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Gedenken an Nazi-Opfer in Lauterbach

Gedenken an Nazi-Opfer in Lauterbach

Seit Freitag erinnern in Völklingen zwei weitere Stolpersteine an Opfer des Nazi-Terrors. Am 19. August sollen sieben weitere Stolpersteine und eine Stolperschwelle vor dem Weltkulturerbe hinzukommen.

Seit Freitag erinnern in Lauterbach zwei weitere Stolpersteine an Opfer des Nazi-Terrors. Bisher hatte das Völklinger Aktionsbündnis bereits 17 solcher Gedenksteine im Stadtgebiet verlegt. "Hier wohnte Andreas Closen", steht auf der Messingtafel vor dem Anwesen in der Köhlerstraße 7. Aktionsbündnismitglied Hubert Kesternich berichtete den etwa 40 Zuhörern von der Leidensgeschichte des Lauterbacher Bergmanns.

Closen war 1938 als so genannter Rädelsführer beim Grenzgängerstreik verhaftet und im Gefängnis Lerchesflur zu Tode gefoltert worden. Der Grenzgängerstreik richtete sich gegen eine Verordnung der Nationalsozialisten, die die Bergleute zwang, ihren Lohn in Deutschland statt in Frankreich umzuwechseln. Für die Arbeiter war dies mit Einbußen von 30 Prozent verbunden. Andreas Closen, so die Mitteilung an seine Witwe, sei im Krankenhaus an einer Lungenembolie gestorben. Freunde glaubten der offiziellen Todesursache nicht. Sie öffneten den Sarg und fanden einen bis zur Unkenntlichkeit zerschlagenen und völlig abgemagerten Körper.

Auch Anton Detemple wurde misshandelt. An den Kraftfahrer und Monteur erinnert nun ein Gedenkstein in der Hauptstraße 293a. Martin Dietz vom Aktionsbündnis würdigte das Terror-Opfer. Detemple kam wegen angeblichen Landesverrats in die Konzentrationslager Dachau und Flossenbürg. Ihm wurde vorgeworfen, Juden zur Flucht verholfen und sich im Abstimmungswahlkampf 1935 für den Status quo eingesetzt zu haben. Während eines Verhörs wurden ihm zwei Backenzähne ausgeschlagen, bei den Zählappellen im KZ musste er im Winter bis zu zwölf Stunden stehen. Durch die Haft verlor Detemple 40 Kilo Körpergewicht. Er überlebte mit schweren Folgeschäden und starb 1981.

Peter Comtesse vom Aktionsbündnis zementierte die beiden Steine im Boden. Mitarbeiter der Stadt hatten die Löcher ausgehoben. Die Stolpersteine wurden wieder aus Spendengeldern finanziert. Bevor die Veranstaltung mit einem Treffen im Glas- und Heimatmuseum Ludweiler ausklang, kündigte Bündnis-Sprecherin Caroline Conrad die nächste Aktion an. Am 19. August werden in Völklinger Stadtteilen sieben weitere Stolpersteine vor den letzten Wohnsitzen von Nazi-Opfern verlegt. Hinzu kommt eine Stolperschwelle, die vor dem Hautpeingang des Weltkulturerbes an die Zwangsarbeiter der damaligen Röchling'schen Eisen- und Stahlwerke erinnert.