Ein Bergmann nach Maß

Ein selbst gezimmerter Mann – welche Frau träumt nicht davon? Für Jutta Backes-Burr vom Tholeyer Kulturamt ging dieser Traum jetzt in Erfüllung. Sie stellte eine männliche Museumspuppe nach eigenen Wünschen zusammen. Diese trägt jetzt die Arbeitskleidung eines Bergmanns und steht im Schaumbergturm – als Repräsentant der Bergbau-Ära. Zurzeit hat die Puppe namens Albert noch einen älteren Plastikkameraden neben sich.

 Jutta Backes-Burr mit der alten Bergmannspuppe. Diese trägt eine traditionelle Tracht.
Jutta Backes-Burr mit der alten Bergmannspuppe. Diese trägt eine traditionelle Tracht.
 Jutta Backes-Burr geht der neuen Puppe Albert an die Wäsche. Herbert Jäckel begutachtet derweil die Kleidung. Fotos: B&K
Jutta Backes-Burr geht der neuen Puppe Albert an die Wäsche. Herbert Jäckel begutachtet derweil die Kleidung. Fotos: B&K

Die Haare hängen zottelig ins Gesicht, an der schwarzen Tracht fehlt ein Knopf. Eine wirklich stattliche Erscheinung ist die Puppe, die einen Bergmann verkörpert, nicht oder besser gesagt nicht mehr. Denn immerhin hat der Bergmann aus Plastik schon einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Zuletzt hatte die Puppe ihr Zuhause in der Ausstellung des Historischen Vereins Hasborn-Dautweiler. Doch die Mitglieder gaben den Bergmann an die Gemeinde Tholey weiter. Denn er sollte einen Platz im Schaumbergturm finden, für die Geschichte des Bergbaus in der Region stehen. Eine stattliche Aufgabe? Doch konnte er der gerecht werden?

Mit kritischem Blick betrachtete Jutta Backes-Burr, Kulturbeauftragte der Gemeinde Tholey, die Bergmannspuppe und entschied: Es muss eine Neue her. "Meine ursprüngliche Idee war eine figürliche Darstellung als Eyecatcher", sagt Backes-Burr. Die dachte dabei an eine moderne Puppe - ohne Gesicht. Mit dieser innovativen Idee habe sie in ein Wespennest gestochen. Und so gab sie nach und orderte eine Puppe mit Gesicht.

Aus Holland kommt der Plastik-Knabe mit blauen Augen und leichtem Schnurrbartansatz. Im Internet konnte sich die Kulturbeauftragte die Puppe, die 300 Euro gekostet hat, individuell zusammenstellen. Der Jüngling trägt Größe 48/50. Das weiß Jutta Backes-Burr seit sie bei der RAG angerufen und um authentische Kleidung für die Puppe gebeten hat. Bis der traditionelle Bergmannskittel schließlich bei der Gemeinde eintraf, trug der Plastikmann Stringtanga und Unterhemd und wohnte im Büro von Jutta Backes-Burr. Liebe auf den ersten Blick war es nicht. Aber inzwischen ist doch eine zarte Bande zwischen der Kulturbeauftragten und der Bergmannspuppe entstanden. Mit Hilfe einer Kollegin hat sie den Plastikjüngling eingekleidet und festgestellt: "Die Arbeitskleidung steht ihm gut."

"Er trägt die Kleidung eines Angestellten im Bergbau", erklärt Herbert Jäckel. Der Vorsitzende des Historischen Vereins Hasborn-Dautweiler hat zusammen mit Franz Rauber, ehemaliger Bergwerksdirektor, und Günter Schnur, der 20 Jahre auf der Grube gearbeitet hat, die Einrichtung der Bergbau-Gedenkecke fachlich begleitet. Zunächst sollte das Thema Bergwerk Teil der Ausstellung "Gipfeltreffen" werden. Doch nun ist dem Bergbau eine eigene Ecke im vierten Stock des Schaumbergturms gewidmet. Hinter einer Glaswand mit der Aufschrift "Glück auf" steht dort nun die neue Bergmannspuppe mit kompletter Ausrüstung: einer Atemmaske, einer Schutzbrille, Schienbein- und Knieschonern sowie Schutzhelm samt Licht. Um die Hüfte trägt der Plastikmann eine schwarze Tasche. "Darin ist der CO-Filterselbstretter", erklärt Jäckel. Wenn es unter Tage zum Brand käme, entstünden CO-Gase, die schon in geringer Konzentration tödlich seien. Diese werden von dem Filter in CO{-2} umgewandelt.

Kittel statt Stringtanga

Momentan steht die neue Bergmannspuppe nicht alleine in der Glasvitrine. Sie hat ihren älteren Kameraden neben sich. Inzwischen hat die alte Puppe ihre zerzauste Perücke abgelegt und die schwarze Tracht gerichtet. So dass Jutta Backes-Burr sogar recht angetan ist von der Idee, die beiden Puppen zusammen in der Vitrine stehen zu lassen. Aber die endgültige Entscheidung soll erst fallen, wenn die Informationstexte, die auf die Glaswand übertragen werden, fertig gestellt sind. Die Zukunft der alten Bergmannspuppe ist also ungewiss, doch was weiß man über deren Vergangenheit? Der Historische Verein Hasborn-Dautweiler hat die Puppe von Bernhard Besch geschenkt bekommen. Er ist der Enkel von Nikolaus Warken. Der in Hasborn geborene Warken war ein Bergarbeiter und gründete den Rechtsschutzverein für die bergmännische Bevölkerung des Oberbergamtsbezirks Bonn sowie das erste Gewerkschaftshaus im Saarland (in Bildstock). "Somit steht die Puppe in direkter Linie zu Nikolaus Warken", so Backes-Burr.

Die Tracht der alten Puppe ist ein traditionelle Bergmannskittel. "Der wurde bei festlichen Anlässen getragen", weiß Jäckel. Er geht davon aus, dass die Tracht aus dem 19. Jahrhundert stammt. Am Stehkragen sind Schlegel und Eisen zu erkennen. Das stehe für den Bergmann. Es gebe noch weitere Zeichen wie Winkel oder Eichenlaub.

Ob am Ende eine oder zwei Bergmannspuppen in der Vitrine stehen - die Macher sind zufrieden mit dem Ergebnis. "Über 50 Prozent der Bevölkerung war im 19. und 20. Jahrhundert vom Bergbau abhängig", weiß Bürgermeister Hermann Josef Schmidt. Die Texte, die noch auf die Glasfront der Bergbau-Vitrine aufgebracht werden, geben einen Überblick über die Bergwerke im Saarland. Günter Schnur ist es wichtig, dass die Tradition bewahrt wird. Denn der Bergbau spielte auch in unserer Region eine große Rolle. Noch ist der Bergbau nicht ganz Geschichte. "Zehn Kilometer Schacht sind noch offen", informierte Jäckel, Mitarbeiter des Oberbergamts des Saarlandes. Und zwar zu Wasserhaltungszwecken, das heißt, dass das Wasser unter Tage nach oben gepumpt wird. Mit dieser Arbeit seien 180 Leute beschäftigt.

Die neue Bergmannspuppe hat bereits einen Namen, informiert Günter Schnur. Albert heißt sie, benannt nach dem preußischen Minister Albert Maybach, der wiederum Namensgeber der Grube Maybach war. Damit die beiden männlichen Puppen nicht schutzlos im Turm stehen, wurde die Bergbau-Ecke um eine hölzerne Statue der Heiligen Barbara ergänzt. Sie ist unter anderem die Schutzpatronin der Bergleute. "Die Heilige Barbara ist mit Turm dargestellt. In diesen ist sie von ihrem Vater eingesperrt worden", erläutert Jäckel. Die drei Öffnungen im Turm stehen für die Dreifaltigkeit. Jäckel fand die Figur passend, da der Turm wiederum auf den Schaumbergturm verweist.