Gewalt in der Pflege hat viele Gesichter

Gewalt in der Pflege hat viele Gesichter

Gerade wurde aktuell in unserer Zeitung über einen Vorfall berichtet, bei dem Vorwürfe laut wurden, dass ein der Obhut eines Krankenhauses anvertrauter älterer Mensch über mehrere Stunden in seinem Urin und seinem Kot liegen gelassen wurde. Sie sind der Sicherheitsberater für Senioren in Neunkirchen. Fällt so was auch in ihr Ressort? Rudolf Bechtel: Ja

Gerade wurde aktuell in unserer Zeitung über einen Vorfall berichtet, bei dem Vorwürfe laut wurden, dass ein der Obhut eines Krankenhauses anvertrauter älterer Mensch über mehrere Stunden in seinem Urin und seinem Kot liegen gelassen wurde. Sie sind der Sicherheitsberater für Senioren in Neunkirchen. Fällt so was auch in ihr Ressort? Rudolf Bechtel: Ja. Im Rahmen unserer Vorträge wird auch das Thema "Gewalt in der Pflege" angesprochen. Leider scheint dies zurzeit noch ein Tabuthema zu sein, über das bisher nicht öffentlich gesprochen wurde.Sie sprechen davon, dass es sich um einen Akt der Gewalt handelt. Sicherlich ist diese Vorgehensweise in Krankenhäusern und anderen Pflege-Einrichtungen nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Kommt aber wohl immer wieder vor.Bechtel: Da haben Sie wohl recht. Die überwiegende Mehrzahl von Pflegeheimen und Krankenhäusern bieten beste Pflege. Fälle dieser Art sind wohl die Ausnahme. Doch jede Ausnahme ist ein Fall zu viel! Es wäre aber falsch, alle und alles "über einen Kamm zu scheren". Über die Dunkelziffer der Fälle, kann man nur spekulieren. Gewalt in der Pflege kann auch durch Vernachlässigung, durch allein gelassen werden, Verweigerung von Bettreinigung, Waschen, Essen und Trinken "vergessen", Misshandlung durch Beschimpfen, Verspotten, Isolieren, Einschüchtern, Drohung mit Heimeinweisung bei häuslichen Pflegepersonen geschehen. So nach dem Motto: Opa, Oma, wenn dir dass nicht passt, kommst du ins Altersheim!Was raten Sie Angehörigen, um solche Situationen schon im Vorfeld auszuschließen?Bechtel: Hier gilt der alte Spruch: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!" Hier meine ich die Kontrolle durch die Angehörigen in öffentlichen Pflegeeinrichtungen durch nicht angemeldete Besuche. Mehre Besuche an einem Tag.Was ist zu tun, wenn man einen solchen Vorfall dann doch bemerkt?Bechtel: Hier gilt auch: Nicht gleich das Kind mit dem Bade ausschütten, sondern zuerst das Gespräch mit der Pflegeleitung suchen und die Angelegenheit erörtern. Danach weitere Kontrollbesuche machen und feststellen, ob die Mängel abgestellt wurden. Bestehen die Mängel weiter, können Betroffene und Angehörige gerne das Gespräch mit mir und mit Monika Jost vom Seniorenbüro der Stadt Neunkirchen suchen.Ist so was generell ein Thema für sie als Sicherheitsberater und in welcher Form greifen Sie es auf?Bechtel: Dieses Thema ist auch Gegenstand der Vorträge durch die Seniorensicherheitsberater.

Auf einen BlickDer 73-jährige Rudolf Bechtel ist der ehrenamtliche Sicherheitsberater für Neunkircher Senioren. Der Hangarder Kommunalpolitiker ist stark im Vereinsleben engagiert. Nach einer Schulung ist er seit März in diesem neuen Ehrenamt. Bechtel ist zu erreichen über das Seniorenbüro, Telefon (06821) 202 180. ji

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