1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Nohfelden

Eine Brise Britisch von der Bühne

Eine Brise Britisch von der Bühne

Das White Horse Theatre hat in der Gemeinschafts schule Nohfelden- Türkismühle Stücke in englischer Sprache aufgeführt.

Das englischsprachige White Horse Theatre hat einen Zwischenstopp an der Gemeinschaftsschule Nohfelden-Türkismühle gemacht, was mittlerweile fast schon Tradition ist, wie die Schulverwaltung mitteilt. Das Theater verfolge das Konzept, mit jährlich wechselnden Stücken Schulen zu besuchen und den Schülern damit nicht nur eine authentische Begegnung mit der englischen Sprache, sondern darüber hinaus ein lebendiges und - je nach Stück- vergnügliches oder nachdenkliches Theatererlebnis zu verschaffen. So spielte auch in diesem Jahr eine kleine Gruppe von jungen englischen Schauspielern insgesamt drei Stücke jeweils für die Unter-, Mittel- und Oberstufe.

Lustig, dynamisch und sehr bewegt ging es in "Silver Jane" für die jüngeren Schüler zu. Erzählt wurde die Geschichte einer Superheldin, die fliegen, Kinder vor Mobbing retten und Bankräuber überführen kann. Doch um das Universum vor der Zerstörung zu retten, war sie auf die Hilfe des begeisterten Publikums angewiesen.

Dem schwierigen Thema Essstörung widmete sich das Stück "Food for Thought" für die Mittelstufe: Die junge Samantha durchläuft alle Stadien der Magersucht. Dabei entfremdet sie sich von ihren Eltern und ihrem Freund. Sie fühlt sich hin- und hergerissen zwischen ihren sich sorgenden Eltern, die sie auffordern, mehr zu essen, und ihren inneren Stimmen, die sie unentwegt bedrängen, weiter abzunehmen. Schließlich erkennt Sam die Gefahren für ihre Gesundheit und beginnt, um ihr Leben zu kämpfen. Doch das Stück lässt keine Zweifel darüber, dass es ein langwieriger und qualvoller Weg zurück ins Leben sein wird, und am Ende bleibt offen, ob sie es schaffen wird.

Das Thema Schlankheits- und Schönheitswahn wurde in dem viel diskutierten Stück "Fat Pig" für die Oberstufe weitergeführt. Der bekannte amerikanische Autor Neil LaBute setzt sich darin mit der gesellschaftlichen Besessenheit von Äußerlichkeiten und der daraus resultierenden Oberflächlichkeit sehr kritisch auseinander.

Als "Fettes Schwein" war das Stück schon mehrfach auf deutschen Bühnen zu sehen. Der englische Originaltitel klingt nicht weniger beleidigend und provokant. Und provozieren und zum Nachdenken anregen will denn auch Neil LaButes preisgekrönte Komödie. Er analysiert darin messerscharf, wie sehr sich viele moderne Menschen von Äußerlichkeiten leiten lassen: Tom verliebt sich in Helen. Sie ist intelligent und charmant, aber sehr sehr dick. Während Helen zu ihren üppigen Formen steht, ahnt Tom, wie seine Umgebung reagieren wird und verheimlicht seine Beziehung vor seiner Yuppie-Clique. Als sein Kollege Carter dann doch erfährt, dass Tom sich mit einer XXL-Schönheit eingelassen hat, fällt er aus allen Wolken und spart nicht mit Häme. Auch Toms modisch-schlanke Ex-Freundin fühlt sich geradezu persönlich beleidigt von einer Nachfolgerin mit solch ausladenden Kurven. Der Druck der Umgebung wird zunehmend größer, Tom lässt sich von ihrem Gespött immer mehr verunsichern, und am Ende fehlt es ihm an Rückgrat und Mut, sich von den Zwängen zu befreien und sich ganz offen zu Helen zu bekennen. Am Schluss trennen sich die beiden.

Das Stück ließ die jungen Zuschauer betroffen erkennen, dass diese Liebe in Zeiten des Diätwahns und Waschbrettbauchs eigentlich nie eine reelle Chance hatte.

Zum Thema:

Das White Horse Theatre ist, wie auf deren Homepage nachzulesen ist, ein pädagogisches Tourneetheater, das englischsprachige Theaterstücke an deutschen Schulen aufführt. Inzwischen ist White Horse Theatre zur europaweit größten professionellen Theatergruppe dieser Art geworden. Pro Jahr sehen sich etwa 400 000 Schüler die Aufführungen des Theaters an. White Horse Theatre gastiert hauptsächlich an Gymnasien, Real- und Hauptschulen, aber auch in Kulturhäusern und anderen öffentlichen Einrichtungen und mittlerweile auch an immer mehr Grundschulen. Der Name des Theaters bezieht sich auf das Symbol des weißen Pferdes auf der Flagge der angelsächsischen Einwanderer, die vor 1500 Jahren aus Deutschland nach England kamen. Das weiße Pferd ist das Wappen von Westfalen (wo manche der Einwanderer herkamen und das Theater heute seinen Sitz hat), und gleichzeitig von Kent (wo sich die Einwanderer ansiedelten und wo Theatergründer Peter Griffith geboren wurde). Der Name der Organisation erinnert daher an die Verbindung zwischen Briten und Deutschen.