Gemeinschaft ist Trumpf

Eiweiler. Es gibt kein Geschäft und keine Bankfiliale mehr, nur noch eine Gaststätte. Der Durchgangsverkehr ist minimal. Die Buslinien machen meist einen großen Bogen um den idyllisch gelegenen Ort. "Vielleicht ist es gerade diese Situation, die uns hier in Eiweiler zusammenhält", glaubt Herbert Backes

Eiweiler. Es gibt kein Geschäft und keine Bankfiliale mehr, nur noch eine Gaststätte. Der Durchgangsverkehr ist minimal. Die Buslinien machen meist einen großen Bogen um den idyllisch gelegenen Ort. "Vielleicht ist es gerade diese Situation, die uns hier in Eiweiler zusammenhält", glaubt Herbert Backes. "Ich jedenfalls lebe gerne hier, bin meinem Dorf verbunden und freue mich an der schönen Landschaft, die man so nur ganz selten findet." Eine Gruppe fleißiger Bürger sitzt im Sportlerheim zusammen, um sich über die gut funktionierende Dorfgemeinschaft zu unterhalten. Herbert Backes ist einer von ihnen.Woran erkennt man eigentlich, dass ein Dorf zusammenhält, einer für den anderen da ist und die Ohren offen hat, wenn er gerufen wird? Ortsvorsteher Hans-Peter Haupenthal bringt ein Beispiel: "Den Dorfplatz konnten wir nur deshalb renovieren und erneuern, weil sich eine Gruppe von Bürgern für den Arbeitseinsatz gemeldet hat. Dieser Einsatz war auch die Voraussetzung dafür, dass wir vom Ministerium mit 3000 Euro für das Material unterstützt wurden." Der so genannte "Tatort Dorfmitte" hat bewirkt, dass das hölzerne Bushäuschen durch ein Glashäuschen ersetzt und der Platz zu einem Kommunikationszentrum mit Sitzgruppe und Blumenbeeten umgestaltet werden konnte. Christoph Backes, Chef der Eiweiler Feuerwehr, bringt ein anderes Beispiel. "Wir haben uns ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut, alle Arbeiten mit eigenen Leuten bewältigt. Der Sportverein half mit oder auch ganz normale Bürger aus dem Dorf. Immer waren Leute bereit, zu helfen. 6300 Arbeitsstunden kamen zusammen." Ähnliche Erfahrungen hat Klaus Finkler, der Vorsitzende der Sportfreunde, gemacht. "In 5000 Stunden haben wir drei Jahre lang daran gearbeitet, aus unserem 30 Jahre alten Hartplatz einen Rasenplatz mit schönem Umfeld zu machen", erzählt Finkler. "Um das Projekt, zu dem uns das Geld fehlte, mitzufinanzieren, gaben uns Mitglieder Privatdarlehen. Die Dorfvereine spendeten uns 5000 Euro, eine große Gruppe von Pensionären war fast täglich da, um zu arbeiten. Ich fand dieses Engagement überwältigend." Ortsvorsteher Haupenthal ergänzt: "Die Eiweiler helfen dauerhaft; was sie angefangen haben, führen sie auch zu Ende. Das ist eine ihrer Stärken." Das hat der Ortschef auch bei den Lohheckentagen bemerkt. "Man muss die Leute aber direkt ansprechen, dann gibt es auch überall offene Türen." 620 Einwohner, 13 Vereine und Gruppen, Kirche, Sportfeld, Kommunikationsplatz, Spielgelände, Wanderwege und eine Dorfgemeinschaft, die wie Pech und Schwefel zusammenhält. Zwar werden Schule, Bank, Geschäfte und Bus ab und an vermisst. Aber sie sind offenbar nicht so sehr entscheidend für das gute Leben in Eiweiler. Das Positive überwiegt eben. gtr

Mehr von Saarbrücker Zeitung