Hochwälder als EU-Abgeordnete

Wadern/Berlin · Acht Schüler des Hochwald-Gymnasiums schlüpften für eine Woche in die Rolle von Europa-Abgeordneten und übernahmen in Berlin bei einem Planspiel die Rolle Italiens. Dabei lernten sie Jugendliche aus ganz Deutschland sowie aus Belgien und Ungarn kennen.

 Die HWG-Schüler in Berlin. Foto: HWG

Die HWG-Schüler in Berlin. Foto: HWG

Foto: HWG

Etwas ehrfürchtig betrachten die Jugendlichen von außen den Plenarsaal des Bundesrates, der sich an diesem Tag ungewohnt präsentiert: Dort, wo sonst die Ministerpräsidenten der Bundesrepublik sitzen, sieht man die Flaggen europäischer Länder postiert. An den Sitzen des Saarlandes weht die italienische Flagge. Zaghaft öffnen die Schüler die Tür zum Plenarsaal und nähern sich "ihren" Plätzen. Nicht Annegret Kramp-Karrenbauer und Anke Rehlinger nehmen heute hier Platz, sondern Dennis Hero und Lea Thewes. Sie sind Schüler des Hochwald-Gymnasiums und haben sich in diesem Schuljahr am Projekt "Modell Europaparlament" beteiligt.

Simulation des Parlaments

Zusammen mit sechs Mitschülern haben sie sich in einer AG ein halbes Jahr vorbereitet und nun sind sie seit drei Tagen in einer Simulation des Europaparlamentes als Europaabgeordnete in Berlin unterwegs. In acht Ausschüssen haben sie mit Gleichaltrigen aus allen Bundesländern sowie aus Belgien und Ungarn Resolutionen zu aktuellen europapolitischen Themen erarbeitet. Dabei ging es um so aktuelle Fragen wie die Haltung der EU in der Ukraine-Frage, Datensicherheit im Internet, das Wohlstandsgefälle zwischen den EU-Staaten oder die europäische Asylpolitik.

Gegenargumente entkräften

Dann naht der Moment der Wahrheit, dem sich auch jeder echte Parlamentarier stellen muss: Findet die Resolution eine Mehrheit im Plenum oder wird sie sich in der zweitägigen Plenarsitzung nicht durchsetzen. Die Jung-Politiker bereiten sich darauf vor, mit Vehemenz das Ergebnis ihrer Arbeit zu verteidigen und die Gegenargumente zu entkräften.

Als der Ausschuss für Energie und Umwelt aufgerufen wird, der sich mit der Frage einer nachhaltigen Energiepolitik der EU bis zum Jahr 2030 beschäftigt hat, entbrennt eine hitzige Debatte im Plenum über die Vorschläge. Die Kritiker werfen dem Ausschuss vor, zu wenig konkrete Maßnahmen genannt zu haben und vor allem die umstrittene Frage der Nutzung der Atomenergie ausgeklammert zu haben. Der Ausschuss verweist auf die guten Ansätze zur Verringerung der Emissionen und zur Aufklärung der Bevölkerung.

Am Ende der Debatte bittet die Präsidentin ein Mitglied des Ausschusses nach vorne, um in einer abschließenden Rede die Position des Ausschusses zu verteidigen, und ruft dann auf: "Italien bitte." Dennis Hero geht ans Rednerpult und richtet einen flammenden Appell an die Abgeordneten, sich für diese Resolution zu entscheiden, da sie die Weichen der europäischen Energiepolitik in die richtige Richtung stelle. Enttäuscht muss er später das Abstimmungsergebnis zur Kenntnis nehmen, denn der Ausschuss konnte sich nicht durchsetzen.

Auch solche Erfahrungen machen den Jugendlichen deutlich, dass Politik kein einfaches "Geschäft" ist. Dennoch haben sie in der Woche in Berlin ein gutes Bild davon bekommen, wie Politik funktioniert. Sie durften sich selbst als Politiker fühlen, was auch durch die authentischen Tagungsorte wie Bundespresseamt, Landesvertretungen und Bundesrat verstärkt wurde.

Das Verständnis für Politik ist bei den Teilnehmern gestiegen und auch die Bereitschaft, sich für die europäische Sache politisch zu engagieren. Dass "nebenbei" auch noch Freundschaften mit Gleichaltrigen geknüpft worden sind, rundet das Projekt ab.

Zum Thema:

NamenFolgende HWG-Schüler haben beim "Modell Europaparlament" 2014 das Saarland in Berlin vertreten: Ellen Arlt, Christoph Göbel, Leon Wick, Selina Steinmetz, Paul Croon, Dennis Hero, Lea Thewes, Joshua Ruffing und als Ausschussvorsitzende Sara Hahn; vorbereitet und betreut wurde die Gruppe von Politiklehrer Edwin Didas. Das Saarländische Europaministerium hat das Projekt mit einem Zuschuss unterstützt. red