1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Nohfelden

Die unbekannte Seite des John Lennon

Die unbekannte Seite des John Lennon

Einige der schönsten Stücke seiner umfangreichen Sammlung aus Grafiken, Zeichnungen, Cartoons aus der Feder des Beatles John Lennon zeigt Michael-Andreas Wahle zurzeit im Museum Schloss Fellenberg in Merzig. Über den Inhalt der einzigartigen Präsentation – sie wird bis 27. Juli in Merzig zu sehen sein und anschließend in Prag gezeigt – hat sich SZ-Redakteur Wolf Porz mit Wahle unterhalten.

Für seinen zweiten Sohn Sean fertigte Lennon Bilder wie dieses. „Papa, mal mal eine schnurrende Katze“, lautete der Auftrag.

Herr Wahle, die Leute sammeln Musik der Beatles, also Schallplatten. Aber Zeichnungen?

Wahle: Man kann das Eine tun ohne das andere sein zu lassen. Ich sammele auch Schallplatten. Aber gerade die Kunst von John Lennon hat es mir angetan, und irgendwann ist der Sammlertrieb erwacht.

Was Sie in Merzig zeigen, ist mehr als beeindruckend. Seit wann tragen Sie Beatles- und speziell Lennon-Artefakte zusammen?

Wahle: Ich sammele seit fast 40 Jahren. Was inzwischen das Tolle für mich ist: Ich muss nicht mehr nach Stücken suchen. Die Stücke kommen zu mir. Zu Beginn musste ich jedem Stück geradezu nachjagen.

Wie sind Sie zu den Beatles gekommen?

Wahle: Ich bin als Jahrgang 1960 Beatlesanhänger der zweiten Generation. Über das blaue und das rote Album (zwei Doppelschallplatten, die Anfang der 1970er Jahre die großen Hits der Beatles aus den Perioden 1962 - 1967 und 1967 - 1969 zusammen gefassen haben, die Red.) habe ich Zugang zur Musik gefunden. Und dann irgendwann mit zunehmender - auch musikalischer "Reife” John Lennon für mich entdeckt.

Warum ausgerechnet ihn?

Wahle: Vor allem nach der Trennung der Beatles hat er sich enorm entwickelt. John Lennon hat Texte geschrieben, deren Inhalt heute noch Gültigkeit haben. Als ich seine Texte für den Ausstellungskatalog übersetzt habe war ich gerade von der Aktualität mehr als überrascht. Und er hat eine Kreativität an den Tag gelegt, die beispiellos ist.

Was meinen Sie damit?

Wahle: Der Mann war so vielseitig. Und so genial. Schauen Sie das Bild "Two are one" (Zwei sind eins) in der Ausstellung an. Darauf hat er mit ein paar ganz einfachen Strichen seine geliebte Yoko Ono und sich gezeichnet - das ist fast unerreicht.

Seine Musik kennt jeder. Lennon als Maler und Zeichner ist eher unbekannt.

Ja, das ist schade. Auch deshalb habe ich diese Ausstellung konzipiert. Er kommt ja aus der bildenden Kunst, hat in Liverpool einige Semester Kunst studiert und eigentlich immer auch gemalt. Aber über Jahre hat die Musik natürlich alles andere überlagert.

Sie haben Arbeiten aus allen Perioden zusammen getragen. Worauf sind Sie besonders stolz?

Wahle: Wenn ich ehrlich bin, bin ich stolz darauf, dass in dieser Ausstellung Arbeiten aus der Sammlung von Cynthia, Lennons erster Frau, und Yoko Ono, Lennons Witwe, mit deren Wissen gemeinsam gezeigt werden. Dies ist weltweit einzigartig.

Ach, haben die Damen noch immer ein Problem miteinander?

Wahle: So würde ich das nicht sagen, aber es gibt gefühlt doch immer noch so ein paar Animositäten. Zu offiziellen Anlässen, wie bei Lennons 70. Geburtstag , sah man beide Familien einträchtig zusammen - aber sonst gehen sie sich aus dem Weg. Was mich freut ist die Beziehung beider Lennon Söhne, die ist im Laufe der Jahre enger geworden.

Sie kennen Yoko Ono, der man ja nachsagt, sie habe die Beatles auseinander gebracht. Wie ist die denn so?

Wahle: Sie hat die Beatles nicht auseinander gebracht. Das waren die Beatles selbst. Vier unterschiedliche Charaktere, die sich weiter entwickeln wollten. Da war einfach irgendwann der Punkt erreicht, wo gemeinsam nichts mehr ging. Und Yoko Ono ist eine ganz sensible, sehr zurückhaltende Frau. Ein ganz lieber und liebenswerter Mensch, zunächst misstrauisch oder zurückhaltend aber wenn man ihr Vertrauen gewonnen hat, ein sehr offener Mensch. Das sage ich auch weil ich sie alle paar Jahre treffe, zuletzt in Berlin wo sie ihren 80. Geburtstag im Rahmen eines Konzertes der Plastic Ono Band feierte. Auch der langjährige Wegbegleiter Klaus Voormann, der ja auch schon im Schloss Fellenberg ausstellte, saß neben mir, so schließen sich irgendwann auch immer die Kreise.

So gut kennen Sie die Lennon-Witwe?

Wenn das etwas aussagt: Sie schreibt mir jedes Jahr eine Weihnachtskarte. Und manches Stück aus meiner Sammlung stammt von ihr.

Kann man denn mit Yoko Ono sich so unterhalten, wie wir beiden das jetzt tun?

Wahle: Durchaus. Sie weicht keinen Fragen aus. Sie erzählt schön und wissen Sie was? Sie liebt John noch immer. Die beiden waren für mich das Liebespaar des Jahrhunderts, wenn auch wohl das am meisten gehasste Liebespaar der Musikgeschichte.

Museum Schloss Fellenberg, Merzig, Torstraße 45 a, Telefonnummer (0 68 61) 79 30-30 und 31. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 14 bis 17 Uhr und nach Voranmeldung.

www.museum-schloss-

fellenberg.de

www.sammlung-wahle.de