Foto Hiegel, 2. Text und KommentarHeim mit rustikalem CharmeWohnen in der Innenstadt ist attraktiv

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Neunkirchen. Es ist schon etwas Besonderes, im vermutlich ältesten Haus Neunkirchens zu wohnen. Bei jedem Schritt auf der Original-Stiege, die zum Dachgeschoss führt, und bei jedem Blick auf die frei gelegten Holzbohlen in den Zimmern wird man daran erinnert: Dieses Haus in der Heizengasse 7 wurde im Jahr 1774 gebaut. Das Datum ist im Schluss-Stein im Türbogen verewigt

Neunkirchen. Es ist schon etwas Besonderes, im vermutlich ältesten Haus Neunkirchens zu wohnen. Bei jedem Schritt auf der Original-Stiege, die zum Dachgeschoss führt, und bei jedem Blick auf die frei gelegten Holzbohlen in den Zimmern wird man daran erinnert: Dieses Haus in der Heizengasse 7 wurde im Jahr 1774 gebaut. Das Datum ist im Schluss-Stein im Türbogen verewigt.Hier heißt uns Traudel Reus-Trapp willkommen, die mit ihrem Mann Wolfgang Reus im Jahr 2002 von Wellesweiler in die Innenstadt von Neunkirchen gezogen ist. Und es nicht bereut hat, im Gegenteil. "Wir waren verblüfft, dass es in Wellesweiler deutlich lauter war als hier", sagt die 62-Jährige, die auch die "sehr günstige Lage" des gemieteten Hauses zu schätzen weiß. Ob zum Einkaufen, zu Ärzten oder Behörden; das meiste kann zu Fuß erledigt werden. Vom Schlafzimmer in der ersten Etage und dem Arbeitszimmer im Dachgeschoss, das sich Wolfgang Reus mit selbst geknüpften Teppichen und Holz-Schiffen Marke Eigenbau gemütlich eingerichtet hat, hat man einen atemberaubenden Blick über die Dächer Neunkirchens bis hin nach Wiebelskirchen. Vor allem aber der unverwechselbare Charme des alten Hauses hat es dem Ehepaar angetan. Es sei nicht gleichförmig, wie es neue Häuser häufig seien. Es biete Überraschendes, strahle durch seine Geschichte etwas Besonderes aus. Das empfinden auch die Gäste und Besucher so. "Da nimmt man auch die Macken in Kauf, die so ein altes Haus zwangsläufig hat", meint Traudel Reus-Trapp mit einem Lächeln. Saubermachen ist in einem Neubau, wo es weniger Ecken und Winkel gibt, sicher einfacher. Und bis das alte Haus in seinem jetzigen, anheimelnden Zustand glänzte, musste der Besitzer einiges investieren. Belohnt wurden die heutigen Mieter mit einem unverwechselbaren Wohngefühl, das Traudel Reus-Trapp durch die völlige Neugestaltung des Gartens hinterm Haus noch gesteigert hat. Es war eines der ersten Projekte, die sie nach dem Einzug in Angriff nahm, denn es lag ihr besonders am Herzen. Ein alter, hässlicher Schuppen musste weg, unzählige Pflanzen versetzt und der Boden erneuert werden. "Jetzt können wir dort sehr schön feiern", erzählt sie, und zeigt Fotos einer fast südländisch anmutenden, kleinen Gesellschaft, die den Neunkircher Sommer im Schatten der alten Weide genießt. Toscana-Feeling mitten in der Stadt.Hier lässt es sich gut leben, und was es im Umfeld zu verbessern gibt, will die 62-Jährige nicht länger anderen überlassen. Seit vergangenem Jahr ist sie in der Bürgerinitiative für die Mittelstadt aktiv. Mitstreiter sind hier übrigens immer willkommen!Neunkirchen. Die Zeiten, in denen großzügig dimensionierte Neubausiedlungen "auf der grünen Wiese" geplant und gebaut wurden, scheinen größtenteils vorbei. Der demografische Wandel zwingt zu einem Umdenken, denn eine wachsende Zahl an Wohnungen und Häusern in den Dorfkernen und Stadtzentren steht leer. Das Wohnen in der City soll und wird für eine ältere Bevölkerung an Bedeutung gewinnen. Eine gute Infrastruktur, kurze Wege zu Arzt, Behörde, Einkaufs- oder Kulturzentrum - das sind die Vorteile des Wohnens in der Stadt. Die Stadt Neunkirchen ist eine der Kommunen, die sich von Neubaugebieten verabschiedet hat und sich der Stärkung der Innenstadt widmet. Angewiesen ist sie dabei auf die Mithilfe von Hausbesitzern, aber auch von engagierten Mietern, die alten Wohnraum modernisieren und attraktiver machen. Auf Dauer soll das Image der Innenstadt als Wohnort verbessert und aufgewertet werden. So stellt es sich Bürgermeister Jürgen Fried (Foto: SZ) vor, der im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung auf einige Beispiele gelungener Sanierung sowohl in der Innen- als auch in der Außengestaltung hinwies. Eine neue SZ-Serie wird nun einige Beispiele vorstellen, die zeigen, dass es sich lohnt, in der Neunkircher Innenstadt zu leben. "Einen solchen Ansatz haben wir beispielsweise in der Goethestraße, wo die GSG Häuser umfassend saniert hat." Aber auch Privatinitiativen gibt es viele. In Zusammenarbeit mit Stadtteilmanager Wolfgang Hrasky, der die Kontakte hergestellt hat, wird die Serie "Modernes Leben in alten Mauern" beispielhaft einzelne Anwesen, Wohnungen und Häuser vorstellen, die Vorbildcharakter für Neunkirchen haben. Sie könnten Ansporn sein für viele, die gern in der Innenstadt wohnen und es noch lieber täten, wenn Gleichgesinnte Tür an Tür mit ihnen lebten. hek "Da nimmt man auch die Macken in Kauf, die so ein altes Haus zwangsläufig hat."Traudel Reus-TrappMeinung

Zurück in die City

Von SZ-RedakteurinHeike Jungmann Ein nach den eigenen Vorstellungen neu gebautes Haus mit modernem Komfort, einem großem Garten und geräumigen Zimmern ist für viele junge Familien immer noch der ultimative Lebenstraum. Allerdings haben sich die meisten saarländischen Kommunen von der weiteren Zersiedelung verabschiedet und planen keine weiteren Neubaugebiete mehr. Die demografische Entwicklung zwingt sowohl die Planer als auch Bürger zu einem Umdenken. Es wäre katastrophal für die Städte und Dorfkerne, wenn Wohnungen und Häuser jahrelang leer stehen und verkommen würden. Hier sind die Hausbesitzer gefordert, ihre Wohnungen für Mieter attraktiver zu machen. Ein kleiner Tipp: Seit Januar sind Handwerkerleistungen in größerem Umfang als bisher von der Steuer absetzbar.Hier sind aber auch die Kommunen gefordert, die die Infrastruktur stärken müssen. Wenn es Defizite gibt wie etwa bei der Versorgung mit Lebensmitteln muss zeitnah gegengesteuert werden. Damit Wohnen in der Stadt wieder modern wird.