Eine normale Firma mit besonderen Leuten

Eine normale Firma mit besonderen Leuten

Inklusion, die Einbindung behinderter Menschen in das alltägliche Leben, wird zurzeit viel diskutiert. Dazu zählt auch, dass die Betroffenen arbeiten gehen, soweit sie können. 950 Arbeitsplätze für behinderte Menschen bietet das Werkstattzentrum Spiesen-Elversberg an. Darunter 198 in Urexweiler.

Werner nimmt den Besenkopf aus dem fein säuberlich angeordneten Stapel. Dann spannt er ihn in eine Vorrichtung ein und bohrt ein Loch in den Stilansatz. Anschließend reicht er das Plastikteil an seinen nächsten Kollegen. Der drückt den Spannstift rein und gibt das Teil weiter. Bis es zum Schluss in der Kartonverpackung verschwindet. Konzentriert arbeiten Werner und seine Kollegen Hand in Hand zusammen. Werner ist einer von 198 behinderten Mitarbeitern des Werkes II Urexweiler des Werkstattzentrums für Behinderte der Lebenshilfe Spiesen-Elversberg. Das Werk ist eine so genannte Werkstatt im Sinne des Sozialgesetzbuches, in der geistig behinderte Menschen beschäftigt werden. Eines von insgesamt vier des WZB in Urexweiler, Spiesen-Elversberg und Neunkirchen. Hinzu kommt der Wendelinushof in St. Wendel. Räumlich zuständig ist das WZB, eine Einrichtung der Lebenshilfe, für die Landkreise Neunkirchen und St. Wendel. Insgesamt bietet das Werkstattzentrum Arbeitsplätze für 950 behinderte Menschen und für 400 weitere Mitarbeiter, erklärt Thomas Latz, neben Elmar Schneider einer der beiden Geschäftsführer des WZB.

Werner und seine Kollegen sind mit Eifer bei der Arbeit. Das merkt man beim Rundgang durch die Werkshallen in Urexweiler. "Unsere Mitarbeiter gehen gerne arbeiten, das macht ihnen Spaß", bestätigt Werkleiter Wolfgang Benedix. Dass behinderte Menschen auch arbeiten dürfen, sei wichtig. Benedix: "Teilhabe am normalen Leben, das heißt auch Teilhabe am Schaffen, an der Arbeit." Und weiter: "Wir sind eine ganz normale Firma mit besonderen Leuten." WZB - das etwas andere Unternehmen, habe man sich deshalb auch als Motto ausgesucht. Thomas Latz ergänzt: "Das möglichst hohe Maß an Normalität zu ermöglichen, das betrifft auch den Bereich der Arbeit. Deshalb sind wir optimal aufgestellt, den Inklusionsgedanken zu leben."

In Urexweiler sind die Mitarbeiter unter anderem mit verschiedenen Montagearbeiten beschäftigt. "Wir bekommen von Firmen Teile geliefert, bauen diese zusammen. Dann gehen diese wieder an die Kunden zurück", erklärt Benedix. In anderen Werken des WZB reicht die Spannweite der Arbeiten von der Druckerei über Garten- und Landschaftsbau bis zur Reinraumbekleidung. Hinzu kommt der grüne Zweig auf dem Wendelinushof.

Bevor die Behinderten in einem der verschiedenen Arbeitsfelder eingesetzt werden, machen sie Praktika und eine Ausbildung, werden im Zentrum für Integration und berufliche Bildung auf das Berufsleben vorbereitet.

Was manche Außenstehende nicht wissen, so Latz, die behinderten Menschen sind in den Werken voll sozialversicherungspflichtig beschäftigt, erwerben somit Versorgungs- und Rentenansprüche. Finanziert werden die Werke durch Zuwendungen des Landes und die Umsatzerlöse, die am Markt erwirtschaftet werden.

Die meisten Mitarbeiter werden mit Kleinbussen nach Urexweiler gebracht. Etwa 15 nutzen laut Benedix auch den Öffentlichen Personennahverkehr. Diese Zahl könne man leicht verdoppeln, wenn es denn eine Haltestelle beim Werk gäbe. "Wir hätten gerne eine Buswendeschleife mit Haltestelle beim Werk", sagt Thomas Latz.

Über die Arbeit hinaus ist die Freizeitgestaltung auch Bestandteil der Tätigkeit des WZB. Von Tanzen über Tischtennis bis Kochen reichen da die verschiedenen Angebote.

Auch Schwimmen gehört dazu. Wobei die Mitarbeiter des WZB gerne das Hallenbad in Urexweiler nutzen. Mehrere Gruppen mit insgesamt fast 40 Behinderten besuchen über zwei Wochen verteilt das Bad. "Das ist für uns auch wegen seiner Größe und Überschaubarkeit ideal", so Benedix: "Eine Schließung wäre für uns eine Katastrophe."

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