Grenzerfahrung und Einsamkeit

Beim Abschiedsgottesdienst von Jürgen Peter Zapp gab es in der Kirche keinen Sitzplatz mehr. Der Kooperator verlässt die Pfarreiengemeinschaft Schaumberg auf eigenen Wunsch und erklärte der Gemeinde seine Gründe.

Kooperator Jürgen Peter Zapp hat die Pfarreiengemeinschaft Schaumberg nach drei Jahren auf eigenen Wunsch verlassen. Zapp verabschiedete sich mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Bartholomäus in Hasborn. Zum Abschiedsgottesdienst erschienen so viele Menschen, dass einige keinen Sitzplatz mehr fanden. Dies zeigt die Wertschätzung, die ihm die Bürger entgegenbringen und mit der sie sein Engagement in der Gemeinde würdigen.

Außergewöhnlich offen spricht Zapp am Samstag über die Beweggründe, die ihn zu seiner Entscheidung führten: "Die Einsamkeit macht mir zu schaffen. Ich habe immer in einer Gemeinschaft gelebt. Zunächst mit meinen Eltern und meinen drei Geschwistern, dann bei der Bundeswehr. Auch im Priesterseminar hatte ich stets viele Menschen um mich herum", begründet Zapp seinen Entschluss, den Dienst als Priester und Kooperator niederzulegen.

"Auch eine persönliche Grenzerfahrung vor einigen Jahren hat mich nachdenklich gestimmt. Die Hilfe, die mir entgegengebracht wurde kam nicht, wie erwartet von der Kirche, sondern von engen Freunden. Das hat mich dazu veranlasst, mein Leben, wie es war, zu prüfen." Vom Bischof von Trier, Joseph Ackermann, ist er zunächst beurlaubt, um sich in Ruhe klar darüber werden zu können, was er will. Für die Dauer der Beurlaubung ist ihm der priesterliche Dienst untersagt. Die Pläne von Zapp reichen jedoch schon weiter. Für ihn sei eine neue Zeit gekommen, erklärte er in seiner Abschiedsrede, während er zum letzten Mal die Heilige Messe hielt: "Ich laufe nicht weg, sondern gebe meinem Leben eine neue Richtung und die weist immer geradeaus, den Blick nach vorne gerichtet."

Sein neuer Weg führt ihn zunächst zu einem Praktikum in der stationären Altenhilfe bei der Caritas-Trägergesellschaft Saarbrücken. Anschließend möchte er dies zu seinem Beruf machen und die Erfahrung, die er durch seine vorherige Tätigkeit als Notfallseelsorger reichlich gesammelt hat, sinnvoll nutzen.

Sein direkter Vorgesetzter, Pfarrer Ulrich Graf von Plettenberg, der Bürgermeister der Gemeinde Tholey, Hermann Josef Schmidt, und Michael Stephan, Leiter des Pfarrgemeinderates, lobten Jürgen Peter Zapp für den sehr offenen Umgang mit seiner Entscheidung und die vielen Aufgaben, die er übernommen hatte.

Seine Tätigkeitsfelder reichten von der Feier von Gottesdiensten und der Spendung der Sakramente über Religionsunterricht an den Grundschulen Hasborn und Theley bis hin zur Begleitung der kirchlichen Kindergärten und kommunalen Kitas. Als Notfallseelsorger der Pfarreiengemeinschaft stand er darüber hinaus verzweifelten Menschen zur Seite.

Darüber hinaus war der Spätberufene, der zunächst Elektriker gelernt hatte, ein aktives Mitglied der Feuerwehr, was ihn noch tiefer mit der Gemeinde verband. "Ich bedanke mich bei allen, die ich kennen gelernt habe und mit denen ich gearbeitet habe. Nie zuvor habe ich solch gute Kameradschaft kennengelernt", sagte Zapp zum Abschied.