Eine Brücke in den Ozean der Not

Eine Brücke in den Ozean der Not

27 135 Euro hat die Pfarreiengemeinschaft St. Wendel gesammelt und symbolisch an die Pfarrgemeinde San Gerlando auf der italienischen Insel Lampedusa übergeben. Während des dreitägigen Aufenthalts der Delegation überschlugen sich die Ereignisse, ein Boot mit 271 Flüchtlingen aus Eritrea war angekommen und die Reisegruppe leistete Soforthilfe.

Bei der Spendenübergabe (von links): Thomas Trapp, Don Giorgio Casula, Pfarrer Klaus Leist, Don Mimmo Zambito, Anton Stier und Claudia Riotte.
Ein leckeres Eis: Flüchtlingskinder genießen etwas Normalität.
Ein zerfetztes Boot. Eines von vielen auf dem Schiffsfriedhof. Flüchtlingsboote werden vom Staat offiziell als Beweismittel aufbewahrt.
So idyllisch – die Küste vor Lampedusa. Nur einen Kilometer vom Ufer entfernt, ertranken 336 Menschen am 3. Oktober 2013.

Die St. Wendeler Reisegruppe mit Pastor Klaus Leist, Claudia Riotte, Thomas Trapp und Anton Stier wollte sich eigentlich auf der Insel Lampedusa vor Ort ein Bild machen, wie und wofür der Spendenbetrag des Lampedusa-Projekts (wir berichteten) in Höhe von insgesamt 27 135 Euro eingesetzt werden kann. "Genauer hätten wir das nicht erleben können", bilanzierte Pastor Klaus Leist. Zunächst hatte sich die Gruppe aus der Kreisstadt auf dem örtlichen Friedhof umgeschaut und über die Schicksale der Menschen informiert, die die Flucht aus ihrem Heimatland mit dem Leben bezahlen mussten. Am nächsten Morgen schlug dann Inselpfarrer Don "Mimmo" Domenico plötzlich Alarm: "Kommt schnell, wir müssen zum Hafen, es ist ein Boot mit Flüchtlingen angekommen". So erlebte Anton Stier den morgendlichen Alarm. Thomas Trapp präzisierte die Situation. "Ein Fischer hatte ein Boot mit Maschinenschaden und voll mit Flüchtlingen entdeckt und das der italienischen Küstenwache gemeldet".

Als die St. Wendeler im Hafen eintrafen, saßen dort hungrige und durstige Menschen aus Eritrea. Sofort kümmerten sie sich um die Migranten, packten bei der Notversorgung mit an. "Wir sind direkt mit den Menschen in Berührung gekommen und haben ihnen Essen und Wasser gegeben", schilderte Pastor Leist.

271 Migranten, darunter zwölf Kinder und eine hochschwangere Frau, hatten es geschafft und europäischen Boden unter den Füßen. Für sie eine riesige Erleichterung. "Über 24 Stunden waren sie auf einem Boot, ohne Wasser und Brot oder einer Toilette unterwegs gewesen. Sie hatten nur das dabei, was sie am Körper trugen", so Leist. Sein italienischer Amtskollege ließ umgehend Toilettenpapier besorgen. "Wir haben eine ganz wichtige Erfahrung machen und den armen Menschen, die alles in ihrem Heimatland zurück gelassen haben, in die Augen sehen können", meinte Pastor Leist. Von der Flüchtlingsinsel Lampedusa wurden die Migranten weiter in ein Lager nach Sizilien gebracht.

Das Auffanglager auf Lampedusa, so teilte Trapp mit, stehe unter Militärverwaltung und sei momentan vom italienischen Staat dicht gemacht worden. Vor der Küste seien fünf Schiffe der Marine unterwegs, um die Flüchtlinge abzufangen und sie nach Sizilien zu bringen. "Es ist eine explosive Situation", umschrieb Leist. Bei der Besichtigung des Lagers durften sie sich bis zum Zaun des militärischen Sicherheitsbereiches nähern. "Don Mimmo hat einen guten Kontakt zum Kommandanten, dadurch wird der Ausgang der Migranten zur Pfarrei wohlwollend geduldet", erklärte Leist. Beim Inselpfarrer bestünde die Möglichkeit für sie, ein Telefonat in die Heimat zu führen. "Es ist doch die menschliche Notwendigkeit, damit sie zu Hause anrufen können und sagen können, sie haben die lebensgefährliche Überfahrt geschafft", sagte Leist.

Eine Brücke geschlagen

Mit der Maßgabe, den Flüchtlingen vor Ort zu helfen, hat die Delegation symbolisch den Scheck von 27 135 Euro dem Inselpfarrer übergeben. "Wir haben genau das Richtige getan. Wir haben den Spendenbetrag dort abgeliefert, wo er optimal eingesetzt wird", betonte Pastor Leist. Von der Pfarrei Gerlando sollen Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel und Telefonkarten für die Migranten gekauft werden. "Wir haben das volle Vertrauen in die Pfarrei San Gerlando und wissen, mit unserer Spende wird sehr sorgsam umgegangen", stellte der Pastor klar. Zwischen St. Wendel und Lampedusa sei eine Brücke aus dem hiesigen Wohlstand in den Ozean der Not geschlagen worden. "Was wir gemacht haben, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein", resümierte Leist. Ein Gegenbesuch der italienischen Kirchengemeinde in St. Wendel ist angedacht.

Am Donnerstag, 8. Juli, um 19.30 Uhr, lädt die Reisegruppe um Pastor Klaus Leist alle Bürger zu einer Dokumentation der Lampedusa-Reise ins Cusanushaus ein. Der Kirchenmann, Claudia Riotte, Thomas Trapp und Anton Stier, werden ihre Eindrücke der Reise schildern. Dazu werden ein Video und viele Fotos gezeigt.

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