Ein Harmonium als Arbeitslohn

Neunkirchen. Immer wieder stoßen wir bei unserer Kreisrekord-Serie auf besondere Geschichten. Auf der Suche nach dem ältesten Holzblasinstrument, haben wir ein weiteres Instrument gefunden, das über einen ungewöhnlichen Weg zu seinem heutigen Besitzer gekommen ist

Neunkirchen. Immer wieder stoßen wir bei unserer Kreisrekord-Serie auf besondere Geschichten. Auf der Suche nach dem ältesten Holzblasinstrument, haben wir ein weiteres Instrument gefunden, das über einen ungewöhnlichen Weg zu seinem heutigen Besitzer gekommen ist. Günter Korb aus Neunkirchen ist im Besitz eines alten Harmoniums, zumindest glaubt er, dass dieses Instrument ein solches ist: "Ich habe keine Ahnung von Musikinstrumenten. Aber ein Klavier ist es schon mal nicht. Man muss auf einen Blasebalg treten, um mit den Tasten Töne produzieren zu können. Auf dem Deckel steht der Herstellername Brüning & Bongardt." "Wir hatten bis 1990 ein Radio- und Fernsehgeschäft. Wir haben Plattenspieler und Radios verkauft, also alles, was Musik macht", erzählt Günter Korb (74) schmunzelnd. Das vermutliche Harmonium hat seine eigene Geschichte: "Vor 40 Jahren reparierte ich in Wellesweiler einen Fernseher. Die Besitzer waren erst aus Bayern zugezogen und hatten sich finanziell übernommen. Jedenfalls konnten sie die Reparatur nicht bezahlen und haben mir stattdessen dieses Instrument überlassen." Damals sei es schon sehr mitgenommen gewesen. In Bayern stand es in einer alten Privatkapelle auf einem Gehöft. Als diese Kapelle abgerissen wurde, durften Korbs Kunden das Instrument mitnehmen. Und so kam es von Bayern nach Wellesweiler und schließlich nach Neunkirchen zu Günter Korb. "Als ich es Zuhause abladen wollte, hat es den Geist aufgegeben und ist vor meinen Füßen wie ein Kartenhaus in sich zusammengefallen. Jedoch hatte ich das Glück, dass Opa Trumm, der Eigentümer des Hauses, in dem wir zur Miete wohnten, Schreinermeister war", so Günter Korb. Opa Trumm brachte das alte Stück wieder auf Vordermann, reinigte und polierte es und tauschte Rückwand sowie Pedale aus. Heute strahlt es wieder in altem Glanz und ist funktionstüchtig. Jedoch hat bis jetzt noch niemand darauf gespielt: "Wir haben zwar ein bisschen darauf herumgeklimpert, aber da in unserer Familie niemand spielen kann, hat es eigentlich immer nur in der Wohnung wie ein Möbelstück herumgestanden." Der Blasebalg sei übersät mit Flickstücken. "Nach dem Krieg war ein Fahrrad ein Heiligtum. Der Schlauch des Reifens wurde immer wieder geflickt. So ging es wohl auch dem Harmonium", lacht Korb. Beim Aufruf zu unserem Kreisrekord habe sich Günter Korb wieder an die Geschichte des Harmoniums erinnert: "Es besteht aus massivem Holz, sonst hätte es seine Misere wohl nie überlebt. Es hat eine besondere Geschichte, und deswegen geben wir es auch nicht her. Es bleibt in unserer Familie." "Es besteht aus massivem Holz, sonst hätte es seine Misere wohl nie überlebt."Günter Korb