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Er hat ein offenes Ohr für Kritik an kirchlichen Haltungen

Er hat ein offenes Ohr für Kritik an kirchlichen Haltungen

„Die Kirche verschenkt Potenzial, wenn sie beim Zölibat bleibt“, meinte Bischof Karl-Heinz Wiesemann am Samstag beim Jugendforum in der Homburger Johanneums-Aula. Wiesmann hörte sich die Ideen der jungen Leute an.

Mit dem Bischof einmal direkt ins Gespräch zu kommen - dazu hatten Kinder und Jugendliche aus unserer Region am vergangenen Samstag bei einem Jugendforum im Homburger Gymnasium Johanneum Gelegenheit (wir berichteten).

Unter dem Motto "Siehst Du das genauso?" hat die katholische Kirche in Deutschland einen Dialogprozess angestoßen. Im Rahmen von insgesamt vier Jugendforen für Jugendliche von 13 bis 17 Jahren sollen Stimme und Meinung junger Menschen gehört werden. Für die Diözese Speyer hatten Bischof Karl-Heinz Wiesemann zusammen mit dem Katholikenrat und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) zur zweiten Auflage des Jugendforums Jugendliche und junge Erwachsene in die Aula des Gymnasiums Johanneum eingeladen, um mit ihnen über Leben, Glauben und Kirche ins Gespräch zu kommen.

Moderiert wurde die Veranstaltung im Beisein von Andreas Sturm, Leiter der Abteilung Jugendseelsorge und Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, von der Diözesanvorsitzenden Heike Vogt. Leider nutzten nur annähernd 30 Kinder und Jugendliche aus dem Raum Homburg diese Möglichkeit, mit Bischof Wiesemann zu diskutieren und ihm offenherzig, mutig und klar zu erzählen, was ihnen im Leben und in ihrem Glauben wichtig ist und was ihre Wünsche an die Kirche sind. Er wolle hören, welche Themen für junge Menschen derzeit ganz oben stünden und worum sich ihr Leben drehe, so Bischof Wiesemann. Und so fanden die Jugendlichen ein offenes Ohr für ihre Kritik an der kirchlichen Haltung etwa zum Zölibat, dem Priestertum und der Rolle der Frau in der Kirche oder aber auch zur attraktiveren Gestaltung des katholischen Gottesdienstes.

"Die Kirche verschenkt Potenzial, wenn sie beim Zölibat bleibt", meinte Wiesemann. Ziel sei es, "die Priester nicht perfekter, sondern offener zu machen". Er setze sich auch dafür ein, "Frauen mehr in Entscheidungs- und Leitungsebenen zu integrieren", doch gebe es "zu wenig Frauen", so der Bischof. Am Ende des ersten Gesprächskreises zeigte sich Wiesemann positiv überrascht über "die Ernsthaftigkeit der tiefgehenden Diskussion und das große Potenzial an Glaube bei den jugendlichen Diskussionsteilnehmern". Er finde es "toll, wie quer und realistisch diskutiert wird", ermutigte er Jugendliche, "Ideen lebendig einzubringen und produktiv zu sein".

Zu ihnen zählte beim Jugendforum im Johanneum auch Victoria Mayr, seit zwei Jahren Diözesanleiterin der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ)im Bistum Speyer. "Ich wollte wissen, was der Bischof zu verschiedenen, die Jugend betreffenden Themen zu sagen hat und dass wir unserer Meinung eine Stimme geben können", erklärte die Schülerin. Darüber hinaus sei sie froh, dass sich Bischof Wiesemann dafür interessiere, "mit der jungen Generation ins Gespräch zu kommen und dass die Jugend der Kirche nicht egal ist".