"Ein echtes Zuhause"

Neunkirchen. "Es ist ein echtes Zuhause. Mit Menschen, die mir zuhören und mich verstehen. Und auf die ich mich verlassen kann." Peter Weiland (Name geändert) braucht nicht zu überlegen, um auf die Frage zu antworten, was er an der Wärmestubb schätzt - der Anlaufstelle für Menschen, die obdachlos sind oder in widrigen Wohnverhältnissen leben

Neunkirchen. "Es ist ein echtes Zuhause. Mit Menschen, die mir zuhören und mich verstehen. Und auf die ich mich verlassen kann." Peter Weiland (Name geändert) braucht nicht zu überlegen, um auf die Frage zu antworten, was er an der Wärmestubb schätzt - der Anlaufstelle für Menschen, die obdachlos sind oder in widrigen Wohnverhältnissen leben. Die Einrichtung des Diakonischen Werkes an der Saar und des Caritasverbandes für die Region Schaumberg-Blies bietet Betroffenen eine umfassende Sozialberatung, hilft ihnen bei der Wohnungssuche, gibt ihnen die Möglichkeit, zu duschen oder Wäsche zu waschen, und verteilt Essens- sowie Geldspenden.Am Freitag feierte die Wärmestubb ihr 15-jähriges Jubiläum. Und machte sowohl ihrem guten Ruf als auch ihrem Namen Ehre: Warm und gemütlich ist es in der Stubb, Besucher können sich mit einer Gulaschsuppe und vielen anderen Speisen stärken, kommen miteinander ins Gespräch. Und trotz des Feiertrubels haben die Leiter der Wärmestubb, Silvia Zimmer-Lepiorz und Achim Ickler, Zeit für Peter Weiland. Er zeigt ihnen ein Schreiben, in dem er aufgefordert wird, sein Elterhaus zu verlassen. Nachdem Weiland bereits vor einiger Zeit obdachlos gewesen war, wohnte er zuletzt bei seiner Mutter. Diese wurde jedoch aufgrund ihrer Demenz in ein Heim gebracht, ihr Haushalt aufgelöst - und nun soll Weiland seine Sachen packen.Schnelle und unbürokratische Hilfe ist seit jeher ein Anliegen der Wärmestubb. Doch was hat sich in den 15 Jahren verändert?"Immer mehr Frauen und junge Menschen suchen unsere Einrichtung auf", sagt Silvia Zimmer-Lepiorz. "Wir führen insgesamt mehr und intensivere Beratungsgespräche - der Bedarf an Unterstützung steigt. Das liegt auch daran, dass es immer schwieriger wird, Sozialleistungen für Bedürftige zu bekommen", sagt Achim Ickler. Die Folgen: "Die Existenzängste armer Menschen nehmen zu. Sie müssen sich ständig einschränken", sagt Zimmer-Lepiorz.Diese Erfahrungen bestätigt Wolfgang Biehl, Geschäftsführer des Diakonische Werkes an der Saar, in seiner Ansprache anlässlich des Wärmestubb-Jubiläums. "In unserem Land werden Benachteiligte immer stärker benachteiligt, Bevorzugte immer stärker bevorzugt", sagt Biehl und bezeichnet die Erhöhung des Hartz-IV-Satzes um lediglich fünf Euro als "skandalös".Michael Schütz, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Schaumburg Blies, freut sich zwar über die hohe Wertschätzung und Unterstützung, die die Wärmestubb erfahre. Allerdings würde er es bevorzugen, wenn Menschen gar nicht auf solche Hilfsangebote angewiesen wären - unverzichtbar seien sie dennoch. Auch für Peter Weiland: "Ich habe den Glauben an den Staat verloren. Wenn mir jemand hilft, dann Einrichtungen wie die Wärmestubb", sagt er.gha