Hochkarätiger Jazz in der Illipse

Hochkarätiger Jazz in der Illipse

Gleich drei Jazzpianisten gastieren am Freitag, 28. September, in der Illinger Illipse. Michael Wollny, Iiro Rantala und Gwilym Simcock wollen ihr Publikum mit abwechslungsreichen Musikstücken verzaubern.

Illingen. Hochkarätigen Jazz gibt es am Freitag, 28. September, in der Illinger Illipse. Wie es in einer Pressemitteilung heißt, kommen mit Michael Wollny, Iiro Rantala und Gwilym Simcock drei Weltmusiker und Jazzpianisten. Jeder wird einen Soloteil bestreiten, sie werden zu zweit und eventuell - das hängt von der Spiellaune ab, wie es heißt - auch zu dritt auf zwei Flügeln spielen.Der junge, englische Tastenvirtuose Gwilym Simcock ist in seiner Heimat schon längst ein Star der Musikszene. Gwilym Simcock hat als Komponist und Solist unter anderem mit dem BBC-Concert-Orchestra, der London Sinfonietta und der NDR-Big-Band zusammengearbeitet. Seinen Ruf eines mitreißenden Performers hat er in den letzten Jahren außerhalb seiner Heimat solo, im Trio oder mit Quintett beim Klavierfestival Ruhr und dem North Sea Jazz Festival, in der Philharmonie Köln, bei den Leverkusener Jazztagen und dem Jazzfest Berlin ausgebaut.

Nun hat er seine zweite Veröffentlichung vorgelegt, ein Doppelalbum mit dem Titel "Blues Vignette". Um den Blues im herkömmlichen Sinne geht es darauf nicht, aber, wenn man sich an den Begriff "Vignette" hält, um eine einprägsame Darstellung oder Skizze von Gwilym Simcocks künstlerischem Status Quo. Am Piano solo stellt sich Gwilym Simcock mit drei eigenen Kompositionen vor, die starken impressionistischen Charakter haben, interpretiert berührend den langsamen Satz aus Edvard Griegs Klavierkonzert und genauso überzeugend und packend ein Stück Popgeschichte mit dem durch George Benson berühmt gewordenen Soultitel "On Broadway". Die solistische Dramaturgie rundet er mit kurzen, aber ebenfalls beeindruckenden Improvisationen ab. Im Duo mit Cellistin Cara Berridge stellt er anschließend eine zweiteilige Suite vor.

Im Rahmen seines Auftritts auf dem Jazz Fest Berlin hat der finnische Pianist Iiro Rantala für sein aktuelles Album "Lost Heroes" den Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik erhalten. Die Jury wählte das Album aus über 100 Nominierungen zum Jazzalbum des Jahres. Iiro Rantala ist Ästhet. Seine Vorstellung von Klang ist traditionell an den Möglichkeiten eines guten Flügels orientiert.

Der finnische Pianist verweigert sich bewusst den Verlockungen der Protools-Generation, Höreindrücke mithilfe intelligenter Software kosmetisch zu korrigieren. Sein Klavier klingt von sich aus schön, seine Kunst ist Resultat eines makellosen, immens flexiblen Anschlags, einer mit Humor durchsetzten Gestaltungskompetenz und einer melodischen Musikalität, die ihn spätestens mit seinem früheren Trio Töykeät zu einem der führenden Pianisten Skandinaviens hat werden lassen, so heißt es laut Pressemitteilung in der Jurybegründung.

Der Jazz war schon hundert Jahre alt, als Michael Wollny anfing, sich mit ihm zu befassen: als komponierender, spielender deutscher Jazzpianist. Wollny ist ein Musiker, der dieses Neue, das aus dem Jazz und mit ihm entstanden ist, repräsentiert. Natürlich ist er Jazzpianist. Er improvisiert, er versichert sich seiner musikalischen Wurzeln, er entdeckt fortwährend Neuland. Seine musikalische Herkunft aber ist zweifelsfrei europäisch, mit einem klaren Akzent auf der ehrwürdigen westeuropäischen Musikgeschichte. Johann Sebastian Bach, Franz Schubert, die deutsche Romantik, der französische Komponist Olivier Messiaen haben ihn mindestens ebenso beeinflusst wie Musik von der anderen Seite des Atlantik, und zu den genannten Einflüssen gesellen sich immer wieder neue hinzu. Bei Michael Wollny sind sich die beiden Traditions-Stränge nicht im Weg, sie verbinden sich miteinander und bereichern sich gegenseitig.

Wollny tritt mit jedem seiner Konzerte den Beweis an, dass der Jazz keiner anderen musikalischen Herkunft im Wege stehen muss, weil er befreiend wirkt. Und dass die europäische Kunstmusik die Fantasie nicht behindern muss, weil sie eine musikalische Grammatik geschaffen hat, die zugleich ein Werkzeug sein kann für Erfinder. red

Eintritt: 18 Euro, ermäßigt 15 Euro, an der Abendkasse 22 Euro; Vorverkauf unter der Telefonnummer (0 68 25) 40 92 20.

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