Hürden für syrische Flüchtlinge

Hürden für syrische Flüchtlinge

Das Saarland hat sich verpflichtet, Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien aufzunehmen. Doch wie der Fall der Familie Amin zeigt, gibt es in der Praxis Hürden. Der Saarländische Flüchtlingsrat erhebt daher Vorwürfe gegen das Saar-Innenministerium.

Seit 1999 lebt die aus Syrien stammende Familie Amin im Saarland, seit 2008 besitzen Naslia, Hamid und ihre vier Töchter die deutsche Staatsbürgerschaft. Der Großteil der Verwandtschaft befindet sich nach ihren Angaben in einem relativ ruhigen Gebiet nahe der türkischen Grenze. Schlecht steht es jedoch um die Mutter und den Bruder von Naslia Amin: Beide sind wegen des Bürgerkriegs nach Beirut geflüchtet. Doch im Libanon sei die Lage kaum besser als im Bürgerkriegsland Syrien: Dort werde täglich geschossen, sodass sie sich in der Not Kochtöpfe über die Ohren zögen, erzählte die älteste Tochter Roliana. Hinzu käme, dass die beiden Familienangehörigen kein Dach über dem Kopf besäßen, im Zelt lebten. Um die Lage der Familie zu schildern und das Unverständnis über die Behörden auszudrücken, lud der Saarländische Flüchtlingsrat (SFR) in Saarlouis zu einer Pressekonferenz. Anwesend waren neben der Familie Amin Rechtsanwalt Peter Norbert und Waltraud Andruet vom SFR sowie Liselotte Haaß, die die kurdische Familie seit 13 Jahren betreut. Die Professorin für Meeresgeologie hatte Verbindungen zur deutschen Botschaft in Beirut hergestellt, um die Einreise der Angehörigen zu ermöglichen. Von deren Seite wäre auch schon alles klar gewesen. Jedoch sei der Nachzug der Verwandten daran gescheitert, dass die Zentrale Ausländerbehörde der saarländischen Landesverwaltung einen Nachweis der Krankenversicherung verlangt habe - es gäbe aber keine deutsche Krankenversicherung, die im Ausland lebende Personen aufnehmen würde. Haaß fand, dass die Behörden ein "grausames Spiel" mit den Flüchtlingen trieben. "Die schicken sie von einer Adresse zu anderen, doch am Ende bleibt nur große Enttäuschung und das Gefühl der Ohnmacht", so Haaß. Ganz abgesehen davon müssten die Familien selbst für die teure Krankenversicherung ihrer nachgezogenen Angehörigen aufkommen: Als "Asyl für Reiche" bezeichnete das Peter Nobert sarkastisch. Der Appell des SFR richtete sich daher auch an das Saar-Innenministerium: "Es hat die Bedingungen für die Aufnahme geschaffen, es kann sie auch ändern", so der Rechtsanwalt. Die Anwesenden beklagten auch, dass die Zusage des Saarlandes, 186 Flüchtlinge aufzunehmen, zu gering sei.