Diesen Schurken mögen alle

Saarbrücken. Als Otfried Preußler sich Anfang der 60er Jahre vergeblich mit dem Stoff zu "Krabat" herumschlug, beschloss er, zur eigenen Abwechslung etwas Lustiges zu schreiben: Eine "echte" Kasperlegeschichte mit Kasper, Seppel, einer Großmutter, einem Polizisten, einem bösen Zauberer, einer guten Fee und natürlich - einem Räuber

Saarbrücken. Als Otfried Preußler sich Anfang der 60er Jahre vergeblich mit dem Stoff zu "Krabat" herumschlug, beschloss er, zur eigenen Abwechslung etwas Lustiges zu schreiben: Eine "echte" Kasperlegeschichte mit Kasper, Seppel, einer Großmutter, einem Polizisten, einem bösen Zauberer, einer guten Fee und natürlich - einem Räuber. Dass die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz derart einschlagen würde (das erste Buch und die zwei folgenden "Neues vom Räuber Hotzenplotz" und "Hotzenplotz 3" wurden in 34 Sprachen übersetzt), damit hatte Preußler wohl selbst nicht gerechnet. 48 Jahre nach seiner Entstehung kommt der "Räuber Hotzenplotz" nun als Weihnachtsstück in der Inszenierung von Jörg Wesemüller ins Staatstheater. Jasna Bonjak hat das Bühnenbild entworfen, Esther Criado Valladares die Kostüme. Beide arbeiten nicht zum ersten Mal zusammen - letztes Jahr übernahmen sie die Gestaltung für den "Zauberer von Oz" und bildeten auch für diese neue Inszenierung ein kreatives Team. Natürlich müsse man das Kasperlestück in die heutige Zeit transportieren, aber ohne ihm das Parodistische und das Märchenhafte zu nehmen, meinen beide. Die Kinder müssten an ihre eigene Erlebnis- und Erfahrungswelt anknüpfen können. Darum verwandelte Jasna Bonjak die Bühne im ersten Teil in einen Spielraum, angesiedelt zwischen Zirkus und Abenteuerspielplatz, ausgestattet mit Rutschen, Röhren, Podesten, Tauen und Schnüren, den die Schauspieler mit fast unendlichen Möglichkeiten bespielen können: "Jedes Kind kennt so etwas," meint Jasna Bonjak. Im zweiten Teil werde es dann unheimlich, wenn sich die Bühne verwandelt und das Schloss des Zauberers Zwackelmann entsteht, das mit seinen Schlupfwinkeln und futuristisch-mechanischen Möglichkeiten nicht nur der kindlichen Fantasie keine Grenzen setzt. Esther Criado Valladares unterstreicht mit den von ihr entworfenen Kostümen die Charaktere: Zauberer Zwackelmann beispielsweise erinnert als androgynes Wesen mit Epauletten und bodenlangem Ledermantel an Figuren aus dem Science-Fiction-Film "Matrix", der Hotzenplotz sieht aus wie ein richtiger Räuber, ist aber mit seinen langen schwarzen Haaren und seinem Tatoo auf dem Arm ein attraktiver Kerl: "Es wird nicht lange dauern, bis die Kinder ihn mögen," davon ist Esther Criado Valladares überzeugt. Über den kreativen Prozess, der bereits im Frühjahr begann und bei dem nach und nach auch die Ideen der Schauspieler einbezogen wurden, urteilen Esther und Jasna übereinstimmend: "Wir haben viel gelacht - diese Arbeit macht einfach Spaß." Den wünschen sie auch den kleinen und großen Zuschauern, wenn es ab dem 7. November heißt: Vorhang auf für den Räuber Hotzenplotz!Für die Premiere am Sonntag, 7. November, 17 Uhr, im großen Haus des Staatstheaters, gibt es noch einige Restkarten. Weitere Vorstellungen unter anderem am 8. November, 11 und 15 Uhr, am 10. November, 11 Uhr, am 11. November, 11 und 15 Uhr. Weitere Aufführungen, Infos und Karten: (06 81) 3092-486.www.staatstheater-saarbruecken.de

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