Geheimnisse nicht preisgegeben

Schlummern noch Kampfmittel im Untergrund des Türkismühler Bahnhofsumfeldes? Das hat ein Experte jetzt vor Beginn des ersten Bauabschnittes zur Neugestaltung des Bahnhofsgeländes untersucht. Bomben hat er direkt keine gefunden, aber viele Hinweise auf Störungen im Boden. So werden die Munitions-Experten die Ausschachtarbeiten weiter begleiten.

Peter Schmeier hat einen außergewöhnlichen Job. Er ist Feuerwerker beim Unternehmen Terrasond Kampfmittelräumung aus Günzburg. Diese Woche war er in Türkismühle unterwegs. Im Umfeld des Bahnhofes. Dieses Gelände wird mit Millionenaufwand neu gestaltet (wie berichtet). Allerdings können noch Gefahren im Untergrund lauern. Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg.

Akribisch suchte deshalb Schmeier mit einem Magnetometer eine Fläche links des Bahnhofsgebäudes in Türkismühle nach Kampfmitteln ab. Im Zweiten Weltkrieg war Türkismühle 52 Mal das Ziel von Luftangriffen. Schmeiers Hightech-Arbeitsgerät, ein Magnetometer mit vier Sondenstäben, misst das Magnetfeld der Erde. Magnetische oder eisenhaltige Objekte sorgen für eine Störung im Messfeld. Je nach Größe der Unebenheit kann der Experte dann abschätzen, ob es sich bei dem Fund um einen Blindgänger handeln könnte.

Schmeier bekam bei seiner Arbeit Besuch und Unterstützung. Horst Porschen und Rolf Auriga von den örtlichen Heimatfreunden hatten alte Luftbildaufnahmen mitgebracht und zeigten dem Experten darauf, wo im Weltkrieg die Bomben eingeschlagen sind. "An dieser Stelle war früher die Drehscheibe, hier liegen sicher viele Eisenteile im Boden", erklärte Auriga, dessen Vater Hugo einst Bahnmeister in Türkismühle war.

Zu diesem Zeitpunkt hat Schmeiers computergestützte Flächenaufzeichnung schon ergeben: "So wie es aussieht, ist die ganze Fläche belastet, ob nun ein Blindgänger im Boden liegt, lässt sich nicht bestimmen", so sein Zwischenfazit. Ab einer Tiefe von 2,5 Metern würden sich Form und Objekt nicht mehr ableiten lassen. Die beiden Heimatforscher teilten ihm mit, dass der größte Bombenteppich seinerzeit direkt neben dem Bahnhofsgebäude eingeschlagen war. "Nach der Landung der amerikanischen Streitkräfte gab es tägliche Angriffe mit Bordwaffen", ergänzte Auriga. Die endgültige Stellungnahme von Feuerwerker Schmeier nach Sondierung der Fläche deckt sich mit seinem Zwischenfazit: Die Gesamtfläche ist belastet. Was bedeutet die Bodenanalyse für den Bau des Parkplatzes am Türkismühler Bahnhof? Andreas Rink von der Gemeinde Nohfelden sagt dazu: "Am Dienstag beginnen wir mit dem ersten Bauabschnitt, dann wird die Decke abgefräst, was problemlos geht". Für die dann folgenden Ausschachtarbeiten wird es eine Baubegleitung durch die Experten zur Sicherstellung der Kampfmittelfreiheit geben.

 Der Bahnhof in Türkismühle um 1935. Foto: Heimatfreunde
Der Bahnhof in Türkismühle um 1935. Foto: Heimatfreunde Foto: Heimatfreunde

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HintergrundAus der Türkismühler Dorfchronik: Die Ortschronik des Heimatvereins bemerkt, Türkismühle sei wegen der "strategisch wichtigen Bedeutung der Bahn" ein bevorzugtes Ziel bei 52 alliierten Luftangriffen gewesen. Nach der Literatur der Heimatkundler fielen die Bomben auf Türkismühle , weil man beim Angriff auf Saarbrücker Ziele einige verfehlt hatte, und die Bomben loswerden musste. Da kam der Bahnknoten gerade recht. Die alliierte Frühjahrsoffensive 1945 verschonte Türkismühle nicht. Der Ort hatte über 52 Luftangriffe zu verzeichnen und erlebte am 22. Februar 1945 seinen schwärzesten Tag. Über 40 Menschen fielen den Luftangriffen zum Opfer. Etwa 75 Prozent der Häuser wurden völlig zerstört, darunter das Hotel zur Post und das Gasthaus Schulze. Der Bahnhof samt dem Empfangsgebäude wurde ebenfalls getroffen. Quelle: Heimatfreunde Türkismühle , Ausgabe 1/2011. frf