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Gemeinschaftsschule Türkismühle ist nun Fairtrade-School

Auszeichnung : Schule engagiert sich für fairen Handel

Türkismühler Schüler beschäftigten sich mit Kinderarbeit und Arbeitsbedingungen in der Welt.

Primus in Sachen Fairer Handel im Landkreis St. Wendel: Die Gemeinschaftsschule (GMS) Nohfelden-Türkismühle hat als erste Schule die Auszeichnung „Fairtrade-School“ erhalten. „Die Schule hat ihr Ziel erreicht und ein außergewöhnlich gutes Programm auf die Beine gestellt“, lobt Winnie Kangwana Mbindyo von Fairtrade Deutschland. Den Weg und die Intention der Gemeinschaftsschule zur Fairtrade-Schule erläutert GMS-Projektleiterin Ramona Haubert den Gästen während der Auszeichnungsfeier: „Wir wollen eine Präsenz und somit Selbstverständlichkeit vermitteln, dass das Konsumverhalten jedes Einzelnen an unserer Schule zu einer Reflexion darüber gelangt, was ich kaufe, woher die Produkte stammen und worauf ich achten sollte.“

Nicht nur Fairer Handel wurde im Unterricht behandelt, auch mit weltweit vorherrschenden Arbeitsbedingungen sowie den Rechten der Kinder haben sich die Schüler beschäftigt. „Die Kinderarbeit beim Kakaoanbau ist sehr schlimm“, kritisiert Mason aus der Klasse 8a. Sein Klassenkamerad Fynn ergänzt: „Die Kinder werden ausgebeutet und bekommen fast kein Geld für ihre Arbeit.“ Dagegen, so fordert Mason, sollten sich viel mehr Menschen auf der Welt engagieren, damit die Kinderarbeit endlich aufhört.

Schulleiterin Monika Greschuchna freut sich über die sozial-kritische Einstellung der Schüler. „Vor zwei Jahren haben wir mit dem Projekt begonnen und das Thema Fairtrade in den Unterricht miteinbezogen“. Auch in der Cafeteria ist das Angebot mit verfügbaren Lebensmitteln aus fairen Handel teilweise umgestellt worden. „Leider gibt es dafür bislang nur ein eingeschränktes Angebot an Fairtrade-Produkten, die wir anbieten können“, berichtet die Schulleiterin.

Wie in Türkismühle das Thema in den Schulalltag integriert worden ist, präsentieren die Schüler rückblickend mit einer Dokumentation an verschiedenen Stationen. Da geht es um die Ernte von Baumwolle und Kakao, das Essen oder kulturelle Aspekte. „Dadurch haben die Schüler die Lebensbedingungen von Gleichaltrigen auf der Welt direkt kennengelernt. Sie sind für das Konsumverhalten hierzulande sensibilisiert worden und haben die globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen direkt umsetzen können“, meint Kangwana Mbindyo.

Michelle und Lars (beide Klasse 8d) haben an ihrer Informationsstation noch genügend zu tun. Sie bemalen Turnbeutel aus Baumwolle. Logos von Mega-Sportartikelherstellern, die in sogenannten Billigländern produzieren lassen, kommen als Motiv auf ihren Beuteln nicht infrage. Die Lehrer-Schülerband stellt die unfaire Handyproduktion an den Pranger. „Scheiß Produktionsbedingungen, die Leute kriegen kein Geld. Fairtrade ist unser Held“, lautet der Refrain. Der „Fairtrade Blues“ bringt den Einsatz und das Engagement der Gemeinschaftsschule musikalisch auf den Punkt.

Lars (links) und Michelle bemalen die Turnbeutel aus Baumwolle.  Daraus könnte eine Geschäftsidee werden. Foto: Frank Faber

Mit dem Rückenwind der Auszeichnung als „Fairtrade School“ soll die Kampagne an der Bildungseinrichtung weitergehen. Lehrer Jörg Friedrich hat vor, eine Schülerfirma zu gründen. Das Unternehmen soll ein neues Schullogo entwerfen, welches bedruckte T-Shirts, Kapuzenpullis oder Turnbeutel schmückt, die dann zum Verkauf angeboten werden können und womit fairer Handel betreiben werden kann. Laut Kangwana Mbindyo seien das St. Wendeler Cusanus-Gymnasium sowie die Dr.-Walter-Bruch-Schule ebenfalls auf dem Weg zu einer „Fairtrade-School“.