Hanomag-Treffen ging am Bostalsee über die Bühne

Hanomag-Treffen : Ein Silberpfeil und das Abenteuer vom Salzsee

200 PS-Fans kamen über Pfingsten zum 14. saarländischen Hanomag-Treffen an den Bostalsee. Man kennt sich untereinander.

Egal ob Globetrotter, Liebhaber alter Nutzfahrzeugs oder Campingmobile, über die Pfingstfeiertage ging es wie in all’ den Jahren zu Erwin auf die Festwiese. Und da waren sie dann wieder. 220 Besitzer von Oldtimern, Raritäten und ehemaligen Militärfahrzeugen steuerten zum 14. Hanomag-Saarlandtreffen das Gelände am Bostalsee an. „Das erste Auto kam schon am Dienstag, am Donnerstag waren es bereits 80“, berichtet Mary Raddatz aus Oberkirchen. Gemeinsam mit Ehemann Erwin organisiert sie seit 2006 die historische Fahrzeugschau.

Gerade unterhielt sich Erwin Raddatz im Zelt mit seinem langjährigen Freund Mario Raddatz, da vermeldete der Klingelton von Tina Turners Klassiker „Notbush City Limit“ auf seinem Smartphone die Ankunft der nächsten Besucher. Ralf und Anneliese Weintraut waren mit dem Silberpfeil eingetroffen und Organisator Raddatz winkte den Stammgast mit dem Magirus Deutz, Baujahr 1961, rückwärts auf seinen Stellplatz ein. Kein Problem für Weintraut. „Ich habe nachträglich eine Servolenkung eingebaut“, erklärte er. 20 Jahre habe der Kfz-Meister nun schon den Kofferaufbau aus Plastik auf dem Fahrzeug drauf, und erst kürzlich das H-Kennzeichen für historisch erhalten. Damit erlangte sein Oldtimer den Klassikerstatus.

In diesem Jahr begrüßte Raddatz 30 neue Gäste unter den PS- und Campingfreunden. Einer davon war Rollstuhlfahrer Ingo Merkel aus
Rastatt. „Das Ambiente hier ist toll, das Wetter schlecht“, sagte er am Samstag. Wartungsarbeiten am umgebauten barrierefreien Mercedes Lieferwagen, Baujahr 1989, standen für Merkel auf dem Plan. „Das Auto hat ein Automatikgetriebe, den Koffer habe ich nach Maßvorstellung darauf aufgebaut“, erläuterte er, und dann ging es mit dem Rollstuhl auf die Rampe, um in seine Einzimmerwohnung auf vier Rädern zu kommen. Mit dem Mercedes, so Merkel weiter, habe er Europa bereits durchquert sowie eine sechswöchige Tour durch Marokko unternommen.

Auch der Egelsbacher René Brans hatte spannende Anekdoten auf Lager. „Den MAN habe ich schon einmal im Senegal in einem Salzsee versenkt. Mit viel schaufeln und unterlegten Sandblechen bin ich wieder rausgekommen“, schilderte er die Knochenarbeit bei sengender Hitze.

Erwin Raddatz (Bildmitte) empfing Ralf und Anneliese Weintraut mit ihrem Magirus-Deutz-Silberpfeil. Foto: Frank Faber

Einen regelrechten Fuhrpark präsentierte die Interessengemeinschaft Militärfahrzeuge Saar. „Wir passen gut hier rein, um uns herum stehen ja viele umgebaute Militärfahrzeuge, und wir sehen mal was anderes“, meinte Rudi Heinen. Ein MAN, der einst in der belgischen Armee gedient hat, parkte neben einem Saurer, mit dem früher Schweizer Soldaten im Einsatz waren. An einem Kraftkarren (Kraka) aus dem Jahre 1974 kam kaum jemand vorbei, ohne sich bei Heinen über die Bedeutung des Vehikels zu erkundigen. „Das Ding lässt sich zusammenklappen, im Flugzeug verstauen, unter Hubschrauber hängen oder mit Schlauchbooten über Flüsse setzen“, vermittelte er einen Einblick in die Historie. Und von dem mitgebrachten Exemplar seien nur 800 gebaut worden. „Der Kraka hat einen BMW-Boxer-Motor mit 26 PS wie beim Motorrad“, so Heinen. Wie immer wurden untereinander rund um das Campinglager reichlich Tricks und Tipps weitergegeben. Am Samstagabend hielt der Karlsruher Torsten Egger einen Vortrag über die Andenüberquerung mit seinem 50 Jahre alten Hanomag und die Band Clean Classic Rock sorgte mit Hits aus den 1960er- und 1970er-Jahren für ordentlich Stimmung.

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