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Förster Konrad Funk über Wildunfälle im Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Geschwindigkeit oft Ursache : Wildunfälle im Nationalpark häufen sich

Diese Entwicklung bereitet Nationalpark-Förster Konrad Funk Sorgen. In einem Gastbeitrag erklärt er das Verhalten der Tiere und gibt Tipps, wie sich Autofahrer nach dem Zusammmenstoß mit Wild verhalten sollten.

Ein dumpfer Knall, Glas und Plastik zerbersten, Blech verbiegt sich, Knochen splittern. Im Gegenlicht von Autoscheinwerfern poltert eine gekrümmte Wildtiergestalt über die Böschungskante und verschwindet im Dunkel des Waldes. Wildunfall – und zwar im Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

Über die Feiertage, Weihnachten und Silvester, haben sich noch mehr solcher Unfälle ereignet, als sowieso schon passieren. Möglicherweise kam zu den üblichen Wildwechseln noch das Streusalz hinzu, das die salzhungrigen Tiere auf die Straßen gelockt hat.

Im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, auf der Halbinsel Darß, gibt es durchgehend eine Geschwindigkeitsbegrenzung von Tempo 80. Im Gebiet des Nationalparks Hunsrück-Hochwald gibt es so etwas nicht. Und nicht selten rasen Autofahrer sogar mit weit überhöhter Geschwindigkeit über Kreisstraßen, wie die kerzengraden K 49 zwischen Hüttgeswasen und Thranenweier. An diesen Punkten kracht es immer wieder.

Doch bei Wildunfällen geht es nicht nur um die Tiere – auch Menschenleben sind gefährdet. Etwa wenn der Fahrer das Auto in den Graben oder an einen Baum lenkt, oder wenn das Tier zu groß und die Geschwindigkeit deutlich zu hoch war. Dann geht es um mehr als nur eine kaputte Stoßstange.

Bei Tempo 60 hat ein durchschnittliches Wildschwein das Aufprallgewicht eines Nashorns. Bei Tempo 80 statt 100 verkürzt sich der Bremsweg bereits um 35 Meter. Jedes sechste Reh wird nicht von einem Jäger, sondern von einem Auto erlegt. In Rheinland Pfalz sterben jährlich 5500 Wildtiere auf der Straße.

Wildunfälle sind alltäglich. Sie können jedem passieren, sie werden nicht bewusst verursacht. Es sei denn, jemand rast wissentlich über Straßen, an denen er schon Wild beobachtet hat oder an denen entsprechenden Warnschilder stehen. Im Nationalpark muss man auf allen Straßen immer mit Wild rechnen.

Wildtiere, insbesondere Reh, Wildschwein und Hirsch, bewegen sich nicht einfach kreuz und quer im Wald, sie benutzen sogenannte Wechsel, Wildwechsel. Diese führen von den Einständen (Dickungen), in denen das Wild meist den Tag verbringt, zu den Plätzen, wo es etwas zu futtern gibt. Dies können im Frühjahr die endlich wieder saftigen Wiesen sein, im Herbst und Winter sind es Brombeerschläge oder Baumbestände mit Eicheln und Bucheckern. Es gibt Tag-Nacht-Hin- und Rückwanderungen sowie Dämmerungswanderungen.

Während Rehwild sehr konstante Territorien hat und sich meist nur dort bewegt, kann es sein, dass unsere Wildschweine schon einmal etwas weiter ausholen und den Weinbergen im Moseltal einen Besuch abstatten. „Spätlese“ nennt man so etwas. Dann sind die hiesigen Wildschweine für einige Tage unterwegs, kommen irgendwann aber auch wieder zurück.

Es gibt auch Fluchtwechsel, bei Gefahr, wenn das Wild hangparallel aufwärts zieht und Höhe und Überblick bei einer Störung gewinnen will. Und es gibt beispielsweise beim Rotwild die sogenannten Fernwechsel zwischen großen Waldgebieten innerhalb Deutschlands wie dem Hunsrück und dem Pfälzer-Wald, die der Blutauffrischung dienen.

All diese Verhaltensmuster sind angestammt, werden tradiert und sind in Fleisch und Blut so fest verankert, dass Wildtiere unsere Wege – Straßen und Autobahnen –, die wir Menschen einfach so über die vorhandenen Wildwege gelegt haben, nicht wahrnehmen. Ein Dauerkonflikt Mensch-Wildtier ist gegeben.

Auch der König des Waldes, der mächtige Rothirsch, stirbt nicht selten bei der Kollision mit einem Fahrzeug auf offener Straße. Nicht alle angefahrenen Tiere liegen gleich tot im Graben, viele schleppen sich schwerverletzt aus Furcht vor dem Menschen noch davon, verenden fern ab der Straße an den inneren Verletzungen. Oder sie quälen sich, wenn sie nicht gefunden werden, den Rest ihres Lebens auf drei Läufen.

Daher gilt: Bei Wildunfällen unverzüglich die Polizei verständigen. Im Gebiet des Nationalparks sind das die Polizeiinspektionen Birkenfeld, Tel. (0 67 82) 99 10, Hermeskeil,  Tel. (0 65 03) 9 15 10 und der Polizeiposten Nonnweiler, Tel. (0 68 73) 9 19 00. Die Beamten haben eine Übersicht über die zuständigen Revierpächter und das Nationalparkamt.

Das Schild des Nationalparks im Hintergrund, auch hier ereignete sich ein Unfall mit einem Reh. Foto: Konrad Funk

Wichtig ist, möglichst genau zu schildern, was sich wo und wie ereignet hat. Die Straße, Uhrzeit, Ortschaften, Fahrtrichtung, markante Punkte, Markierungen, Wildart, Fluchtrichtung des Wildes und alles, was helfen kann, rasch den Ort auch bei Dunkelheit zu finden. Die Straßen haben Kilometrierungspunkte, sogenannte Kilometersteine, das sind weiße dreieckige Plastikköpfe auf Pfosten, die aus dem Fahrzeug heraus gut eingesehen werden können. Auf diesen befindet sich die Straßenbezeichnung (beispielsweise B 269) und der Kilometerstand mit Kommastelle, der Pfeil zeigt in Richtung der aufsteigenden Stationierung. Wer diese – auch in der Nacht, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen -– ausfindig machen kann, der hilft optimal bei der Auffindung der Unfallstelle. Für Rückfragen soll die Telefonnummer durchgegeben werden, Ein Hundeführer mit ausgebildetem Hund wird sich alsbald auf den Weg machen, um die leidende Kreatur zu erlösen.