Fast alles im grünen Bereich

Kreis Neunkirchen. Eigentlich hätte Dieter Hauter sich ganz gerne aus der ersten Reihe des Kreis-Bauernverbandes zurückgezogen, schließlich hält der alter Fuhrmann dort die Zügel schon viele Jahre lang fest in der Hand

Kreis Neunkirchen. Eigentlich hätte Dieter Hauter sich ganz gerne aus der ersten Reihe des Kreis-Bauernverbandes zurückgezogen, schließlich hält der alter Fuhrmann dort die Zügel schon viele Jahre lang fest in der Hand. Doch keiner der jüngeren Landwirte aus dem Kreis Neunkirchen - rund 30 Höfe werden noch im Haupterwerb bewirtschaftet - wollte den mitlerweile 69-Jährigen als Sprachrohr des Berufsstandes beerben."So mache ich eben noch eine Weile weiter", sagt Hauter im Gespräch mit der SZ und wirkt nicht gerade gequält dabei. Denn er war schon immer einer, der sich vielseitig ehrenamtlich engagiert und eingebracht hat.

Die Bilanz des Erntejahres 2012 ist nach dem recht turbumenten Jahr 2011 recht ordentlich ausgefallen. Probleme gab es beim bereits im vergangenen Herbst ausgebrachten Saatgut (Wintergetreide), das nach dem recht milden Winter durch die Fröste im Februar zu leiden hatte. Teilweise musste mit Sommergetreide nachgesät werden, weil die jungen Pflanzen erfroren beziehungsweise vertrocknet waren.

Die Getreide- und Heuernte konnte wegen der sechswöchigen Schlechtwetter-Periode erst recht spät beendet werden, was Einbuße in der Qualität mit sich brachte. Das Gras war teilweise schon "überständig", was die Viehhalter angesichts der verminderten Energiewerte nicht gerne mögen, weil sie dann vermehr Kraftfutter einsetzen müssen. Aber es kam, anders als im vergangenen Jahr, nicht die Sorge auf, man müsse Heu oder Silage aus anderen Regionen zukaufen. "Vereinzelt steht noch etwas Mais auf den Feldern", so Hauter, aber auch bei dieser Futterpflanze sei alles durchaus im grünen Bereich.

So bezeichnet Hauter das Jahr 2012 als "durchschnittlich", wenn man die Erntejahre ab 2006 in Vergleich setze.

Die Preissituation wertet der Landwirt als positiv. Das Getreide bewege sich mit 20 bis 25 Euro für 100 Kilo (Dezitonne beziehungsweise Doppelzentner) auf einem Kosten deckenden Niveau, vergleichbar mit dem Stand Anfang der 80er Jahre. Zwischendurch sei der Preis auf acht Euro gesunken, was die Betriebe in ihrer Entwicklung gehemmt habe. Auch bei Rind- und Schweinefleisch sieht Dieter Hauter akzeptable Preise. Sorgenkinder bleiben allerdings die Milcherzeuger, die zurzeit mit 27 Cent pro Liter guter Milch abgespeist würden. Man erinnere sich: Im Sommer 2010 waren die Milchbauern auf die Straße gegangen, weil sie wenigstens 40 Cent pro Liter forderten, um vernünftig wirtschaften zu können. Übel dran sind heuer auch die Obstbauern. Die verregnete Blütezeit sorgte für mangelnde Bestäubung. Viele Bäume trugen gar nicht.

Grundsätzlich sieht Hauter die Bauern immer mehr dem Markt ausgeliefert, was nach den Subventions-Zeiten, in denen sich hie und da durchaus eine Abliefer-Mentalität breitgemacht habe, ganz neue Strategien erfordere. Vom Erzeuger zum Unternehmer, der für seinen Betrieb eine zukunftsfähigen Plan entwickelt, verändere sich das Bild des Bauern. Wobei vielerlei Regularien weiterhin den Handlungsspielraum einengen. Beispiel: Legehühner. Während in Deutschland die Kleinkäfige verboten sind, halten sich andere Länder nicht an diese EU-weite Vorschrift und produzieren munter in den alten Ställen weiter.

Ein Lieblingsthema von Dieter Hauter ist auch die - für ihn noch sehr ausbaufähige - Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte. Zum Beweis, wie so etwas bestens funktioniert, hat er der Redaktion einen Erntedank-Korb mitgebracht, den der Harschberger Hof in St. Wendel mit Leckereien vom Hokkaido-Kürbis bis zum Kräuter-Schnaps gefüllt hat. Auf dass es wohl bekomme!