Herzliches Dzien´ Dobry für den neuen Partner

Die Wolstzyner handeln schnell. Die Partnerschaft zwischen der westpolnischen Stadt und Neunkirchen gehörte bereits zum Stadtbild, als die saarländische Delegation zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages anrückte: An der Begrüßungstafel am Stadtportal war Neunkirchen schon zu den übrigen Partnerstädten Wolsztyns hinzugefügt

Die Wolstzyner handeln schnell. Die Partnerschaft zwischen der westpolnischen Stadt und Neunkirchen gehörte bereits zum Stadtbild, als die saarländische Delegation zur Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages anrückte: An der Begrüßungstafel am Stadtportal war Neunkirchen schon zu den übrigen Partnerstädten Wolsztyns hinzugefügt.Und das Bedürfnis nach Partnern ist bei den Wolsztynern offenbar ausgeprägt. Maasbree in Holland und Domont bei Paris stehen auf der Partnerschaftsliste - und natürlich Lübben im Spreewald, das nach einigem Anlauf nun auch Neunkirchen mit dem 30 000-Einwohner-Städtchen "verkuppelt" hat, das früher auch schon Wollstein hieß. Damit ist das Partnerschaftsverlangen Wolsztyns aber noch nicht erschöpft: Man wendet sich nun wie Neunkirchen Richtung Osten und bandelt mit einer Stadt in der Ukraine namens Lityu an. Immerhin tragen Polen und die Ukraine 2012 auch gemeinsam die Fußball-Europameisterschaft aus. Im Mai 2011 soll diese Partnerschaft perfekt gemacht werden. Man sei kürzlich zu einem einwöchigen Besuch vor Ort gewesen, berichtet Wolsztyns Bürgermeister Andrzej Rogozinski den Neunkirchern. Und deutet schmunzelnd an: Das sei bezüglich Essen und Trinken sehr strapaziös gewesen.Mit ihrer Gastfreundschaft brauchen sich aber auch die Wolsztyner nicht zu verstecken. Ein freundliches "Dzien´ dobry" (gesprochen: dschin dobre) scholl der zehnköpfigen Neunkircher Gruppe offiziell entgegen und aufgetischt wurde, was die Küche hergab. Der Bürgermeister sowie der Stadtratsvorsitzende Krysztof Lisiewicz kümmerten sich ebenso ausdauernd um die Gäste wie der städtische Tourismuschef Wojtek Lis, dessen superben Deutschkenntnisse Grundlage der beiderseitigen Kommunikation waren. Ihm zur Seite stand Yvonne Danczak, die die Neunkircher mitgebracht hatten - die Polin lebt schon seit zwei Jahrzehnten an der Blies. Die Kreisstadt Wolsztyn mit ihre 30 000 Einwohnern (einschließlich 30 angegliederter Umlandgemeinden) putzt sich langsam heraus, auch mit Hilfe von EU-Geldern. Gerade fertig geworden ist der umgestaltete Rathausplatz - ein Schmuckstück im Zentrum. Und schon ein Jahr vor Neunkirchen hatte Wolsztyn ein krachneues Hallenbad, wenn auch ein Freibad noch fehlt. Die Stadt birgt beachtenswerte alte Bausubstanz, eine Reihe von Gebäuden ist bereits optisch eindrucksvoll renoviert. Dies war bei einem Stadtbummel festzustellen, der beispielsweise auch durch die Robert-Kocha-ulicia (zu deutsch: Robert-Koch-Straße) führte. Der Mediziner und Mikrobiologe Robert Koch, dem auch ein Museum gewidmet ist, hatte von 1872 bis 1880 in Wollstein gewirkt und dort den Milzbranderreger entdeckt. Ebenfalls festzustellen war beim Stadtrundgang, dass die polnische Währung Zloty von der Euro-Teuerung unbeleckt ist: Kleidung, Schuhe und Schmuck waren - sehr zur Freude der weiblichen Delegationsmitglieder - in deutschen Augen Schnäppchen.Handel und Handwerk haben soliden Boden in Wolsztyn. "Wirtschaft ist das wichtigste, sie hat einen großen Einfluss auf die anderen Bereiche des Lebens", hat Bürgermeister Andrzej Rogozinski erkannt. Man habe mehr als 2500 kleine und mittelständische Firmen in sehr verschiedenen Branchen - vom Ein-Mann-Betrieb bis zur 800-Leute-Belegschaft, versichert er im Gespräch mit der SZ. Viele Handwerksfirmen seien aus "Garagenbetrieben" zu modernen Firmen geworden. "Wenn bei uns eine Firma Pleite geht, entscheidet das nicht über die Wirtschaft der Stadt", sagt Rogozinski und hat dabei auch Neunkirchens ehemalige Monostruktur im Hinterkopf.Gleichwohl hat den Bürgermeister, der bisher ein halbes Dutzend Mal an der Blies weilte, beeindruckt, wie Neunkirchen den Wandel bewältigt hat. Man habe sich in Neunkirchen "vieles abgeguckt, was man schöner machen kann". Zum Beispiel die Sportanlagen. Auch vom guten Funktionieren der Neunkircher Stadtverwaltung ist er angetan. Ebenso vom Städtischen Klinikum, das nach einer Besichtigung beim letzten Neunkirchen-Besuch im heimischen Stadtrat und Kreistag als Positivbeispiel vorgestellt wurde. Weitere Anregungen können die Wolsztyner im kommenden Frühjahr sammeln: Dann werden sie wieder in Neunkirchen sein, wenn der zweite Teil des Partnerschaftsaktes vollzogen wird. Und dann heißt es statt "Na zdrowie" (gesprochen: nasdrowje) "Proschd!" "Ich wünsche uns für die Zukunft eine Erfolgs-geschichte."Oberbürgermeister Jürgen Fried"Wir glauben, dass wir für Westpartner noch attraktiver werden."Bürgermeister Andrzej Rogozinski

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