Ein Schmaus für die Augen

In Scharen strömten die Zuschauer am Samstagnachmittag in die Merziger Innenstadt, um den Umzug zu erleben. Geboten wurde ihnen eine farbenfrohe Schau, allerdings fehlten die Seitenhiebe auf die Politik.

Die Feuerwehr Ballern wünscht sich einen Goldesel, um Merzigs Schulden bezahlen zu können.
Dicht gedrängt standen die Gecken am Samstag beim Umzug in Merzig am Straßenrand. Auf dem Wagen des Humor-Senats feierte – von vielen unerkannt – Bürgermeister Marcus Hoffeld (Bildmitte mit langen Haaren) ausgelassen mit. Fotos: Rolf Ruppenthal.

Reanimation für den Merziger Kinderumzug: Nachdem er infolge schwer umsetzbarer Sicherheits-Vorschriften im vergangenen Jahr zu einem Torso verkommen war, erlebte er an diesem Fastnachtssamstag eine Renaissance. Zwar hielt sich die Teilnahme der Gruppen mit knapp 30 noch im überschaubaren Rahmen. Aber die Zuschauer kamen in Scharen. Und was ihnen beim Umzug in der Innenstadt geboten, war eine närrische Augenweide - Klasse statt Masse!

Kinder - ihnen war vor über 50 Jahren diese närrische Merziger Straßen-Veranstaltung ursprünglich gewidmet - stellten einige der Gruppen, die sich von der Stadthalle am Neuen Rathaus und an St. Peter vorbei wieder durch die Altstadt und zurück zur Stadthalle bewegten. Die Merziger KG Humor, die Traditionsgesellschaft der Fastnacht an der Unteren Saar, war mit Fußgruppen und Prunkwagen vertreten. Auf dem einen grüßte das Kinderprinzenpaar. Auf dem anderen, dem des Senats, winkte neben den Senatoren - von manchen erst beim zweiten Hinsehen erkannt - Bürgermeister Marcus Hoffeld dem Geckenvolk am Straßenrand zu. Die Särkover aus Hilbringen waren dabei, mit beeindruckenden Riesenaufbauten die Fastnachter aus Schwemlingen ebenso. Und Lothar Rauch aus Menningen, seit Jahr und Tag eine Konstante beim Umzug in Merzig. Dazwischen sah man einzelne Gruppen und Vereine, die den Umzug mit Leben erfüllten. Lokalkolorit oder Seitenhiebe auf die große Politik vermisste man weitgehend. Hätte nicht zumindest die Feuerwehr Ballern einen riesigen Goldesel auf einen Prunkwagen gebaut, der wohl benötigt wird, um Merzigs Schulden abzubauen. Zwei herrliche Wagen hatten die Fastnachter aus dem lothringischen Waldwisse nach Merzig gebracht: Eine Gruppe mit dem Thema Fastnacht in Venedig samt Gondel und eine, die den Orient aus "Tausendundeine Nacht" lebendig machte.

Fantasievolle Kostüme und ausgelassene Gruppen machten den fehlenden Biss in Richtung Politik wett. Man mochte sich fast nicht satt sehen an den fröhlichen, bunt gewandeten Teilnehmern. Diese närrischen Farbtupfer ließen manchen Zuschauer geflissentlich darüber hinweg sehen, dass der Alkohol fast so reichlich floss, wie sich Bonbons, Luftschlangen oder Konfetti über die Gucker am Straßenrand ergossen. > Weitere Umzüge: Seiten C 5, C 6