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Getraut in Gehrock und schwarzem Kleid

Getraut in Gehrock und schwarzem Kleid

Mit dem Internationalen Museumstag an diesem Sonntag eröffnet um 13 Uhr das Museum für Mode und Tracht in Nohfelden eine neue Sonderausstellung: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet – Hochzeit im Wandel“. Die Tradition, dass für den wichtigsten Tag des Lebens nur das beste Kleid gut genug ist, zieht sich quer durch alle gesellschaftlichen Klassen und wirtschaftlichen Verhältnisse.

Es wird Hochzeit gehalten im Nohfelder Museum für Mode und Tracht in Nohfelden . Die Tradition, dass für den "wichtigsten Tag des Lebens" nur das "beste Kleid" gut genug ist, zieht sich quer durch alle gesellschaftlichen Klassen und wirtschaftlichen Verhältnisse. Doch anno dazumal musste es zur Hochzeit erst einmal kommen. "Bis etwa 1800 war die Eheschließung ausschließlich Sache der Kirche", erklärt Museumsleiterin Heidi Meier. Sie und Rösel Böhmer präsentieren dem Besucher von der Braut und Bräutigam getragene Unikate, zahlreiche Hochzeitsfotos und berichten Hintergründiges, ehe sich ein Paar das Ja-Wort vor dem Traualtar gegeben hat.

Um 1900 hat die Braut ein schwarzes Kleid getragen und der Mann einen Gehrock. Nur der Adel tanzt aus der Reihe. "1840 hat die englische Queen Viktoria Mary ihren deutschen Prinz Albert von Sachsen-Coburg in einem langen weißen Kleid geheiratet. Sie waren die Vorreiter", schildert Museumsleiterin Meier. Nach dem Ersten Weltkrieg wird auch die Brautmode von der modernen Linie erfasst. "Die Bräute haben kurze Kleiderröcke getragen, die Schuhe und Beine zeigen", erklärt Meier. In den 1930er-Jahren bestimmen Stars aus der Filmindustrie wie Greta Garbo oder Marlene Dietrich den internationalen Modestil. Die Brautkleider zeigen sich betont feminin, elegant, bodenlang und figurbetont. "Die modische Entwicklung kam dem Frauenbild der Nationalsozialisten entgegen", sagt Meier.

Im Laufe der Kriegsjahre von 1939 bis 1945 kommt es zu Materialmangel in der Bekleidungsindustrie, so erscheint der Mann gerne zur Hochzeit in Uniform. Mit Gründung der Bundesrepublik wird das Leitbild "Hausfrauenehe" geprägt. In deutschsprachigen Ländern trägt der Mann den Smoking, in den USA heißt die Anzugform Tuxedo und in England Dinner Jacket. Ab 1950 tragen die Bräute weiße Kleider mit einem Schleier, der von kleinen Mädchen getragen wird. "Der Schleier wurde mit einer Art Strahlenkranz am Brautkleid befestigt", ergänzt sie. In der Zeit danach werden die Hochzeitskleider wieder kürzer und werden mit einem Petticoat getragen (1960). "Mutige Frauen haben ab 1970 Miniröcke oder kurze Hängerkleidchen als Hochzeitskleid getragen", so die Museumschefin. Und trotzdem geht die Zahl der Eheschließungen zurück. Die Generation der 68er empfindet die Ehe und die Mode spießig, langweilig und unzeitgemäß.

1981 setzen der englische Thronfolger Prinz Charles und Lady Diana Spencer neue Maßstäbe mit der weltweiten Fernseh-Hochzeit. "Es wurden wieder romantische Gefühle gezeigt. Die Braut war Märchenprinzessin für einen Tag und das weiße Hochzeitskleid kam wieder in Mode", meint Meier. In den letzten Jahren sei die Brautmode wieder auffälliger geworden. Einen eindeutigen Trend gäbe es nicht mehr. Ausgehend vom ältesten Brautkleid aus dem Jahre 1840 zeigt die Sonderausstellung alles rund um die Mode und Ausstattung Brautpaare bis heute.

museum-nohfelden.de

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Sonderausstellung "Drum prüfe, wer sich ewig bindet - Hochzeit im Wandel" im Nohfelder Museum für Mode und Tracht ist an diesem Sonntag, Internationaler Museumstag, von 13 bis Uhr geöffnet. Danach gelten die neuen Öffnungszeiten: Mittwoch und Sonntag von 14 bis 17 Uhr, Termine für Gruppen können nach vorheriger Vereinbarung auch außerhalb der Öffnungszeiten festgelegt werden. Kontakt: Museum für Mode und Tracht, Altes Amtshaus, Nohfelden , Telefon (0 68 52) 80 91 54, Fax: (0 68 52) 80 22 26, per E-Mail: info@museum-nohfelden.de, heidi.meier@stv-saar.de. frf

 Hochzeitsmode heute: Die Braut trägt ein weißes Kleid, der Bräutigam einen schwarzen Anzug. Foto: Faber
Hochzeitsmode heute: Die Braut trägt ein weißes Kleid, der Bräutigam einen schwarzen Anzug. Foto: Faber Foto: Faber

Zum Thema:

Auf einen BlickAm Internationalen Museumstag, diesen Sonntag, 17. Mai, haben im St. Wendeler Land neben dem Museum für Mode und Tracht folgende Museen in der Zeit von 13 bis 18 Uhr geöffnet: Mineralienmuseum Freisen, Mineralogisches Museum Oberkirchen und das Landwirtschaftsmuseum in Reitscheid. him