Ex-Rektor holt sich Beistand

Ex-Musikhochschul-Rektor Thomas Duis wurde gestern offiziell informiert, dass gegen ihn disziplinarrechtlich ermittelt wird. Er beauftragte einen Anwalt. Die Staatsanwaltschaft prüft derweil, ob sie den Fall übernimmt.

Pianist Thomas Duis, Ex-Rektor der Hochschule für Musik (HfM) Saar, hat sich anwaltlichen Beistand gesichert. Der St. Ingberter Strafverteidiger Guido Britz meldete sich gestern für seinen Professorenkollegen Duis zu Wort. Sein Mandant sei jetzt offiziell vom Kultusministerium über die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen ihn informiert worden. Britz: "Es ist erstaunlich, dass er darüber zuvor in der Saarbrücker Zeitung lesen konnte." Zu dem Bericht des Rechnungshofes, der Ex-Rektor Duis und Ex-Kanzler Wolfgang Bogler massive Verstöße gegen Haushaltsrecht an der vom Steuerzahler finanzierten Hochschule vorwirft, wollte Britz noch keine Stellungnahme abgeben.

Derweil prüft die Staatsanwaltschaft nach Angaben ihres Sprechers Thomas Reinhardt, ob sie ein Ermittlungsverfahren gegen Duis und Bogler einleitet. Das Kultusministerium hat die Anklagebehörde gestern offiziell über das Disziplinarverfahren gegen den beamteten Hochschullehrer Duis informiert.

Professor Wolfgang Mayer, der 2012 Duis an der HfM als Rektor folgte, teilte per Presseerklärung sein Bedauern darüber mit, dass die SZ "personenbezogene Inhalte" in Zusammenhang mit einer "vertraulichen Prüfmitteilung" des Rechnungshofes veröffentlicht hat. Der Hochschulleitung liege der Rechnungshofbericht seit dem 24. Januar zur Stellungnahme vor. Duis sei, so Mayer, "ein äußerst angesehener Kollege, der sich in seiner Amtszeit als Rektor um die HfM Saar verdient gemacht hat". Zu Ex-Kanzler Wolfgang Bogler, gegen den ebenfalls gravierende Vorwürfe erhoben werden, äußert sich Mayer nicht.

Nach Angaben des Bildungsministeriums hatte die neue Hochschulleitung mit Rektor Mayer und Kanzler Alfred Jost 2012 die Fachaufsicht auf "mögliche Unregelmäßigkeiten in der Haushalts- und Rechnungsführung" aufmerksam gemacht. Das Ministerium habe daraufhin den Rechnungshof um Unterstützung gebeten.

Nach dem Prüfbericht, der unserer Zeitung vorliegt, gibt es für Mayer und Jost viel zu tun. Die Kontrolleure sehen neben den Unregelmäßigkeiten im Umgang mit Steuergeld auch organisatorische Mängel. Zudem fehle eine "für die Qualität der Lehre notwendige Kontinuität und auch Sicherheit für die Studierenden". Der Grund dafür: Professorenstellen werden über längere Zeit nicht besetzt, um mit dem freigewordenen Geld mehr Lehrveranstaltungen durch "schlechter bezahlte Lehrbeauftragte durchführen zu lassen". Im Sommersemester 2013 waren demnach 101 Lehraufträge erteilt worden. Die Prüfer regen bei dieser Gelegenheit an, über eine "Anpassung der Vergütung" für Lehrbeauftragte nachzudenken. Seit 15 Jahren seien diese Honorare nicht mehr erhöht worden.

Hier sehen die Prüfer auch einen Zusammenhang mit "ausufernden Zahlungen" von Reisekosten an 39 Lehrbeauftragte in Höhe von insgesamt 51 664 Euro. Dieser Kostenersatz dürfe nur in Ausnahmefällen und bis zu "absoluten Höchstgrenzen" gezahlt werden. Gegen beide Vorgaben sei "mehrfach verstoßen" worden.