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Großer Bahnhof für alte DampflokomotivenSonderzug hielt in Türkismühle

Großer Bahnhof für alte DampflokomotivenSonderzug hielt in Türkismühle

Türkismühle. Ein kräftiges Fauchen, ein Zischen und hin und wieder ertönt ein unter die Haut gehendes schrilles Quietschen, dann kommt der Sonderzug mit 15-minütiger Verspätung auf Gleis 2 zum Stillstand. "Wir hatten im Ruhrgebiet viel Verkehr", begründet der Geschäftsführer der internationalen Gesellschaft für Eisenbahnverkehr (IGE), Armin Götz, die Verspätung

Türkismühle. Ein kräftiges Fauchen, ein Zischen und hin und wieder ertönt ein unter die Haut gehendes schrilles Quietschen, dann kommt der Sonderzug mit 15-minütiger Verspätung auf Gleis 2 zum Stillstand. "Wir hatten im Ruhrgebiet viel Verkehr", begründet der Geschäftsführer der internationalen Gesellschaft für Eisenbahnverkehr (IGE), Armin Götz, die Verspätung. 350 Menschen aus acht Nationen steigen aus den elf Wagen aus und mischen sich unter die vielen Schaulustigen. Für eine Dreiviertelstunde präsentiert sich der Bahnhof wie die Drehscheibe einer europäischen Metropole. "Ich habe hier früher noch zehn Pfennig für eine Bahnsteigkarte bezahlt", erinnert sich Paul Pfeifer mitten im Trubel. Die nostalgischen Eisenbahnfreunde bestaunen insbesondere die beiden schwarzen Dampf-Kolosse der Baureihen 52 und 23. Die Feuerwehrmänner aus Türkismühle haben dafür keine Zeit. 300 Meter an Schlauch haben sie bis zu einem Hydrant legen müssen, um beide Loks mit Wasser zu betanken. "Beide Loks brauchen jeweils etwa 25 000 Liter. Hoffentlich haben wir anschließend im Ort noch Wasser zum Duschen", scherzt Löschbezirksführer Andreas Glöckner. Zwischendrin lässt die 52-er "Kriegslok", von denen bis 1945 über 6 000 hergestellt wurden, mächtig Dampf ab. "Sie wird jetzt abgeschlammt", informiert Lokführer Horst Schleismann. Der 9-jährige Eisenbahnfan Marvin Steffen aus Sötern ist begeistert. "So eine Lok kenne ich nur aus dem Museum oder von Opas Fotos. Das ist für mich ein richtiges Erlebnis", schwärmt er. Mit ganz anderen Augen beobachten die ehemaligen Lokführer, Horst Nagel aus Winterbach und der Hofelder Willi Schäfer, die Betankung. "Fünf Minuten hat das früher mit dem Wasserkran gedauert dann war die Sache erledigt", erzählt Schäfer. Nagel berichtet von einer tollen Teamarbeit mit dem Heizer, der auf einem Güterzug mächtig Kohlen habe schleppen müssen. "Auf der Lok war es im Sommer mächtig heiß, und im Winter eiskalt", beschreibt Nagel seinen jahrelangen Arbeitsplatz. Die 23-er, schildert Schäfer, sei eine Personenzugslokomotive gewesen, die damals im Schuppen in Saarbrücken gestanden habe. Rüdiger Wailersbach aus Niederkirchen kennt die Lok noch als Fahrgast aus den 60er Jahren. Als passionierter Märkliner steuert er sie in Mini-Format zu Hause. "So viel Leben wie heute wird es hier auf den Bahnhof so schnell nicht geben", ist er überzeugt. Die Tankwarte um Glöckner haben derweil ihre Schläuche eingerollt, die internationalen Fahrgäste sind wieder eingestiegen. Um 15.05 Uhr verlässt der Sonderzug unter Volldampf mit einem lauten Pfeifsignal den Bahnhof in Türkismühle.

Auf einen BlickVon Türkismühle rollte der Sonderzug weiter über Saarbrücken, Kaiserslautern zunächst bis Neustadt an der Weinstraße zu einer erneuten Betankung. Von dort führte der weitere Weg über Ludwigshafen, Worms bis zur Endstation des Tages nach Darmstadt. Die große Eisenbahn-Romantik Sonderzugreise zum 175. Geburtstag der Deutschen Eisenbahn quer durch alle Bundesländer endete am Sonntagabend nach 4300 Kilometern in Augsburg. frf