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Heiße Diskussion um MüllgebührenWelche Art der Müllgebühren bevorzugen Sie?

Heiße Diskussion um MüllgebührenWelche Art der Müllgebühren bevorzugen Sie?

Neunkirchen. Der Neunkircher Oberbürgermeister Friedrich Decker würde zwar am liebsten alles so lassen, wie es ist, aber auf den "Müllbürger" kommen wohl neue Zeiten zu: In knapp drei Jahren will der Entsorgungsverband Saar (EVS) ein neues Gebührensystem für die Abfuhr des Restmülls in der grauen Tonne etablieren

Neunkirchen. Der Neunkircher Oberbürgermeister Friedrich Decker würde zwar am liebsten alles so lassen, wie es ist, aber auf den "Müllbürger" kommen wohl neue Zeiten zu: In knapp drei Jahren will der Entsorgungsverband Saar (EVS) ein neues Gebührensystem für die Abfuhr des Restmülls in der grauen Tonne etablieren. Es soll Spar-Anreize setzen: Durch strikte Trennung und Müllvermeidung, davon geht der EVS aus, lassen sich die Restabfallmengen weiter reduzieren.Die EVS-Gremien haben sich dabei mehrheitlich für das so genannte Optionsmodell entschieden - es soll am 29. April bei der Verbandsversammlung, der die Bürgermeister aller EVS-Gemeinden angehören, auf den Weg gebracht werden. Das Modell bedeutet: Jede Gemeinde kann entscheiden, ob sie 2011 das "Wiegesystem" (Gebührenberechnung nach Gewicht) oder das "Identsystem" (Gebührenberechnung nach Abfuhrhäufigkeit) einführt. "Die Kommunen müssen sich spätestens bis zur Sommerpause festlegen", so EVS-Geschäftsführer Karl Heinz Ecker auf SZ-Nachfrage.Was bedeutet das für den "Müllbürger"? Nehmen wir als Beispiel die dreiköpfige Familie Mustermann, die das statistische Mittel von 660 Kilogramm Müll pro Jahr produziert. Wenn sie eine 120-Liter-Tonne besitzt und diese 14-täglich leeren lässt, zahlte sie bisher 143,36 Euro Gebühren jährlich. Bei der vom EVS zwecks Kostendeckung für zwingend erachteten Gebührenerhöhung von jeweils acht Prozent in 2008 und 2009 würden die Mustermanns laut EVS 2011 nach bisheriger Praxis 176 Euro zahlen.Nach dem Ident-System sind 12 Pflichtleerungen für 144 Euro pro Jahr vorgesehen. Jede weitere Leerung kostet 2,75 Euro. Das heißt: Bleibt Familie Mustermann beim bisherigen 14-täglichen Leerungs-Turnus, kommt sie auf etwa die gleiche Gebührenhöhe wie bisher. Mit jeder Abfuhr weniger spart sie aber 2,75 Euro.Nach dem Wiege-System (Grundgebühr plus Gebühr pro abgefahrenes Kilogramm Müll) müssten Mustermanns von ihren 660 Kilogramm Müll 45 Kilogramm einsparen, um auf den Betrag des alten Gebührensystems zu kommen. Mit jedem zusätzlich eingesparten Kilo spart sie knapp 16 Cent. Dies ist eine von mehreren von der EVS aufgestellten Varianten für die Abfuhr nach Gewicht.Verbindliche Modelle könne man bei der EVS erst erstellen, wenn sich die Bürgermeister einig sind, so EVS-Sprecherin Marianne Lehmann. Zudem seien die dargestellten Beispiele nur gültig, wenn folgende Voraussetzungen eintreffen: 1. 70 Prozent der Gemeinden wählen das Ident- und 30 Prozent das Wiegesystem (eine solche Relation zeichnet sich offenbar ab). 2. Die anvisierte Gebührenerhöhung kommt durch. 3. Bis 2010 arbeitet der EVS kostendeckend. 4. Der Marktpreis für die Verbrennung von Gewerbeabfall (dieser wird als Einnahmequelle auf dem Markt akquiriert für die freien Kapazitäten in den Verbrennungsanlagen Neunkirchen und Velsen) sinkt nicht unter 100 Euro pro Tonne. 5. Die Verbrennungsanlagen sind zu 95 Prozent ausgelastet.Neunkirchens OB Decker setzt hinter das geplante Gebühren-System ein "ökonomisches Fragezeichen". Er plädiert mit einer Minderheit seiner Bürgermeisterkollegen dafür, alles beim Alten zu lassen - zumindest so lange, wie hohe Fixkosten die Abfallentsorgung belasten (so ist der EVS bis 2016 an einen problematischen Vertrag mit der Sotec über Zahlungen für die Verbrennungsanlage Neunkirchen gebunden). Darin gab ihm der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung Rückendeckung. Decker glaubt, dass nach der Umstellung mehr Müll dort landet, wo er nicht hingehört. Für Neunkirchen komme allenfalls das Ident-System in Frage. Oder man überlege sich doch eine Entsorgung in eigener Regie. Dies hatte jüngst die FDP-Fraktion im Stadtrat vorgeschlagen...Welche Form der Müllgebühren bevorzugen die Neunkircher? Wir haben ein TED-Telefon eingerichtet, an dem SZ-Leser ihre Meinung kund tun können. Wollen Sie ihre Müllgebühren über das Gewicht oder über die Leerungs-Häufigkeit beeinflussen? Oder sind Sie dafür, dass in Neunkirchen alles bleibt, wie es ist? Wir haben ab sofort und noch bis Sonntag, 24 Uhr, drei Nummern für Sie freigeschaltet. Ihr Anruf wird automatisch registriert. Ihr Votum veröffentlichen wir am Dienstag. Wählen Sie: (0681) 5026010, wenn Sie für das Ident-System (Gebühren nach Häufigkeit der Leerung) in Neunkirchen sind. (0681) 5026020, wenn Sie für das Wiege-System (Gebühren nach Abfallgewicht) sind. (0681) 5026030, wenn Sie das jetzige System unverändert beibehalten wollen.

Auf einen BlickDer Entsorgungsverband Saar (EVS) ist eine gesetzlich verankerte Solidargemeinschaft aller 52 saarländischen Kommunen zur Entsorgung von Abfall und Abwasser. Allerdings haben die Städte und Gemeinden laut EVS-Gesetz die Möglichkeit, die Abfuhr und Entsorgung von Müll in eigener Regie zu übernehmen. Dies tun bisher Saarbrücken, Völklingen, St. Wendel, Eppelborn und Lebach. Für die übrigen 47 Gemeinden ist der EVS zuständig. Die Abfuhr besorgen meist Vertragsunternehmen, in Neunkirchen macht das die Stadt über ihren Betriebshof selbst. Nach Ansicht des EVS ist der Spareffekt, den die fünf "ausgetretenen" Gemeinden erzielen, hinfällig, wenn 2011 das neue Gebührensystem greift. Bis dahin sparten diese Gemeinden auf Kosten der Solidargemeinschaft, so der EVS. gth