Einer gegen alle

Am "Tag des Schachs" geht es darum, dass sich der Sport in der Öffentlichkeit präsentiert. Zum dritten Mal hat der SV Schiffweiler einen Großmeister eingeladen, der simultan spielt - diesmal war es Europameister Rainer Buhmann.

Neunkirchen. Ein kurzes Lächeln überfliegt dann doch sein Gesicht. Ohne zu zögern hat er mit dem Springer eröffnet, so wie er es in so vielen Spielen zuvor schon getan hat. Erst als er bereits am nächsten Brett steht, wirft er einen Blick zurück. Ein kleiner Junge sitzt da, vielleicht sieben Jahre alt, mit etwas hilflosem Blick auf das Brett - alleine gelassen mit der Aufgabe, vor die ihn der Großmeister da gestellt hat. Rainer Buhmann lächelt. Ein wenig über diesen hilflosen Augenausdruck, vor allem aber über sich selbst, dass er den Gegner gar nicht wahrgenommen hat. Dass er einfach gespielt hat.Zwei Schritte weiter wartet der nächste Gegner. Vermutlich nimmt er auch ihn nur im Vorbeigehen wahr, einen von insgesamt 18 Gegnern, die sich ihm an diesem betriebsamen Samstagnachmittag vor zehn Tagen im Saarpark-Center in Neunkirchen entgegenstellen.

Eine wirkliche Bedrohung ist selbstverständlich keiner für den Europameister, der Runde um Runde dreht. Selten überlegt er länger als ein paar Augenblicke, ehe er seinen Zug macht. Die Gegner sind bunt gemischt. Von Jugendlichen bis zu einigen Herren jenseits der 60. Nur eines ist auffällig: Eine einzige Frau hat sich zu all den Männern gesellt. "Das ist einfach unser Problem. Wir haben einen zu geringen Frauenanteil beim Schach", sagt Herbert Bastian, Präsident des deutschen Schachbundes.

Nicht nur auf nationaler Ebene ist das ein Problem, sondern auch beim veranstaltenden Schachverein Schiffweiler, der zum deutschlandweiten "Tag des Schachs" nun schon zum dritten Mal einen Großmeister eingeladen hat. "Wir rekrutieren ziemlich viele Jugendliche aus der Schach-AG in Ottweiler. Aber auch bei uns sind es am Ende nur wenige Mädchen", sagt Pressesprecher Rüdiger Clemens. Dennoch ist Clemens zufrieden.

Immer wieder bleiben Menschen stehen, selbst die Geländer im ersten Stock sind belegt. "Daran sieht man die Faszination von Schach. Die Leute halten an und schauen zu. Einige sogar für lange Zeit", erzählt Clemens. Und einige wagen sich sogar an die Bretter. Zuschauen oder sogar selbst einige Züge gegen den Großmeister zu spielen, bedeutet nicht unbedingt, dass auch neue Spieler für die Vereine gewonnen werden. Aber Schach tut diese Öffentlichkeit gut. Darum geht es am "Tag des Schachs" auch, dass der Sport sich der Öffentlichkeit präsentieren kann.

Und so sind auch tatsächlich nicht alle Gegner von Buhmann im Verein. So wie der 15-jährige Robin Zimmer aus Schiffweiler, der nach einer Stunde geschlagen ist: "Ich hatte keine Chance. Aber immerhin habe ich drei Figuren geworfen. Es war beeindruckend, wie schnell er seine Züge gemacht hat." Er ist in guter Gesellschaft. Am Ende des Tages hat Buhmann sämtliche 18 Partien gewonnen.