der Flug", so Korb. Beim Hinflug sei das Flugzeug im Sudan notgelandet. Die Gruppe musste dort zwei Tage ohne Gepäck in einem Hotel ausharren. Rüdiger und Karin Burkart waren bereits mehrfach in Ruanda. "Die Menschen da sind unvergleichlich. Sie sind gastfreundlich, offenherzig und immer gut gelaunt", berichtete Rüdiger Burkart. Doch es gebe dort auch sehr große Armut. Vor allem außerhalb der größeren Städte lebten viele Menschen auf der Straße. "Es kommt schon mal vor, dass man ein Kind mit zerrissenen Kleidern sieht. Dem gibt man dann sein T-Shirt, wenn man etwas drunter trägt", sagte Jana Heybutzki.

Auch der Massenmord im Jahr 1994 habe seine Spuren hinterlassen. Man sehe viele Menschen, die verstümmelt seien. Gedenktafeln und Kreuze mit Namen von Verstorbenen hingen an vielen öffentlichen Gebäuden. "Die Geschichte soll nicht versteckt werden", so Jana Heybutzki. Sie und Tobias Korb wollen die neu geknüpften Bande mit Ruanda nicht abreißen lassen. Im Januar fliegen beide zu Studienzwecken für drei Monate erneut in die Stadt Butare. "Wir haben dort viele Freunde gefunden", sagte Korb. Per Facebook oder Whatsapp stünden sie miteinander in Kontakt. Über die Reise sagte Jana Heybutzki: "Man kann es nicht beschreiben. Man muss es erleben."