Hilfe von anderer Seite

Im Interview mit SZ-Mitarbeiterin Sylvie Rauch erklärt Dr. Hans-Peter Weber, wo die Überschneidungen in der Behandlung in seinem Bereich liegen und warum gerade chronische Schmerzen sehr häufig auch zu seelischen Problemen führen.

Thomas Kiefer, Monika Brahm-Lorenz, Christine Franz und Dr. Hans-Peter Weber (von links) freuen sich über die Festigung der Zusammenarbeit. Fotos: Gesundheits- und Reha-Zentrum Saarschleife.

Bereits seit über 18 Jahren gibt es die Kooperation zwischen dem Gesundheits- und Reha-Zentrum Saarschleife und dem Verbund der Deutschen Rheumaliga/Saar im Rahmen der orthopädischen Abteilung. Jeden Dienstag und Donnerstag finden Funktions-Trainingsgruppen mit speziellen Übungen zur Mobilisation der Gelenke für die Mitglieder der Rheumaliga statt. Die meisten Gruppen machen Wassergymnastik in den Therapiebecken des Bäderbereiches mit langjährigen Therapeuten des Zentrums. Wöchentlich profitieren rund zehn Gruppen à 15 Teilnehmer bereits seit Jahren von diesem Training.

Thomas Kiefer, Geschäftsführer der Rheumaliga/Saar, ist regelmäßig in Orscholz und steht dort beratend für Mitglieder und auch Nichtmitglieder der Region Perl/Mettlach zur Verfügung. Gesundheitstage und Workshop wurden bereits häufig in der Vergangenheit durchgeführt. Jedes Jahr finden zusätzlich spezielle "Tage des Rheumakranken" in den Räumlichkeiten der Klinik statt.

Der Chefarzt und Rheumatologe Professor Wolfgang Menke war seit vielen Jahren als Vorstandsmitglied für die Deutsche Rheumaliga/Saar tätig. Da er im März dieses Jahres in den Ruhestand tritt, hat er das Vorstandsamt niedergelegt. Nun ist mit dem Chefarzt der psychosomatischen Abteilung der Orscholzer Einrichtung ein neuer Kontakt entstanden.

Hilfe bei chronischem Schmerz

Dr. Hans-Peter Weber traf sich bereits mit den Vorsitzenden des Verbundes, um die weitere Zusammenarbeit in Orscholz zu besprechen. Besonders interessant ist die psychosomatische Abteilung für Patienten, bei denen die zusätzlichen belastenden Faktoren den Umgang mit den chronischen Schmerzen erschweren. "Rheumapatienten haben meist chronische Schmerzen. Hier bietet unserer Setting ein gutes Hilfsangebot" betont Weber. Weiterhin führt er aus: "Gerne habe ich die Aufgabe als Ansprechpartner der Rheumaliga/Saar von Professor Menke übernommen. In den vergangenen drei Jahren habe ich bereits eng mit ihm zusammengearbeitet, und dabei hat es sich gezeigt, dass wir viele gemeinsame Ansätze in der Behandlung von chronischen Schmerzpatienten haben. Sicher wurde diese Zusammenarbeit dadurch erleichtert, das einerseits Herr Professor Menke Erfahrung im Bereich der psychischen Verarbeitung von Schmerzen hat, und andererseits ich mehrere Jahre im unfallchirurgischen Bereich und im Bereich der Anästhesie tätig war, bevor ich über die Neurologie zur Psychotherapie gekommen bin." Für die Rheumaliga ist es somit ein sanfter Übergang, denn erste Kontakte sind bereits geknüpft.

Die Präsidentin Monika Brahm-Lorenz und die Vizepräsidentin Christine Franz freuen sich mit dem Geschäftsführer der Rheumaliga Saar Thomas Kiefer über die neue Festigung der Zusammenarbeit mit der Klinik in Orscholz.Herr Dr. Weber, Sie sind in Zukunft Ansprechpartner der Rheumaliga/Saar im Gesundheits- und Reha-Zentrum Saarschleife. Sie sind im Gegensatz zu Ihrem Vorgänger, Professor Wolfgang Menke, kein Orthopäde bzw. Rheumatologe, sondern Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie. Wo liegen die Überschneidungen in der Behandlung von Rheuma zu Ihrem Fachbereich?

Dr. Hans-Peter Weber: Ein wesentlicher Überschneidungspunkt unserer beider Arbeit ist darin zu sehen, dass chronische Schmerzen fast immer zu Problemen bei deren seelischen Verarbeitung führen. Genau wie seelische Probleme häufig zu körperlichen Problemen führen. Der Mensch ist eine Seele-Körper-Einheit, Beschwerden treten fast immer im Psycho-Somatischen-Bereich auf.

Was sind die häufigsten psychischen Erkrankungen oder Beeinträchtigungen bei Rheuma-Patienten?

Dr. Weber: Bei chronischen Schmerzen kann man oft schlecht schlafen. Zudem kann man weniger am sozialen Leben teilnehmen. Dadurch können seelische Erkrankungen auftreten oder bestehende seelische Erkrankungen sich verschlimmern. Häufig sind depressive Entwicklungen, die zum Teil das Auftreten von Ängsten oder Anpassungsstörungen bei erschwerter Anpassung an geänderte Lebenssituationen hervorrufen. Manchmal kommt es auch zur Einnahme von Suchtmitteln ("um die Schmerzen besser aushalten zu können") oder zu Veränderungen der Persönlichkeit, sei es durch die Lebenssituation oder durch Erkrankung und die erforderliche Medikation.

Wie können Sie speziell in Orscholz bei der Behandlung der Beschwerden helfen?

Dr. Weber: Das Gesundheits- und Rehazentum Saarschleife besteht seit über 20 Jahren und unterstützt seit Beginn die Arbeit der Rheumaliga/Saar. So konnten die hier tätigen Ärzte und Physiotherapeuten Erfahrungen sammeln, die den Patienten zugute kommen. Die vorhandenen, zahlreichen technische Behandlungsmöglichkeiten können gut eingesetzt werden. Ergänzend kann die psychosomatische Abteilung die Patienten bei der seelischen Verarbeitung ihres Leidens unterstützen.