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Fingerstiche, Handballenstoß, Hammerschläge, Fußtritte

Fingerstiche, Handballenstoß, Hammerschläge, Fußtritte

Neunkirchen. Im September begann der Kurs. Er bestand aus zwölf Einheiten, die sich wiederum in eine theoretische und elf praktische Einheiten untergliederten. Wir waren 28 Frauen von 16 bis 68 Jahren und mussten uns zuerst mal kennenlernen. Eine Besonderheit stellte eine junge Frau dar, die ein Handicap auf der linken Körperseite hatte

Neunkirchen. Im September begann der Kurs. Er bestand aus zwölf Einheiten, die sich wiederum in eine theoretische und elf praktische Einheiten untergliederten.Wir waren 28 Frauen von 16 bis 68 Jahren und mussten uns zuerst mal kennenlernen. Eine Besonderheit stellte eine junge Frau dar, die ein Handicap auf der linken Körperseite hatte. Sie musste zuerst mal ausprobieren, ob sie solch ein Training durchsteht. Da aber keiner der Teilnehmerinnen Probleme damit hatte, war auch sofort klar, dass die junge Frau dabei blieb. Zuerst stellten wir mal die Ziele am Täter und unsere "Waffen" zusammen, damit wir in den kommenden Wochen damit arbeiten konnten. Woche für Woche galt es, neue Techniken zu erlernen (und natürlich die anderen zu behalten!!!). Deshalb war es unabänderlich, dass wir übten, übten, übten. Fingerstiche, Handballenstoß, Hammerschläge, Fußtritte - all das stürmte auf uns zu und sollte möglichst auch umgesetzt werden. Immer neue Angriffe kamen hinzu, im Stehen und auch im Liegen.

Wir übten Befreiungstechniken, bekamen gezeigt, wie wir mit minimalem Kraftaufwand aus einer Umklammerung raus kommen. Alles in allem eine sehr aufregende Sache für uns. Auch der theoretische Abend mit den Leuten vom Landeskriminalamt war sehr aufschlussreich. Vor allem erstaunte es uns, zu hören, dass in 90 Prozent aller Fälle, in denen sich die Frauen wehrten, der Täter die Flucht ergreift. Bei Frauen, die sich nicht wehrten, konnte der Täter in 80 Prozent der Fälle sein Ziel erreichen. Für uns hieß das also: Es ist nicht unbedingt wichtig, mit welcher Technik ich mich wehre, sondern dass ich mich überhaupt wehre. Auch der Einsatz der eigenen Stimme musste geübt werden. Und wir hatten alle tolle Erfolge damit. Jemanden anzuschreien war noch relativ einfach, viel schwerer war es, zuzuschlagen! Und nicht nur auf die Schlagkissen der Partnerin, sondern mit voller Kraft auf einen Dummy im Vollschutzanzug. Ein freiwilliger Trainer des Polizeisportverein Neunkirchen war in den Vollschutzanzug geschlüpft und übernahm die Rolle des Täters. Das war Adrenalin pur. Aber alle haben diese Einheit geschafft und schließlich einen völlig durchgeschwitzten Trainer zurückgelassen.

Der Trainer bestätigte uns, dass wir uns toll gewehrt hätten und unser Stimmeinsatz wäre klasse und sehr wirkungsvoll gewesen. Jetzt hatten wir nur noch wenige Einheiten zum Üben, die nutzten wir natürlich, damit wir auch die letzte Einheit im dunklen Stadtpark durchstehen würden. Und der letzte Abend kam: Dunkel, kalt, nass, neblig! Ein Tag, an dem frau bestimmt keine Abkürzung durch solch einen dunklen Stadtpark nehmen würde, aber.... wir mussten da durch. Im gesamten Stadtpark waren Trainer in Zivilkleidung, die uns auflauerten und angriffen. Hui, das war eine Aufregung. Aber auch dies schafften alle mit Bravour. Beim Abschlussgespräch mit den "Angreifern" wurde nochmals gesagt, wie gut ein Stimmeinsatz zur Geltung kommt und wie super wir uns gewehrt hätten. Das machte uns natürlich froh und glücklich! Ohne blaue Flecken ging es natürlich nicht ab, aber die hatten wir uns echt "verdient". Ein ganz besonderes "Leckerli" kam von der Frauenbeauftragten der Stadt Neunkirchen, Evelyn Perrin, die diese Kurse seit Jahren bezuschusst. Vielen Dank! Solch einen Kurs würden wir alle wieder besuchen!