Drei Monate auf einem Auge blind

Drei Monate auf einem Auge blind

Neunkirchen. Yacine Hedjilen hatte es bisher nicht leicht. Der in der algerischen Küstenstadt Oran geborene Fußballspieler von Oberligist Borussia Neunkirchen hatte trotz seiner erst 21 Jahre schon mit einigen Rückschlägen zu kämpfen. Vor dem Heimspiel an diesem Samstag um 14.30 Uhr gegen den FC Arminia Ludwigshafen will sich der Offensivspieler für die Startelf empfehlen

Neunkirchen. Yacine Hedjilen hatte es bisher nicht leicht. Der in der algerischen Küstenstadt Oran geborene Fußballspieler von Oberligist Borussia Neunkirchen hatte trotz seiner erst 21 Jahre schon mit einigen Rückschlägen zu kämpfen. Vor dem Heimspiel an diesem Samstag um 14.30 Uhr gegen den FC Arminia Ludwigshafen will sich der Offensivspieler für die Startelf empfehlen. Ein Konkurrent dafür ist der 24-jährige Stürmer Amodou Abdullei (zuletzt F91 Dudelange/Luxemburg), der diese Woche verpflichtet wurde.Mittlerweile ist der in Neunkirchen wohnende Hedjilen in seiner dritten Saison bei den Aktiven. Vorher spielte er schon seit der F-Jugend für die Borussia. Als er gerade auf dem Sprung in die erste Mannschaft war, passierte etwas, das seine berufliche Zukunft entscheidend beeinflusste: "Beim Schulsport hat mir jemand den Finger ins rechte Auge gerammt", erinnert er sich an den Beginn einer für ihn schweren Zeit. "Ich hatte eine Augapfel-Prellung, eine Netzhaut-Ablösung und noch ein paar andere Augenverletzungen auf einmal. Wegen der Netzhaut-Ablösung war ich auf dem Auge drei Monate lang blind", erklärt er.

Über ein Jahr musste er mit dem Fußballspielen pausieren und wurde nach seiner Rückkehr zwischenzeitlich aus dem Erstmannschaftskader gestrichen. "Es war schon schwer, wieder reinzufinden. Aber mittlerweile geht es wieder", meint Hedjilen zuversichtlich.

Mit der Verletzung ist auch sein bisheriger Berufswunsch für ihn gestorben: Wegen der Beeinträchtigung des Auges kann er nicht zur Polizei. Außerdem war die Trennung seiner Eltern nicht leicht für den 21-Jährigen, der seitdem bei seiner Mutter lebt. "Das sollen keine Ausreden sein, aber ich konnte mich in der Zeit nicht richtig auf Fußball konzentrieren", sagt der 21-Jährige

Er ist derzeit in der elften Klasse der Fachoberschule und will nun sein Fachabitur nachholen. "Meine Tante hat in Frankreich mit 50 Jahren ihr Abitur gemacht. Aber so lange will ich nicht warten", sagt er und lacht. Am liebsten würde er künftig in einem Beruf arbeiten, in dem er "irgendwas mit Autos" zu tun hat. Richtig in Fahrt kam er in dieser Saison noch nicht. Zwar war er in fünf Spielen dabei - wurde allerdings jedes Mal erst in der Schlussphase eingewechselt. Zuletzt schmorte er 90 Minuten lang auf der Bank.

Hedjilen will sich mit dieser Rolle zwar nicht zufriedengeben, akzeptiert sie aber und fühlt sich nach wie vor Wohl in Neunkirchen. "Ich würde gerne länger bei der Borussia bleiben. Aber damit mir ein neuer Vertrag angeboten wird, muss ich erstmal eine gute Saison spielen", weiß er. Dass auch die ganze Mannschaft eine gute Saison spielen wird, glaubt Yacine Hedjilen trotz des durchwachsenen Starts: "Die ersten drei, vier Spiele waren ein bisschen schwer. Wir haben ein paar Verletzte und hatten auch viel Pech und deshalb ein paar Punkte verschenkt", sagt er und kündigt an: "Aber in den letzten Spielen haben wir gut gespielt und die Kurve bekommen. Wenn es so weitergeht, können wir noch was reißen."