1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Nohfelden

Elefantenrückkehr - scheibchenweise

Elefantenrückkehr - scheibchenweise

Neunkirchen. Sozusagen gleich vier Elefanten-Damen werden Anfang nächsten Jahres im Neunkircher Zoo neu zu bewundern sein

Neunkirchen. Sozusagen gleich vier Elefanten-Damen werden Anfang nächsten Jahres im Neunkircher Zoo neu zu bewundern sein. Doch während die einen im besten Elefanten-Alter und rassige Spanierinnen aus Benidorm sind, die vermutlich im Februar zur altersschwachen Judy und zu Kirsty ins Elefantenhaus ziehen, sind die anderen beiden in Neunkirchen wohl bekannt und trotzdem nicht mehr richtig wiederzuerkennen. Samba und Chiana, den Neunkircher Zoo-Besuchern bestens in Erinnerung, werden nämlich als Plastinate in ihre Heimat zurückkehren. Sie werden zurzeit in China im Institut von Gunther von Hagens auf ihren Auftritt vorbereitet.In der zwölften Woche des neuen Jahres vermutlich, sagt Zoodirektor Norbert Fritsch auf Anfrage der SZ, werden sie auf dem eigens hergerichteten Platz ausgestellt werden. Dort, wo später einmal die neue Raubtieranlage hin soll. Gerade hat Fritsch mit dem Institut in Heidelberg telefoniert und die weitere Vorgehensweise festgeklopft. "Ich dränge dort laufend, damit Planung und Organisation in Gang kommen."Drei Monate brauchen von Hagens' Leute in der Regel, um eine Ausstellung vorzubreiten. "Aber die sind auch ein eingespieltes Team. Wir machen das zum ersten Mal" - Fritsch hat das Gefühl, dass die Zeit langsam drängt. Schließlich müsse ja auch baulich eventuell noch das eine oder andere verändert werden. "Die brauchen aber natürlich auch immer den Segen von von Hagens, so wie wir den vom OB", weiß Fritsch sehr wohl, wer das letzte Wort hat. Dennoch: Dass die Plastinate vor oder in den Osterferien ins Saarland und nach Rheinland-Pfalz kommen werden und dann sechs Wochen bleiben, kann wohl als gesichert gelten. Bereits vor einem Jahr war von Hagens Technikleiter vor Ort und hat sich mit der Umgebung vertraut gemacht. Im Frühjahr kam von Hagens spontan selbst. In den nächsten Tagen nun wird der Techniker erneut erwartet. Während Neunkircher Zoo und Heidelberger Institut laut Fritsch "baulich-technisch-organisatorische Dinge klären", gehen die Plastinationen in China ihrem Ende entgegen.Auch eine Giraffe kommtSamba, das nach Mitteilung von Ausstellungsorganisatorin Christiane Cassott vom Institut für Plastination in Heidelberg "bislang größte Lebewesen, das jemals in Gänze anatomisch präpariert und dauerhaft konserviert wurde", wird, so vermutet Fritsch, erst nach Heidelberg gehen, bevor sie nach Neunkirchen kommt. Chiana wird zurzeit gerade in zwei Millimeter dicke, transparente Scheiben plastiniert. Dazu muss sie schockgefroren werden. Zu sehen sein wird in Neunkirchen auf jeden Fall auch eine Giraffe. "Eine ausgewachsene aus einem anderen Zoo", so Fritsch auf die Frage, ob die auch aus dem Neunkircher Zoo stamme. Cassott bestätigt dies mit der Ergänzung: "Die Giraffe aus dem Zoo Neunkirchen befindet sich noch in einem frühen Stadium der Vorbereitung zur Plastination und wird leider nicht zur geplanten Ausstellungszeit im Zoo fertig gestellt sein." Ob noch andere Tiere kommen - in von Hagens' Angebot sind beispielsweise Strauß und Gorilla - wird laut Fritsch in den nächsten Wochen geklärt.

Auf einen BlickIm Frühjahr 2010 wird im Zoo Neunkirchen erstmalig das größte Plastinat der Welt, der Elefant Samba, zu sehen sein.Für das Plastinat von Samba waren etwa drei Tonnen Silikon und 60 000 Arbeitsstunden erforderlich. 30 Mitarbeiter haben daran mitgewirkt. Für ein menschliches Ganzkörperplastinat werden laut Institut für Plastination rund 1500 bis 3000 Stunden benötigt. Das Projekt brauchte spezielle Edelstahlcontainer und eine Vakuumkammer, die groß genug sind, das Präparat aufzunehmen. Fertig misst das Präparat sechs mal 3,5 mal zwei Meter und wiegt mit rund 3,5 Tonnen so viel wie das lebende Tier. Es handelt sich um ein expandiertes Plastinat.Elefant Chiana ist zurzeit im Tiefkühlhaus, wird schockgefroren, um die für die Scheiben-Plastination erforderliche Temperatur von minus 70 Grad Celsius zu erreichen. Sie wird in so genannten Sagital-Scheiben - zwei Millimeter dick - von vorne nach hinten geschnitten gezeigt.Die Giraffe, ein ausgewachsenes Tier, wird ebenfalls als expandiertes Plastinat gezeigt. ji